Das Geschäft mit dem Gütertransport ist für die TWE seit langem schwierig. Der nördliche Streckenabschnitt von Ibbenbüren bis Versmold steht daher zum Verkauf. Das Unternehmen will sich auf den übrigen Teil bis Hövelhof konzentrieren. Voraussetzung ist die Wiederaufnahme des Personenverkehrs. - © FOTO: RAIMUND VORNBÄUMEN
Das Geschäft mit dem Gütertransport ist für die TWE seit langem schwierig. Der nördliche Streckenabschnitt von Ibbenbüren bis Versmold steht daher zum Verkauf. Das Unternehmen will sich auf den übrigen Teil bis Hövelhof konzentrieren. Voraussetzung ist die Wiederaufnahme des Personenverkehrs. | © FOTO: RAIMUND VORNBÄUMEN

Gütersloh Kosten für TWE-Reaktivierung ermittelt

Verkehrsverband geht von knapp 32 Millionen Euro aus / Neuer Anlauf in Düsseldorf

Rainer Holzkamp

Gütersloh. Knapp vier Jahre nach den ersten Überlegungen zur Reaktivierung des Schienenpersonennahverkehrs auf der TWE-Strecke liegen jetzt konkrete Kostenschätzungen vor. Das gesamte Investitionsvolumen für den 25,1 Kilometer langen Abschnitt Harsewinkel - Gütersloh - Verl beläuft sich demnach auf 31,7 Millionen Euro. Das sind über drei Millionen Euro mehr, als noch im August angenommen. Für die beiden Konkurrenzprojekte fehlen weiterhin aktuelle Kostenschätzungen. Wie aus einer Vorlage für die kommenden Sitzungen der Gremien des Verkehrsverbands Ostwestfalen-Lippe (VVOWL) sowie des übergeordneten NWL (Nahverkehr Westfalen-Lippe) hervorgeht, sollen auf der Teilstrecke der Teutoburger Waldeisenbahn neun Haltepunkte eingerichtet werden. Untersuchungen im Zuge der Planungsstufen 1 und 2 haben gezeigt, dass der Bauzustand insbesondere einiger Brücken zu wünschen übrig lässt. Außerdem forderten die Anrainerkommunen den Erhalt zahlreicher vorhandener Bahnübergänge, die daher neu zu signalisieren sind. Diese beiden Faktoren hätten maßgeblich zu den Kostensteigerungen gegenüber der ursprünglichen Planung geführt. Allerdings sind die notwendigen Arbeiten an den Bahnübergängen "relativ detailgenau" geplant und mit den jeweiligen Baulastträgern abgestimmt, was eine wesentliche Risikominimierung in der Kostenschätzung bedeute. Außerdem sei bereits eine abfallrechtliche Beurteilung Bestandteil dieser Schätzung. Laut Vorlage sollen die Züge mit maximal Tempo 80 unterwegs sein. Aufgrund teilweise geringer Haltepunktabstände sind jedoch auch geringere Geschwindigkeiten vorgesehen. Außerdem ist die stets als besonders wichtig bezeichnete Einbindung in den Gütersloher Hauptbahnhof mit Umsteigemöglichkeit in Züge der Deutschen Bahn gewährleistet. Derart präzise Angaben liegen für die beiden anderen Reaktivierungsprojekte des NWL bislang nicht vor. Was die Strecke der Westfälischen Landeseisenbahn (WLE) von Münster bis Sendenhorst (21 Kilometer) angeht, wird eine aktuelle Kostenschätzung erst Ende Februar erwartet; der Abschluss der Leistungsstufen 1 und 2, die über finanzielle Angaben hinaus auch eine Grobplanung beinhalten, soll bis Mitte April erfolgt sein. Im Fall der Tecklenburger Nordbahn (TN) von Osnabrück nach Recke (29 Kilometer) ist damit bis Ende Februar zu rechnen. Insofern hat die geplante TWE-Reaktivierung nach wie vor einen zeitlichen Vorsprung. Allerdings wurden für die beiden anderen Projekte bereits auch die weiteren Planungsphasen 3 und 4 beauftragt. Deren Resultate sollen im vierten Quartal kommenden Jahres vorliegen. Bisherige Kostenschätzungen gingen von 29,4 Millionen Euro an Investitionen für die TN aus und von 32,2 Millionen Euro für die WLE. Laut Beschlussvorschlag soll der Verbandsvorsteher des NWL in Düsseldorf erneut darauf drängen, dass das Land alle drei Reaktivierungsvorhaben in seinen Bedarfsplan aufnimmt und in allen Fällen eine Neubewertung vornimmt. Denn bislang sind die Vorhaben in die Kategorie "weiterer Bedarf" eingeordnet. Das Land packt allerdings nichts an, das nicht als "vordringlich" gestuft iss. In früheren Anläufen ist der NWL mit Forderungen nach einer Neubewertung in Düsseldorf stets abgeblitzt. Der VVOWL befasst sich am kommenden Donnerstag mit der Thematik. Im Gegensatz zum NWL, dessen Verbandsversammlung eine Woche später, am 18. Dezember in Unna tagt, ist allerdings kein Beschluss geplant.

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