Aus dem Kreis Herford nach Gütersloh: Das Bild von Gorbatschow stamm aus einer Bünder Militärverbindungsmission und gehört zu den beliebten Geschenken des Kommunismus. Dabei wurden die porträtierten idealisiert dargestellt. - © Raimund Vornbäumen
Aus dem Kreis Herford nach Gütersloh: Das Bild von Gorbatschow stamm aus einer Bünder Militärverbindungsmission und gehört zu den beliebten Geschenken des Kommunismus. Dabei wurden die porträtierten idealisiert dargestellt. | © Raimund Vornbäumen

Gütersloh Wanderausstellung zur Wiedervereinigung gastiert im Gütersloher Stadtmuseum

Der Weg zur deutschen Einheit

Gütersloh. Vor 25 Jahren bewiesen die Deutschen Mut und Zivilcourage, als sie mit friedlichen Demonstrationen den Weg zur deutschen Einheit ebneten. Auch die Gütersloher erinnern sich noch genau an diese Zeit, sogar an den Zeitpunkt, als sie vom Mauerfall erfuhren, ist sich Museumsleiter Rolf Westheider sicher. Darum gehört die Wanderausstellung zum kalten Krieg und zum silbernen Jubiläum der Wiedervereinigung in das Gütersloher Stadtmuseum. Die Schau „Der Weg zur deutschen Einheit“ zeichnet mit Hilfe von mehr als 150 Fotos und Faksimiles den Verlauf von der friedlichen Revolution im Herbst 1989 bis zur Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 nach. Crossmedial werden außerdem Videos per QR-Code für Smartphones zur Verfügung gestellt. In Interviews und kurzen Sequenzen werden Erinnerungen und Ereignisse emotional ins Gedächtnis der Besucher geholt. Mit allen Sinnen dürfen die Geschichtsinteressierten in die Geschichte eintauchen. Das Stadtmuseum baut dafür extra seine Internetverbindung in den Ausstellungsräumen aus. Zusätzlich zur Wanderausstellung der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und des Auswärtigen Amtes soll ein Thema noch einmal besonders beleuchtet werden. 150 Exponate des Bielefelder Sammlers Frank Föste geben der Ausstellung einen regionalen Anstrich. „Die Sammlung ist exklusiv und selten“, sagt Westheider. Neben dem Gesamtüberblick wird hier der Fokus auf ein spezielles Thema gelegt: Geschenke des Kommunismus. „Sowohl als Geschenke des Staates an seine Bürger, aber auch als Geschenke zwischen Staaten“, erklärt Föste. Dabei hatten die Präsente oft keinen materiellen, sondern lediglich einen ideellen Wert: „Das meiste sind Serienproduktionen.“ Gerne verwies die Sowjetunion mit ihren Geschenken auf den Sieg über Deutschland und ließ die Kriegsdaten eingravieren. „Da wurde gleich deutlich, wer der größere und stärkere ist“, erklärt der Sammler. Wladimir Iljitsch Lenin gehörte als Symbolfigur des Kommunismus zu den beliebtesten Geschenken: Als Büste, Münze oder auf Medaillen abgebildet. „Das ist unser Gorbi aus Bünde“, sagt Föste und zeigt auf ein großes Porträt des russischen Politikers. Stilisiert und ohne Makel hängt er im schlichten Rahmen. Das Bild ist ein Original aus der russischen Besatzungszone, das Föste retten konnte. Aus derselben Militärverbindungsmission wurde auch ein Porträt von Lenin gerettet, das derzeit aber restauriert werde. „Diese Dinge spielten in der Lebenswirklichkeit der Menschen kaum eine Rolle“, räumt Museumsleiter Westheider ein, „aber auf politischer Ebene kamen sie bis zum Schluss vor“. Für das Gütersloher Stadtmuseum ist es die sechste Ausstellung dieser Art. „Wir nehmen unseren Bildungsauftrag ernst“, sagt Westheider. Seit der ersten großen Ausstellung 2003, die ein großes Echo in Gütersloh mit 7.500 Besuchern fand, versuche man diesen Teil der deutschen Geschichte immer wieder zu thematisieren. „Als wichtiger Wirtschaftsstandort kamen viele Flüchtlinge in den 1950er und 60er Jahren nach Gütersloh“, so der Museumsleiter. Endlich, so hieß es von einigen Besuchern, käme auch dieser Teil der eigenen Geschichte, die noch so vielen in Erinnerung ist, zur Sprache. „Weil viele selbst zur Flucht gezwungen waren“, so Westheider.

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