Warburg/Gütersloh Jugendliche reisen zur Kriegsgräberpflege nach Russland

Die Reise der jungen Teilnehmer geht in die Partnerstadt von Gütersloh

Warburg. Es ist Ferienzeit, und viele Jugendliche tummeln sich am Strand oder am Badesee. Doch nicht die 14 Teilnehmer des internationalen Workcamps des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Sie sind nach Rshew (Russland) gereist, um dort deutsche und russische Kriegsgräber zu pflegen. "Man merkt immer wieder, dass die Nationalität keine Rolle spielt", sagt Werner Dürdoth. Er ist Ansprechpartner für die Jugendarbeit des Volksbundes Deutsche Kriegsgräber in Ostwestfalen und begleitete die 14 Jugendlichen im Alter von 16 bis 20 Jahren auf ihrer Reise nach Russland. Alle zwei Jahre findet das deutsch-russische Workcamp statt, die Mehrheit der Teilnehmer stammt aus Nordrhein-Westfalen. "Viele von ihnen haben russische Wurzeln", sagt Dürdoth, "sie wollen wissen, woher sie kommen." Aber auch das Interesse an Geschichte und die Lust daran, eine fremde Kultur kennenzulernen, habe die Jugendlichen angetrieben, sich zum Workcamp anzumelden.Lieber russische Kultur erleben, statt am Strand zu liegen Mit dabei war auch Schülerin Meike Bröckelmann (16) aus Rheda-Wiedenbrück. Sie hatte zwar vorab schon ein paar Berührungspunkte mit der russischen Kultur, fremd war sie ihr aber trotzdem. "Ich wollte gerne das Land und die Menschen kennenlernen", sagt sie. "Wenn man nur am Strand liegt, funktioniert das natürlich nicht. Deswegen habe ich mich für das Camp entschieden." In Rshew angekommen, trafen die deutschen Jugendlichen auf die 15 russischen Teilnehmer der Reise. Gemeinsam verbrachten sie die knapp zwei Wochen im Sportheim "Sarnitza" direkt an der Wolga. "Vormittags haben wir Gräber gepflegt, und nachmittags stand in der Regel Projektarbeit an", sagt Dürdoth. Als Berufssoldat kommt er öfters mit den Themen Krieg und Kriegstote in Berührung. Seit 1995 begleitet er verschiedene Jugendcamps des Volksbundes und reiste hierdurch unter anderem nach Frankreich, Italien, Dänemark und Polen. "Das Motto des Volksbundes lautet: ,Arbeiten für den Frieden und Versöhnung an den Gräbern?, das ist auch immer der Leitgedanke bei den Jugendbegegnungen."Rshew wurde während des zweiten Weltkriegs fast komplett zerstört Die Stadt Rshew hat rund 60.000 Einwohner und liegt etwa 200 Kilometer westlich von Moskau. Die Partnerstadt von Gütersloh wurde während des Zweiten Weltkrieges zu rund 90 Prozent zerstört. Knapp 16 Monate kämpften deutsche und russische Soldaten um die Stadt, dabei ließen Hunderttausende von ihnen ihr Leben. Als Zeichen der Aussöhnung zwischen Russland und Deutschland wurde das Workcamp ins Leben gerufen und in Rshew ein Friedhof, der sogenannte "Deutsch-Russische Friedenspark", errichtet. "Mit etwas spartanischem Material haben wir dort gemeinsam Unkraut gezupft, Erde abgetragen und Bäume geschnitten", so der Jugendleiter. "Hierbei ging es aber weniger um die Arbeitsleistung an sich, sondern viel mehr um die Kommunikation untereinander." Neben dem "Deutsch-Russischen Friedenspark" haben die Jugendlichen auch auf zwei weiteren Friedhöfen Kriegsgräber gepflegt. Darüber hinaus besuchte die Gruppe auch verschiedene Museen, wurde von dem Bürgermeister in Rshew empfangen, und einige deutsche Jugendliche verbrachten außerdem einen Tag in einer russischen Familie. Zum Abschluss der Reise standen drei Tage Moskau auf dem Programm. "Das war natürlich ein Highlight", sagt Dürdoth. Er war zum ersten Mal in Russland. "Mir bleibt besonders die freundliche und ruhige Ausstrahlung der Russen in Erinnerung."

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