Souverän: Frontmann Ralf Schuppner hat die Zuschauer im Mohns Park spät, aber dafür umso sicherer im Griff. - © Jens Dünhölter
Souverän: Frontmann Ralf Schuppner hat die Zuschauer im Mohns Park spät, aber dafür umso sicherer im Griff. | © Jens Dünhölter

Gütersloh Donnervögel rocken die Freilichtbühne

Gütersloher Sommer: "Thunderbirds" locken rund 3.000 Rockfans in Mohns Park

Gütersloh. In Gütersloh ist es eisernes Gesetz: Wenn die Donnervögel im Anflug sind, wird die Freilichtbühne im Mohns Park zur Sardinenbüchse. Ein "Gütersloher Sommer" ohne die "Thunderbirds" ist für die viele Musikfreunde ebenso absolut undenkbar wie Weihnachten ohne Tannenbaum. Es gehört einfach zusammen. Über 30 Jahren lang hat der Auftritt der dienstältesten Band am Ende der Sommerferien die "Umsonst und draußen"-Reihe beendet. 2015 ist jedoch vieles anders als in den Vorjahren. Aufgrund zweier regenbedingter Absagen hat der Verkehrsverein als Veranstalter den "Gütersloher Sommer" auf dem kurzen Dienstweg um 14 Tage, beziehungsweise zwei weitere Konzerte verlängert. Statt zum Ende fegten die Donnervögel in diesem Jahr daher am Sonntag mittendrin über ihr Wohnzimmer im Mohns Park hinweg. Dies jedoch speziell zum Ende hin mit der bewährten und unaufhaltsamen Heftigkeit. Damit sie den Auftritt der 1961 von Frontmann Ralf Schuppner gegründeten Kultgruppe der "Stones aus Ostwestfalen" in vollen Zügen genießen konnten, herrschte vor dem Konzert eine Szenerie, die Jürgen Behnke vom Verkehrsverein an ungeliebte Sitten wie im Mallorca-Urlaub erinnerte. Halb im Spaß, halb im ernst erklärte Behnke vor Konzertbeginn: "Als wir um halb drei kamen, waren die besten Plätze schon mit Sitzkissen belegt. Das war wie im Urlaub auf Malle. Nächsten Sonntag legen wir noch weißen Sand in den Reihen aus, dann ist der Urlaubs-Effekt komplett." In der Tat war die 1.000 Personen fassende Sitztribüne schon eine Dreiviertelstunde vor Konzertbeginn voll besetzt. Insgesamt waren es um die 3.000 Musikfans, Ausflügler und Nostalgiker, die mit den Thunderbirds eine fast dreistündige Reise in die Welt des Rock?n?Roll und des Swing aus den 60er und 70er Jahre unternahmen. Die Hänge vor und neben dem kleinen Amphitheater waren so gut gefüllt, dass Umfallen fast unmöglich war. Kathrin Groth, Chef-Organisatorin des Verkehrsvereins: "Das ist heute absoluter Ausnahmezustand. Mehr geht nicht. Nächste Woche läuft alles wieder normal." Musikalisch machten die Thunderbirds, der Dinosaurier des Gütersloher Sommers, genau das, was das mit vielen Fan T-Shirts erwartungsfroh angereiste Stammpublikum von ihm erwartete: Sauber und routiniert wie in den 54 Jahren des Band-Bestehens spielten die aus Ralf Schuppner (Liedsänger), Christian Burk (Gitarre, Keyboard, E-Piano, Vocals), Martin Rode (Saxophon), Andreas Postert (Schlagzeug), Lutz Theiling (Keyboards) und Gunnar Ennen (Gitarre) bestehenden Donnervögel eigene Kompositionen, aber auch legendäre Stücke von der Spider Murphy Gang ("Schickeria"), Benny Quick ("Motorbiene"), Eagles ("Tequila Sunrise") oder Chuck Berry ("Johnny B. Goode"). Wenn es bei dem musikalisch blitzsauberen, einwandfreien Auftritt einen Kritikpunkt gab, dann den, dass die Vielflieger bei aller Routine, Erfahrung und dem vorhandenen Können das Publikum nicht ein bisschen eher mitnahmen. Sobald der in Personalunion als Urheber, Texter, Komponist, Frontman, Manager und Bandleader agierende Ralf Schuppner im ersten Teil zum Klatschen aufforderte, bewegten sich die Hände im Takt mit, ansonsten sprühten zwischen der Band und dem Auditorium die Funken nicht im Akkord. Wie man das Auditorium mit einem absolut emotionalen, mitreißenden Saxofon-Solo aus den Sommer-Sandalen haut, zeigte Martin Rode beim Gang durch die Reihen am Ende des genial inszenierten Dires Strates-Hits "Sultans of Swing". Die Klassiker mit Gänsehaut-Effekt wie "Whatever you want", "Take it easy", The Wanderer", "Knocking on heavens door" oder "Rockin?all over the world" hatten sich die Thunderbirds für nach der Pause aufgehoben. Bei den Zugabe-Gassenhauern "Über sieben Brücken", "Marmor, Stein und Eisen bricht" oder "Satisfaction" standen kurz vor 19.30 Uhr immer noch mehr als 2.000 enthusiastisch mitklatschende Besucher auf den Bänken. Auf dem Siedepunkt war die Stimmung, als der mittlerweile um die 70 Jahre junge Frontmann Ralf Schuppner sich mit einem "Tschüss, wir sehn?n uns nächsten Jahr wieder" von den Güterslohern verabschiedete. Die Bilder werden dann wohl denen von 2015 gleichen. Wenn die Donnervögel im Anflug sind, wird die Freilichtbühne zur Sardinenbüchse. In Gütersloh ist das eisernes Gesetz.

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