24 Bilder, eine Skulptur: Christoph Winkler (v.l.), Ulrich Kniesel, Renate Horsmann, Kay Klingsieck und Dr. Rolf Westheider haben sich um das Werk "Tanz im fremden Glanz" (1982, Florenz) gruppiert. - © FOTO: LUDGER OSTERKAMP
24 Bilder, eine Skulptur: Christoph Winkler (v.l.), Ulrich Kniesel, Renate Horsmann, Kay Klingsieck und Dr. Rolf Westheider haben sich um das Werk "Tanz im fremden Glanz" (1982, Florenz) gruppiert. | © FOTO: LUDGER OSTERKAMP

Gütersloh Stadtmuseum zeigt Zeichnungen von Woldemar Winkler

Gütersloh. Die Angst des Künstlers vor dem weißen Blatt Papier oder Leinwand - sie war auch Woldemar Winkler nicht unbekannt. Wie der 2004 gestorbene Gütersloher Künstler sächsischer Herkunft sie überwand, weiß sein Sohn Christoph Winkler: einfach mit geschlossenen Augen auf der leeren Fläche etwas zeichnen, zur Seite stellen und nach ein paar Minuten wieder schauen, was sich daraus entwickeln lässt. So schuf Winkler ein zeichnerisches Werk, das den Großteil seines Oeuvres ausmacht. 25 zwischen 1922 und 1993 entstandene Arbeiten sind nun in einer Ausstellung im Stadtmuseum zu sehen, die am Sonntag, 8. März, 11.30 Uhr eröffnet wird. "Vorratskammern gibt es in Gütersloh reichlich, für Arbeit, für Technik, für Erfindergeist, für Leistung", sagt Museumsleiter Rolf Westheider. Umso wichtiger sei ein Vorrat, wie ihn Winklers Kunst anbiete. "Aus der Vorratskammer der Phantasie" heißt die Schau, benannt nach einem Bild aus dem Jahr 1989, in dem sich viele Merkmale von Winklers Kunst wiederfinden. Da ist zum einen das Material, einfacher Karton, der zuvor vielleicht als Arbeitsunterlage gebraucht wurde, was Leim-Spritzer nahelegen. Zum anderen fällt die Vielfalt der gewählten Materialien auf. Winkler beschränkte sich nicht auf Graphit oder Tusche, auch wenn zwei Arbeiten aus dem Jahr 1970 zeigen, wie filigran er auch damit seine fantastischen Welt auszuarbeiten verstand. Oft griff er auch zu bunter Kreide oder zum Kugelschreiber. Und immer zeichnete er aus der Hand heraus. Seine fantastischen Welten entsprangen keiner Überlegung, sondern entstanden im Moment aus dem Vorbewussten heraus. Mit Aquarelltechnik sorgte er für eine in der Zeichenkunst seltene Farbigkeit. Mehrere Arbeiten der Ausstellung stammen aus den 1930er Jahren - die älteste ist aus dem Jahr 1922. Sie zeigen schon hier zuweilen den Sinn fürs Fabelhafte, Mythische. Es sind reine Zeichnungen, noch ohne Aquarell. Christoph Winkler lenkt hier den Blick gerne auf die Reduktion der Mittel. Fein ausgearbeitete Details - ein Baum, ein Zaun - stehen in einer nur ungefähr angedeuteten Landschaft. Später arbeitete Winkler gerne mit Tee oder Kaffee, zweckentfremdete Werkstoffe, die seinen Zeichnungen eine eigentümliche gold-braune Tönung verliehen. "Wir wollten Arbeiten zeigen, die bislang nur selten zu sehen waren, weil das Material so lichtempfindlich ist", sagt Christoph Winkler. In dem kabarettartig abgedunkelten Raum im Fachwerkhaus des Stadtmuseums sieht er dafür einen idealen Raum. Das sieht auch Sabine Marzinkewitsch so: "Man kann sich hier sehr gut auf die einzelnen Zeichnungen einlassen", so die Kunsthistorikerin, die zur Eröffnung eine Einführung in die fantastische Welt der Zeichnungen Winklers gibt.

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