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Elvan Korkmaz legt in der SPD eine steile Karriere hin. - © FOTO: RAIMUND VORNBÄUMEN
Elvan Korkmaz legt in der SPD eine steile Karriere hin. | © FOTO: RAIMUND VORNBÄUMEN

Gütersloh Die neue Frau hinter der Ministerpräsidentin

Elvan Korkmaz von der Wahl zur stellvertretenden SPD-Chefin in NRW überrascht / Facebook-Eintrag sorgt für Wirbel

VON EIKE j. HORSTMANN
01.10.2014 | Stand 30.09.2014, 19:49 Uhr

Gütersloh. Bis vor wenigen Tagen ging sie noch davon aus, dass sie als einfache Delegierte zum SPD-Landesparteitag nach Köln fahren würde. Dann aber trat der Vorstand der SPD OWL mit einem Vorschlag an Elvan Korkmaz heran. "Als ich hörte, worum es ging, wurde ich erst einmal still", erinnert sich die 29-jährige stellvertretende Landrätin. "Und dann war ich erst einmal ganz still." Denn der Plan der SPD hatte es in sich.

Die erst 2011 in die SPD eingetretene Korkmaz sollte statt des ursprünglich zur Wiederwahl vorgesehenen Staatssekretärs und ehemaligen Versmolder Bürgermeisters Thorsten Klute stellvertretende SPD-Landesvorsitzende werden - was sie dann nach dem Votum der 450 Delegierten auch mit 90,1 Prozent der Stimmen wurde.

"Ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht", sagt Korkmaz, die in dem neuen Posten direkt hinter Ministerpräsidentin Hannelore Kraft eine Herausforderung und in dem deutlichen Wahlergebnis einen "großen Vertrauensbeweis" sieht. Dass Klute nicht zur Wahl des Partei-Vize antrat, hing mit den Regularien der SPD zusammen. "Es ist vorgesehen, dass bei Listenwahlen die Listen quotiert sind", erläutert der Vorsitzende der SPD im Kreis Gütersloh, Hans Feuß. Der ursprüngliche Vorschlag der Regionalvorstände sah für die vier Stellvertreterposten drei Männer und eine Frau vor, was auf den Widerstand des Arbeitskreises Sozialdemokratischer Frauen (ASF) stieß. Die ostwestfälische SPD entschloss sich daraufhin, statt Klute Korkmaz für den Stellvertreterposten zu nominieren. Klute wiederum sollte als Beisitzer dem neuen Präsidium angehören. "Er hat meinen Namen selbst ins Gespräch gebracht", sagt die diplomierte Verwaltungswirtin, die von der rasanten Entwicklung überrascht war. "Elvan hat eine gute Perspektive, das wollte ich unterstützen", sagt Klute, der nach eigenem Bekunden kein Problem damit hatte, den stellvertretenden Landesvorsitz aufzugeben. "Als ich vor zwei Jahren gewählt wurde, war ich noch kein Regierungsmitglied. Das hat sich ja in der Zwischenzeit geändert."

Feuß betont, dass Korkmaz aber keineswegs ausschließlich wegen des Parteiproporz gewählt worden sei. "Sie kann es auch, und das ist das Entscheidende." Sie sei "für die SPD ein Talent", an dem die Partei "noch eine Menge Freude" haben werde. Für Ostwestfalen und vor allem für den Kreis Gütersloh sei die personelle Rochade zudem durchaus ein Gewinn. "Elvan Korkmaz und Thorsten Klute werden dem Vorstand angehören, der die Weichen für die nächste Landtags- und Bundeswahl stellen wird", so Feuß. "Da ist es gut, dass der Kreis so stark darin vertreten sein wird."

Wie Elvan Korkmaz als neue Vize-Landesvorsitzende das genau ausgestalten will, mochte sie noch nicht sagen. "Ich möchte da niemanden vorgreifen", sagt die 29-Jährige. In ihrer Antrittsrede gab sie an, Frauen und junge Leute für die SPD begeistern zu wollen.

In diesem Kontext hatte sie - ohne es zu wollen - bereits vor und während ihrer Wahl für Wirbel gesorgt. In einem Facebook-Eintrag der NRW-SPD wurde Elvan Korkmaz als "charmant, eloquent und ganz entzückend" bezeichnet - und als Beleg dafür, dass die Partei auch für "junge Frauen attraktiv" sei. Die anschließende, recht hitzige Debatte, ob auch männliche Kandidaten mit dieser Wortwahl vorgestellt worden wären, hatte Korkmaz nicht mitbekommen. "Da hatte ich auch keine Zeit für", sagt die Gütersloherin, die über die Auseinandersetzung "nur schmunzeln" könne. "Die Inhalte stehen im Vordergrund", so Korkmaz. "Und ich wurde ganz bestimmt nicht gewählt, weil ich entzückend bin."

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