Wohndiskussion: Elvan Korkmaz moderierte die Gesprächsrunde mit Architekt Thomas Spooren (v. l.), SPD-Landtagsfraktionschef Norbert Römer, SPD-Stadtverbandsvorsitzender Matthias Trepper und Wolfgang Schmelz, Geschäftsführer des Bauvereins Gütersloh. - © Rolf Birkholz
Wohndiskussion: Elvan Korkmaz moderierte die Gesprächsrunde mit Architekt Thomas Spooren (v. l.), SPD-Landtagsfraktionschef Norbert Römer, SPD-Stadtverbandsvorsitzender Matthias Trepper und Wolfgang Schmelz, Geschäftsführer des Bauvereins Gütersloh. | © Rolf Birkholz

Gütersloh Günstiger Wohnraum für alle

SPD-Diskussion: Übernahme der Briten-Häuser soll "Chefthema" werden

Gütersloh. Der von verschiedenen Seiten beklagte Mangel an preisgünstigem Wohnraum in Gütersloh könnte durch den Abzug der Briten ab 2020 zumindest gemildert werden. Dazu müsste die Stadt laut SPD-Stadtverbandsvorsitzenden Matthias Trepper die 350 bis 400 nicht Privateigentümern gehörenden frei werdenden Wohneinheiten - von insgesamt 950 - kaufen und sie "zu fairen Mieten zur Verfügung stellen." Das sei "für uns eine große Chance", sagte Trepper auf einer Diskussionsveranstaltung der SPD im Spexarder Bauernhaus. Denn die Makler allein schafften es nicht, "auch morgen noch ausreichend Wohnraum für alle" bereit zu stellen, erklärte der Bankkaufmann und Bürgermeisterkandidat den gut 30 Teilnehmern der von der stellvertretenden Landrätin Elvan Korkmaz moderierten Veranstaltung. Dem stimmte auch Thomas Spooren zu. "Der Markt kann das nicht", stellte der Architekt und frühere Vorsitzende des Gestaltungsbeirates fest. Spooren erinnerte aber auch daran, dass es die Stadt mindestens seit den 90er Jahren versäumt habe, eine "aktive Bodenvorratspolitik" zu betreiben. Die Politik müsse die Verwaltung beauftragen zu handeln. Als Geschäftsführer des gemeinnützigen Bauvereins Gütersloh sah Wolfgang Schmelz keine Probleme, hier eine Standardwohnung von drei bis vier Zimmern und 70 bis 80 Quadratmetern zu finden. Schwierig werde es aber bei Flächen bis zu 50 Quadratmeter, bei Sozialwohnungen und seniorengerechten Unterkünften. Für Letztere habe allein der Bauverein zurzeit 350 Interessenten. Wenn die Stadt die Wohnungsübernahme von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) mittels einer zu gründenden Entwicklungsgesellschaft leisten will, kann sich Schmelz vorstellen, dass sich der Bauverein dabei engagiere. Auch Norbert Römer, Fraktionsvorsitzender der Sozialdemokraten im Landtag, riet angesichts der Britenhäuser: "Ihr müsst das nutzen." Das müsse zum "Chefthema" gemacht werden. Römer wies auch auf abrufbare Gelder der sozialen Wohnraumförderung des Landes NRW hin. "Die politische Leitlinie ?privat vor Staat? ist gescheitert", beschied er der vormaligen CDU-Regierung. Es gehöre zur Verantwortung der Kommunen, sich um Wohnungsfragen "zuallererst zu kümmern". So will auch Matthias Trepper hier auf "Daseinsvorsorge" statt Profitorientierung setzen. Deshalb baue er auch bei der Unterbringung von Flüchtlingen auf "Dezentralisierung. Ghettos wie etwa einst die Obdachlosenbaracken an der Holzheide ("Das geht gar nicht") werde es nicht geben, antwortete er auf eine Frage von Ernst J. Klinke, dem Leiter des Arbeitskreises Pro Asyl. 200 in Privatbesitz befindliche britische, womöglich auch von Leiharbeiterfirmen ins Auge gefasste Wohneinheiten am Rudolstädter Weg brachte Klaus Welpmann vom Bürgerverein Blankenhagen ins Gespräch. Hier erkannten Trepper und Schmelz gleichwohl Möglichkeiten, auch diese Quartiere aufkaufen zu können. Sie scheinen besonders geeignet für junge Familien. SPD-Ratsherr Hans-Peter Jost zufolge könnte man solche Häuser jungen Leuten auf dem Wege des Mietkaufs überlassen.

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