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Exzellent: Das Gütersloher Vokalensemble "Campus 2010" unter Stefan Ehring (vorne links) brillierte zum fünfjährigen Bestehen in der Evangeliumskirche. - © Matthias Gans
Exzellent: Das Gütersloher Vokalensemble "Campus 2010" unter Stefan Ehring (vorne links) brillierte zum fünfjährigen Bestehen in der Evangeliumskirche. | © Matthias Gans

Gütersloh Mustergültiger Chorgesang

Cantus 2010: Das Gütersloher Vokalensemble zeigte seine Klasse in der Evangeliumskirche

Matthias Gans
01.10.2015 | Stand 01.10.2015, 10:56 Uhr

Gütersloh. "Licht und Schatten" war das Konzert des Vokalensembles "Cantus 2010" in der Evangeliumskirche doppeldeutig überschrieben. Entsprechend pendelte der musikalische Ausdruck dieser Sternstunde des Chorgesangs zwischen differenziert verschatteter Tongebung in den von Ruhe oder Kümmernis geprägten Nachtstücken und vokaler Strahlkraft in den von Licht durchfluteten Liebes- und Scherzliedern. Alle Interpretation einte indes die Fähigkeit der zwölfköpfigen, handverlesenen Gütersloher Sängerschar und ihres - diesmal mitsingenden - Leiters Stefan Ehring, sich ganz und gar auf die Atmosphäre und Eigenheit jedes einzelnen Stücks einlassen zu können. Schon die skandinavischen Chorwerke, etwa das impressionistisch flackernde "Northern Lights" von Ola Gjeilo und auch das irgendwie nordisch-mystisch klingende "Lux aurumque" von Eric Witacre gefielen durch gleichermaßen penible wie suggestive Darstellungen. Die pianissimo gehaltenen Liegetöne schienen im Raum zu schweben, und die clusterähnlicher Akkordballungen wirkten in ihrer weichen Tongebung so gar nicht aggressiv. Dass Chortugenden wie Homogenität, rhythmische und intonatorische Präzision und Wortverständlichkeit nicht nur diese Werke und heiter plappernde Renaissance-Chansons von Clément Jannequin und Orlando di Lasso zu größter Wirkung bringen, sondern auch deutschem Repertoire gut anstehen, versteht sich von selbst. Ob Max Regers "Morgengesang" oder "Nachtlied", die den anderthalbstündigen Abend rahmten und durch den ruhigen Atem der Ausführung gefielen, oder Johannes Johannes Brahms? bewegende Motette "Warum ist das Licht gegeben dem Mühseligen", das die Frage Hiobs nach dem großen "Warum" in eine höchst expressive Klangsprache behandelt: Stefan Ehring fand für diese Musik einen geradezu idealtypischen Zugang. Emotionalität wurde hier nicht durch aufgesetzte Gefühligkeit erreicht, sondern durch Transparenz, die Klangfülle nicht ausschloss. Zwei von Marianne Vier professionell frei erzählte Sagen und Märchen aus Irland und von den Brüdern Grimm, passend zum Thema ausgewählt, machten diesen besonderen Konzertabend perfekt. Billy Joels "And so it goes" war ein emotionaler Höhepunkt des Abends, der andere die zweite Zugabe: Matthias Claudius? "Abendlied", von Schulz komponiert, von Reger gesetzt: Wunderbar!

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