Artistisch: Einer springt, einer macht den Handstand, einer einen Salto: Marlo Voß (16), Fynn Pieper (17) und Silas Radebold (16) demonstrieren auf dem Gerüst vor der Janusz-Korczak-Schule die Merkmale der noch jungen Sportart. - © Robert Becker
Artistisch: Einer springt, einer macht den Handstand, einer einen Salto: Marlo Voß (16), Fynn Pieper (17) und Silas Radebold (16) demonstrieren auf dem Gerüst vor der Janusz-Korczak-Schule die Merkmale der noch jungen Sportart. | © Robert Becker

Gütersloh Kletterkunst in brütender Hitze

Parkour-Camp lockt Teilnehmer aus dem In- und Ausland an

Gütersloh. Dass Gütersloh eine führende Rolle einnimmt innerhalb einer Sportart, ist eher selten. Beim Parkour-Camp ist es aber so. Rund 200 Traceure aus Deutschland und Europa trafen sich zwischen Freitag und gestern auf dem Gelände der Janusz-Korczak-Gesamtschule, um in freiem Training über künstliche Hindernisse zu springen, zu klettern oder zu turnen. In Workshops wurde die Technik verfeinert, Neues ausprobiert oder das Gemeinschaftsgefühl ausgelebt. "Try, try again", lautete das diesjährige Motto, das die Teilnehmer auf T-Shirts nach außen trugen. Beim Parkour ist der Versuch Programm. Über meterhohe Kisten wird geklettert, über Treckerreifen gesprungen, über Stangen balanciert hier und da ein Handstand gemacht oder ein schöner Geräteabgang einstudiert. "Parkour hat keinen Gruppen- und keinen Leistungszwang", erklärt Claus-Peter Mosner. Der städtische Angestellte organisierte das Camp zusammen mit 40 Leuten im Helferstab bereits zum siebten Mal. Individuelle Stärken herausarbeiten, eigene Ziele erreichen, die Gemeinschaft pflegen sind die Merkmale des Parkour-Camps, sagt Mosner. "Die, die hier mitmachen, kennen ihren Körper gut, "die sind reflektierter als andere Sportler", weiß Mosner, der am Bauteil 5 der Weberei ein dauerhaftes Programm eingerichtet hat. Das Camp mit ganz gewöhnlichen Familien-Zelten für die beiden Übernachtungen war hinter der Schule eingerichtet. Gütersloh hat sich mit dem Parkour-Programm überregional einen Namen geschaffen. "Ich habe davon im Internet gelesen und mich dann mit einem Kumpel gleich angemeldet", erzählt Timo Theodoruk aus Berlin. Als Stammgast zählt der 16-jährige Marlo Voß aus Büttel bei Hamburg. Zum vierten Mal sei er hier und immer wieder fasziniert. "Seitdem mache ich Parkour", sagt Voß. Seine Trainingskollegen Fynn Pieper (17) und Silas Radebold (16) hat er aus Hamburg mitgebracht. Dass bei 37 Grad in der Sonne der Schweiß mächtig rinnt, macht den Jungs nichts aus. Das Gemeinschaftsgefühl, "die Community", wie Voß sagt, wiege das auf. "Ich würde auch bei 50 Grad Sonne noch mitmachen", sagt Voß. Rund ein Viertel der Beteiligten sind Mädchen bzw. junge Frauen. Ab 14 Jahre und nach oben offen ist die Veranstaltung ausgeschrieben. Die, die mitmachen, haben recht gut definierte Oberkörper. Die brauchen sie auch, denn das Programm ist anspruchsvoll. Der Freitag beginnt mit einem "Check-In" am Nachmittag, dann folgen "Warm-up" und Basisübungen. Um 19 Uhr werden die Parkour-Geräte freigegeben. Zwei Stunden später beginnt der gemeinschaftliche "Cool down". Runterkühlen sei wichtig, sagt Simon Geldner (22), der von Anfang an dabei ist, sich inzwischen als Trainer engagiert und in der Organisation mitwirkt. Die angespannte Muskulatur, die unter Belastungen beim Parkour schon Mal anfängt zu zittern, müsse auf ein Normalmaß zurückgeführt werden, erläutert der Mechatronikstudent. Grundsätzlich sei das Verletzungsrisiko im Vergleich mit Fußball eher gering, weil kein Gegenspieler da wäre, sagt Geldner. Prellungen und Hautabschürfungen gelten als die häufigsten Blessuren. Der Tagesverlauf Samstag war dann ähnlich: Mittags Aufwärmtraining, am Nachmittag freies Training mit Workshops und sieben Stunden später wieder "Cool down". Am Abend spielte die Liveband Bartosz. Ab eins galt Nachtruhe. Während der Workshops, die nacheinander angelegt waren, gab es drei Schwerpunkte. Zuerst wurden "Tricks" und "Breaks" geübt, danach ging's zum Capoeira in die Sporthalle. Einflüsse von Breakdance wurden studiert. Die Massageübungen für Traceure verlegte das Orga-Team zeitlich nach hinten - das Wetter. So konnten die Tracteure zwischendurch in den aufgebauten Pool springen oder die Dusche aus dem Gartenschlauch genießen.

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