Steuer übergeben: Der Mercedes-Standort an der Verler Straße ist nach längeren Verhandlungen mit, wie es heißt, mehreren ernsthaften Interessenten, an das Unternehmen Beresa verkauft worden. - © FOTO: RAIMUND VORNBÄUMEN
Steuer übergeben: Der Mercedes-Standort an der Verler Straße ist nach längeren Verhandlungen mit, wie es heißt, mehreren ernsthaften Interessenten, an das Unternehmen Beresa verkauft worden. | © FOTO: RAIMUND VORNBÄUMEN

Gütersloh/Bielefeld Händleraus Münster kauft Mercedes-Standorte

Rainer Holzkamp

Gütersloh/Bielefeld. Für die rund 350 Mitarbeiter der Mercedes-Werksvertretungen in der Region geht die Zeit der Ungewissheit zu Ende. Nach jahrelangen Überlegungen und Verhandlungen mit verschiedenen Interessenten hat sich der Daimler-Konzern für den Verkauf der drei Standorte Gütersloh, Bielefeld und Detmold entschieden. Bei dem Erwerber handelt es sich um die Beresa GmbH & Co KG. Die Automobil-Handelsgruppe mit Hauptsitz in Münster ist bereits heute der zweitgrößte Vertragspartner von Mercedes Benz in Europa. Beresa plant, die drei Standorte in einer eigens zu gründenden GmbH für OWL zusammenzufassen. Beide Seiten wollten sich gestern nicht zu dem Vertragsabschluss und der Höhe des Kaufpreises äußern. Beresa-Sprecherin Petra Hardeweg kündigte für heute Vormittag eine offizielle Mitteilung an. Zunächst sollten die Mitarbeiter informiert werden. Auch bei Daimler hielt man sich bedeckt. Eine Entscheidung falle kurzfristig, so Konstanze Fiola von der Deutschland-Vertriebszentrale in Berlin. Hintergrund des Verkaufs sind Bestrebungen bei Daimler, den konzerneigenen Vertrieb neu auszurichten. Damit sollten Arbeitsplätze und Standorte gesichert werden, so die Darstellung des Unternehmens. Demgegenüber hatte die Gewerkschaft IG Metall in der Vergangenheit die schlechten Zahlen des Mercedes-Vertriebs als hausgemacht bezeichnet. Es handle sich um ein gesteuertes Problem, um die Veränderungen in der Struktur begründen zu können. Dem Vernehmen nach hat Beresa zugesichert, alle drei Niederlassungen zu erhalten und auch sämtliche Mitarbeiter zu übernehmen. Vor diesem Hintergrund wird der Verkauf offenbar nun auch von Gewerkschaftsseite begrüßt. Bislang hatte die IG Metall befürchtet, insbesondere in der Buchhaltung und im Marketing könnten zahlreiche Jobs verloren gehen. Diese Sorgen konnten mit der Zusicherung aus Münster jedoch ausgeräumt werden. Auch was die künftige Bezahlung der Mitarbeiter angeht, dürfte sich - entgegen früherer Bedenken - nicht allzu viel ändern. Beresa hat bereits einen Tarifvertrag mit der IG Metall über den Arbeitgeberverband Niedersachsen abgeschlossen. Da in den drei heimischen Betrieben eine Tarifbindung über das NRW-Kfz-Gewerbe besteht, sollen über eine Harmonisierung gleiche Löhne erreicht werden. Einschnitte indes gibt es voraussichtlich bei der Altersversorgung. Das betrifft im wesentlichen die von Daimler gewährten Betriebsrenten. Wie es heißt, soll hier ein Sozialplan zumindest teilweise für einen Ausgleich sorgen. Auch die Gewinnbeteiligung der Stuttgarter, die mitunter einen vierstelligen Betrag umfasste, wird künftig wegfallen. Wie sich der Eigentümerwechsel auf die lang gehegten Pläne zur Modernisierung des Standorts an der Verler Straße auswirkt, ist unklar. Wie es heißt, soll Beresa "einen gewissen Investitionsbedarf" anerkannt haben. Eigentlich wollte Daimler den Standort Gütersloh mit 59 Mitarbeitern für vier bis fünf Millionen Euro umbauen. Vorgesehen und bereits behördlich genehmigt ist ein 55 Meter langes, zweigeschossiges Gebäude, gekrönt von einem rotierenden Stern.

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