Ankunft von 200 Flüchtlingen in Friedrichsdorf - © Patrick Menzel
Ankunft von 200 Flüchtlingen in Friedrichsdorf | © Patrick Menzel

Gütersloh Bilanz: Flüchtlinge werden gut versorgt

Stadt an der Belastungsgrenze angekommen

Gütersloh. Die Grundbedürfnisse der 402 Flüchtlinge in den Sporthallen Friedrichsdorf und Spexard werden befriedigt: Stadt, Rotes Kreuz und Malteser sorgen gemeinsam mit den Bürgern dafür, dass die Menschen aus den Kriegsgebieten des Nahen Ostens in Gütersloh ein Dach über dem Kopf haben, dass sie satt werden und Kleidung haben, dass sie sicher aufgehoben sind und medizinisch versorgt werden. Damit ist die Stadt  aber an der Leistungsgrenze angekommen, so die erste Bilanz nach einer Woche. Am vergangenen Freitag wurden die ersten Flüchtlinge in der Sporthalle Friedrichsdorf einquartiert, am Mittwoch weitere in Spexard. Die ersten knapp 100 wurden inzwischen schon weiter gebracht in etwas dauerhaftere Unterkünfte. Sofort kamen zwei neu Busse mit weiteren Flüchtlingen an,  berichtet Thomas Habig, bei der Stadt für die Organisation vor Ort zuständig. Um den ersten Ansturm zu bewältigen,  hat der Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes 36 Mitarbeiter zeitlich befristet eingestellt. Außerdem greifen die Helfer auf viele Ehrenamtliche zurück. Wie lange die Lage so bleiben wird und wie lange immer weitere hilfsbedürftige Menschen nach Gütersloh kommen, weiß auch Bürgermeisterin Maria Unger nicht. Deshalb wird derzeit ein Plan ausgearbeitet, der sicherstellen soll, dass nicht allein jene Sportvereine auf Trainingszeiten verzichten müssen, in deren Hallen die Flüchtlinge jetzt untergebracht sind. Ende kommender Woche sind die Planungen dafür unter Dach und Fach, berichtet Joachim Martensmeier als Sozialamtsleiter.Respekt, Lob -und Kritik Von Carsten Heil An dieser Stelle ein Lob: Wie die Verantwortlichen in der Stadt Gütersloh und wie die normalen Bürger mit den hier kurzfristig und überraschend eingetroffenen Flüchtlingen aus unterschiedlichen Kriegsgebieten umgehen, ist vorbildlich. Es sind nicht nur Lippenbekenntnisse der Bürgermeisterin, der zuständigen Amtsleiter und der Organisatoren von Deutschem Roten Kreuz und Maltesern, dass alles prima läuft. Wer sich die Situation vor Ort in den Turnhallen ansieht (die NW-Redaktion hat das getan) und mit Flüchtlingen spricht, bekommt dieselben Antworten. Und er bekommt viele Worte der Dankbarkeit zu hören. Natürlich gibt es Probleme, Unzulänglichkeiten und offene Fragen. Das ist bei der Ad-hoc-Aufgabe, binnen weniger Tage 402 Menschen unterzubringen, die nichts als ihr Leben gerettet haben, nicht verwunderlich. Alle Beteiligten bemühen sich nach Kräften, diese Dinge zu regeln und es funktioniert. Respekt! Lob auch für die Gütersloher, die ihre Kenntnisse, Fähigkeiten und auch Wohlstand in den Dienst der gestrandeten Menschen stellen. Das hat es in dieser Form noch nicht gegeben in der Stadt. Für die drei betroffenen Sportvereine TuS Friedrichsdorf, SV Avenwedde und SV Spexard bedeuten die Einquartierungen Einschränkungen. Es ist vielleicht übertrieben, von einer „Willkommenskultur“ zu sprechen. Aber es ist überall großes Verständnis vorhanden. Um dieses Verständnis weiter zu erhalten, bedarf es offener Informationen. Informationen, die nicht nur auf Pressekonferenzen verbreitet werden. Journalisten wollen und müssen sich selbst ein Bild machen. Doch es gibt leider Äußerungen von Verantwortlichen, dass Journalisten keinen Zugang mehr zu den Flüchtlingen bekommen sollen. Und die Recherchen der NW in dieser Woche wurden nicht immer unterstützt, wurden teils von Sicherheitskräften behindert. Natürlich: Die Sicherheit der Flüchtlinge muss gewährleistet sein. Nicht jeder kann Zugang haben. Aber den Vertretern der Öffentlichkeit den Zugang zu verwehren, ist – bei allem Lob – kontraproduktiv.

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