Magisch: Professor Abraxo unterhielt auf der Burgbühne mit Zauberei.
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Gütersloh Anno 1280 erweckt in Isselhorst das Mittelalter zu neuem Leben

Eike J. Horstmann

Gütersloh. Graf Otto III. von Ravensberg rief - und die Mittelalter-Fans kamen in Scharen. Schätzungsweise 7.000 Besucher tauchten bereits am Feiertag auf dem Hof Kruse tief ein in die Zeit von tapferen Recken, liebreizenden Hofdamen und närrischen Gauklern. Bis einschließlich Sonntag werden es mit Sicherheit noch einige Tausend mehr. Zumindest die ersten Meter der Zeitreise sind genau so finster, wie die Epoche angeblich gewesen ist. In schummrigen Licht geht es vom Parkplatz aus durch einen Tunnel unter der Bahnlinie, aus Lautsprechern ertönen gregorianische Gesänge - da kann einem unbedarften Neuzeitler schon etwas mulmig werden. Doch sobald das Tageslicht und damit der Hof erreicht ist, tobt vor dem Auge des Besuchers das pralle mittelalterliche Leben, wie es bei Anno 1280 gefeiert wird: Kunterbunt, facettenreich, mitunter waffenstarrend, aber immer höchst einladend. Dutzende Rittergruppen hatten ihr Heerlager auf dem weitläufigen Areal aufgeschlagen und mischten sich in voller Rüstung unter die Gäste, die häufig aber auch selbst in mittelalterlicher Kluft - oder das, was sie dafür hielten - gekommen waren. Entsprechend verschwammen oft die Grenzen, zwischen denen, die als Zeitreisende im Jahr 1280 weilten und wer zu den Barden, Handwerkern oder Gauklern gehörte. Ganz eindeutig professionell waren die zahlreichen Händler und Schankwirte, die mit mittelalterlich anmutendem Schmuck, derbe oder feine Tuchwaren, Waffen oder verlockende Spezereien feil boten. Und das so stimmig und mit passenden Sprüchen ("Das Schwert kostet läppische zehn Silberlinge, Hochwohlgeboren!") präsentiert, dass man gern darüber hinwegsah, dass ein Marketender EC-Karten akzeptierte, hier und da eine Plastikverzierung am Wams hing oder in den Anno 1280-Krügen nach dem Reinheitsgebot von 1516 gebrautes Bier schäumte. Kai und Liane Nordmann haben bereits häufiger in Isselhorst die Zeitreise in das Mittelalter angetreten, diesmal erschienen sie stilecht als Schwertkämpfer und als Burgfräulein. "Es wird hier von Jahr zu Jahr besser", sagt Kai Nordmann. "Ich hätte nie gedacht, dass das Fest hier so eine Qualität erreichen wird." Die beiden sind oft auf Mittelalterfestivals zu Gast - und sind daher durchaus in der Lage, Vergleiche zu ziehen. Als gebürtige Bielefelder trauen sie sich einen direkten Vergleich mit dem benachbarten Sparrenburgfest allerdings nur hinter vorgehaltener Hand: "Um ehrlich zu sein: Hier ist es besser", sagt Liane Nordmann. "Das Gelände ist weitläufiger und nicht so hügelig, es gibt viel mehr Platz und ist nicht so voll. Voll wird es voraussichtlich noch am Wochenende auf dem Hof Kruse. Am Samstag beginnt das Markttreiben um 12 Uhr und endet um 24 Uhr mit dem Pestumzug. Am Sonntag öffnet der Markt um 10 Uhr seine Pforten, ehe Graf Otto III. um 18 Uhr das Volk huldvoll verabschiedet.

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