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Start in Berlin: Die frühere Rennfahrerin Heidi Hetzer will in ihrem 84 Jahre alten Hudson Great Eight 60 Länder durchqueren. - © Foto: dpa
Start in Berlin: Die frühere Rennfahrerin Heidi Hetzer will in ihrem 84 Jahre alten Hudson Great Eight 60 Länder durchqueren. | © Foto: dpa

Gütersloh Gütersloher fährt mit Berliner Legende im Oldtimer um die Welt

Gütersloher begleitet Berliner Promi-Fahrerin auf ihrer Weltumrundung

Ludger Osterkamp
14.04.2015 | Stand 14.04.2015, 11:20 Uhr
Fliegt heute nach Neuseeland: Wolfram Kruse, Kfz-Sachverständiger und Liebhaber alter Autos, hat sich den Abenteuertrip zu seinem Ruhestand geschenkt. - © Foto/Montage: Raimund Vornbäumen
Fliegt heute nach Neuseeland: Wolfram Kruse, Kfz-Sachverständiger und Liebhaber alter Autos, hat sich den Abenteuertrip zu seinem Ruhestand geschenkt. | © Foto/Montage: Raimund Vornbäumen

Gütersloh. Wolfram Kruse steht auf Oldtimer. Je rüstiger, desto lieber. Der 68-jährige Gütersloher hat einen Oldtimer-Stammtisch gegründet, er nennt mehrere alte Fahrzeuge sein Eigen, mit manchen davon hat er erstaunliche Touren unternommen. Doch das, was er jetzt vorhat, ist neu.

Kruse setzt sich als Beifahrer neben Heidi Hetzer. Und die ist nicht irgendwer: Sie ist eine Legende, ein Paradiesvogel, ein bunter Hund. 78 Jahre alt, zählt sie zu den bekanntesten Vertretern Berliner Prominenz. Sie ist Rallyes gefahren und führte mit Opel-Hetzer eines der größten Autohäuser der Republik. Seit einigen Monaten ist sie auf der Reise ihres Lebens.

Hetzer fährt um die Welt. Nicht in einem modernen Auto, das wäre ihr zu gewöhnlich, sondern in einem Oldtimer. In einem "Hudson Great Eight", Baujahr 1930. Europa, die Türkei, Kasachstan, China, Laos, Malaysia und Australien hat sie bereits durchquert, nun ist sie unterwegs in Neuseeland. Dort steigt Wolfram Kruse zu.

Am Donnerstag werden die beiden sich treffen. In Picton, dem nördlichsten Ort auf der Südinsel. Kruse braucht zweieinhalb Tage, um dorthin zu gelangen. Am Dienstag ist er in seinen Flieger gestiegen.

"Ein verrücktes Ding"

"Es ist ein komplett verrücktes Ding", sagt der Gütersloher. Er kenne Hetzer schon seit Jahren, habe sie auf Motorsportveranstaltungen getroffen und auf etlichen Ausfahrten begleitet, doch was nun anstehe, sei mit nichts von alledem vergleichbar.
Information

Oldtimerfreunde

  • Wolfram Kruse hat 1994 mit Johannes Sagemüller den Oldtimerclub
    „Freunde des alten Blechs“ gegründet. Er selber fährt am liebsten einen
    Austin Healey.
  • Zu den Treffen im „Spexarder Krug“ kommen im Schnitt 20 bis 30 Mitglieder.
  • Nach früheren Großveranstaltungen ab dem Eichenhof in Postdamm unternimmt der Club nur noch interne Ausfahrten. (ost)

Juli 2014 gestartet

  • Heidi Hetzers Vorbild ist die Industriellentochter Clärenore
    Stinnes (1901–1990). Zwischen 1927 und 1929 vollendete diese als erster
    Mensch eine Autofahrt um die Welt.
  • Hetzer, 1937 in Berlin
    geboren, übernahm nach dem Tod ihres Vaters mit 31 Jahren den Betrieb
    und baute ihn zu einem der größten Autohäuser Deutschlands aus.
  • Sie
    hat bei Rallyes mehr als 150 Preise gewonnen; unter anderem nahm sie an
    der Mille Miglia teil, an der Rallye Monte Carlo und an der Carrera
    Panamericana.
  • Der Start für ihre Stinnes-Gedenktour erfolgte Ende Juli 2014 in Berlin.
  • Mit
    Wolfram Kruse an ihrer Seite wird sie in Neuseeland bis zum 25. Mai
    unterwegs sein. Dann wird ihr Huson-Auto per Container nach Los Angeles
    verschifft, von wo aus sie durch Mexiko und Mittel- und Südamerika
    fährt.
  • An ihrem 80. Geburtstag, 20. Juni 1937, will sie in Berlin ankommen und von Westen her durchs Brandenburger Tor fahren.

3.000 Kilometer haben die beiden sich vorgenommen. Sie, die 78-Jährige, am Steuer, er daneben. "Ein munteres Rentner-Duo", schmunzelt Kruse. Best-Ager. Bei der Wahl orientieren sie sich im Wesentlichen an einem historischen Vorbild: An Clarenore Stinnes. Die deutsche Rennfahrerin und Unternehmenstochter war 1927 bis 1929 als erster Mensch überhaupt mit einem Auto um die Welt gefahren, mit einem "Adler Standard 6". Heidi Hetzer war Clarenone Stinnes bis zu deren Tod 1990 mehrmals begegnet, sie verehrte sie. Mit ihrer Weltumrundung will sie an Stinnes erinnern.

Asien und Australien zeigten Grenzen auf

Wolfram Kruse hat größten Respekt vor diesem Vorhaben. "Dass Heidi sich das mit 78 Jahren noch zutraut, und dann in einem solchem Fahrzeug, zeugt von großem Mut." In der Tat: Schon die Fahrt durch Asien und Australien trieben Fahrerin und Fahrzeug an ihre Grenzen und manchmal auch deutlich darüber hinaus. Auf ihrem Internetblog berichtet Hetzer etwa, sie habe sechs Wochen in Usbekistan festgelegen. Die Reparaturen am Auto verzögerten sich, Ersatzteile waren kaum zu bekommen. Der alte Hudson scheiterte auch an den Pässen des Kaukasus, mehrmals musste Hetzer das Gefährt abschleppen lassen; schon allein diese Abschleppmanöver zu organisieren, war schwierig genug.

Dass Hetzer zeit ihres Lebens mit Autos zu tun hatte, sie den Beruf der Kfz-Mechanikern gelernt und schon viele, auch ungewöhnliche Rallyes bestritten hat, macht es ihr leichter, die Herausforderungen zu bewältigen. "Sie weiß, was sie tut", sagt Kruse. Er habe schon manches Mal Gelegenheit gehabt, ihr technisches Geschick zu bewundern. Hetzer sei in der Lage zu improvisieren. Zäh und vital sei sie ohnehin.

Heidi fährt "einen heißen Reifen"

Vor drei Jahren habe die Berlinerin ihn angesprochen, ob er sich vorstellen könne, ihr Beifahrer zu sein. Kruse zögerte und sagte dann Ja. Am Ende war er es, der einen zweiten alten Hudson aus den USA besorgte, ihn nach Berlin als ständiges Ersatzteillager verschiffte. Wie nötig das war, zeigte sich spätestens, als der Acht-Zylinder-Reihenmotor (80 PS) bereits auf den ersten Etappen der Weltumrundung streikte und einer Neukonfiguration bedurfte.

Technisch macht sich Kruse vor dem Neuseelandtrip nicht bange, und logistisch sei ohnehin alles sauber organisiert. Nicht mal die Tatsache, dass Hetzer bereits zwei Dauerbegleiter verschlissen hat und die alte Dame seither meistens alleine unterwegs ist, kann ihn ängstigen. "Das Einzige, wovor ist mich hüten muss, ist ihr Fahrstil." Heidi fahre einen heißen Reifen, sobald sie hinter dem Steuer sitze, gebe es immer nur volle Pulle. Bei drei Millionen Schafen auf der Insel könne da schon mal jemand in die Quere kommen.

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