Symbolbild - © dpa
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Gütersloh Günstiger Wohnraum wird in Gütersloh immer knapper

Debatte: Ein Vorstoß der Linken findet vom Grundsatz her breite politische Unterstützung. Allerdings ist noch überhaupt nicht klar, wie der steigende Bedarf künftig gedeckt werden soll

Gütersloh. Dass es beim Gewerbeflächenangebot in der Stadt schon düster aussieht, wird offen beklagt. Aber beim sozialen Wohnungsbau ist die Lage in Gütersloh fast noch schlimmer. Auf Anfrage der Linken, wie viel günstiger städtischer Wohnraum derzeit kurzfristig vermietbar sei, teilte die Verwaltung mit: null Quadratmeter. Und wo könnte städtischer Grund für Geschosswohnungsbau genutzt werden? Allenfalls an zwei Stellen. "Aber im Grunde sind wir auf dem Sektor pleite", sagte Fachbereichsleiter Rainer Venhaus im Ausschuss. Eine größere Fläche könnte lediglich in Niehorst bereitgestellt werden. Doch dazu wäre eine Änderung des Bebauungsplans erforderlich. Außerdem liegt das Areal aus städtebaulicher Sicht ungünstig, es fehlt die Anbindung. Daneben gibt es lediglich noch ein Grundstück an der Scharnhorststraße. Es grenzt direkt an die B 61 und sei deshalb "höchst problematisch". Die Linken beklagen in ihrem - letztlich vertagten Antrag - mit diversen Verpflichtungsregelungen, bezahlbaren Wohnraum für Mieten zwischen 5 und 6 Euro pro Quadratmeter zu sichern, dass derartige Angebote de facto nicht vorhanden seien. Gerade für 1- und 2-Personen-Haushalte bestehe seit Jahren dringender Handlungsbedarf. Laut Verwaltung, das ergab eine Anfrage am Freitag, suchen derzeit rund 1.110 Haushalte preiswerten Wohnraum. 2010 waren es 700. Fraktionsvorsitzender Manfred Reese: "Wenn nicht rechtzeitig gehandelt wird, entlädt sich der Unmut der Menschen hier bei uns." Angesichts der vielen Flüchtlinge sprach Reese im Ausschuss von sozialem Sprengstoff, zumal dann, wenn Asylsuchenden eher eine neue Wohnung zugewiesen werde als Menschen, die hier schon seit zehn in Jahren in schimmeligen Räumen lebten und einfach keine neue Bleibe fänden. Die Suche wird immer schwieriger. Denn die Zahl der Sozialwohnungen ist seit 1999 von rund 4.500 auf 2.000 zurückgegangen. Diese Auskunft hat Dr. Thomas Krümpelmann (SPD) vom Fachbereich Bauordnung erhalten. Es gebe kaum Fluktuation, sagte Krümpelmann. Seit vielen Jahren versucht die Stadt mit dem Instrument des kommunalen Baulandmanagements (KBM) steuernd einzugreifen. Die Regeln sehen vor, dass 50 Prozent (früher 40) neuer Baugebiete jungen Familien zu vergünstigen Konditionen angeboten werden müssen. Das sind gut 100 Euro Kaufpreis pro Quadratmeter Bauland. Darüber hinaus werden in Bebauungspläne wie zuletzt für die Krullsbachaue Vorgaben zum Geschosswohnungsbau gemacht. Aber den Projektentwicklern bleibt es überlassen, ob sie Eigentums- oder Mietwohnungen schaffen, freilich auch zu welchen Preisen. Stadtbaurat Henning Schulz sagte, angesichts der explodierten Baukosten sei heute eine Miete von 5 Euro nicht zu erwarten, erst recht dann, wenn mögliche Investoren die üblichen gut 200 Euro pro Quadratmeter Grundstück hinblättern müssten. Folge: Entweder sei der Preis zu drosseln - auf 70 bis 90 Euro - oder die Stadt müsse selber neuen, günstigen Wohnraum schaffen. Schulz: "Das wäre ein Paradigmenwechsel." Und er fügte hinzu: "Aber auf jeden Fall müssen wir tätig werden in Gütersloh." Das sahen alle Sprecher im Ausschuss genauso. Die Rede war von einem "drängenden und dringenden Problem". Unisono gab es Lob die die Linken für deren Impuls, wenn auch nicht für die Details ihres Antrags. Nun soll die Verwaltung den Politikern bis November Vorschläge unterbreiten, um die Not beim günstigen Wohnraum zu lindern. Im Gegensatz zu den meisten andren Kommunen kann Gütersloh bald ohne eigenes Zutun auf preiswerte Wohnungen zurückgreifen: Wenn die Briten abziehen, hat die Stadt ein Erstzugriffsrecht auf die Häuser im Eigentum der Bundesanstalt BImA. Das sind rund 300 der insgesamt 1.000 betroffenen Einheiten - Altbauten, die für gut 6 Euro Quadratmetermiete zu haben sein dürften.

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