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Gütersloh Lücken in der Einkaufsmeile

In der Innenstadt häufen sich die Leerstände / Verschiebungseffekte Richtung Kolbeplatz

von miriam scharlibbe
11.09.2014 | Stand 11.09.2014, 14:12 Uhr
An der Königstraße 15, wo zuvor "Hina Fashion" ansässig war, will sich kein neuer Mieter nieder lassen. Auch die benachbarte Immobilie steht seit kurzem leer. Die Boutique "Berlin 2010" ist an den Kolbeplatz in das ehemalige "Ambiente" gezogen. - © FotoS: Raimund Vornbäumen
An der Königstraße 15, wo zuvor "Hina Fashion" ansässig war, will sich kein neuer Mieter nieder lassen. Auch die benachbarte Immobilie steht seit kurzem leer. Die Boutique "Berlin 2010" ist an den Kolbeplatz in das ehemalige "Ambiente" gezogen. | © FotoS: Raimund Vornbäumen

Gütersloh. Die Laufmeile in der Gütersloher Innenstadt ist meistens gut gefüllt mit Menschen, die ihre Portemonnaies leeren und ihre Einkaufstüten füllen möchten. Doch in den Seitenstraßen und am Kolbeplatz wechseln die Inhaber fleißig die Ladenlokale. Stadt, Einzelhandelsverband und Maklerverein kämpfen mit den Leerständen und benennen unterschiedliche Gründe und Verantwortliche.

"In Gütersloh wird es wie in anderen Städten immer Leerstand geben", sagt Rainer Schorcht, Inhaber des gleichnamigen Fotogeschäftes und Vorsitzender des Gütersloher Einzelhandelsverbandes. "Die Kaufkraft sinkt. Deutschland wird weniger und älter. Da kann man nicht erwarten, dass neue Verkaufsflächen nicht zu Lasten bestehender gehen."

In Gütersloh seien aber auch die Discounter Schuld daran, dass weniger Kunden in der Innenstadt kaufen. "Bei den Aldi- und Lidl-Märkten liegt der Technik- und Textilienanteil schon bei 50 Prozent", sagt Schorcht. Das bekämen auch die Fachhändler zu spüren. Schorcht sieht daher die Kunden in der Verantwortung: "Wer unter dem linken Arm ein Zalando- und unter dem rechten ein Amazon-Paket trägt, sollte nicht über Leerstände klagen." Anstatt neue DHL-Abholboxen in Gütersloh aufzustellen, sollten Stadt und Bürger heimische Händler unterstützen.

Schorcht glaubt, dass Gütersloh noch als Einkaufsstadt attraktiv ist. Er sieht die Ursache woanders. "Das Bundeskartellamt diskriminiert den stationären Fachhandel massiv", sagt Schorcht. Das Amt habe seinen Kontrollauftrag vor Jahrzehnten erhalten und nicht an die veränderten Bedingungen angepasst. "Da werden Internethändler geschützt, anstatt zu Gunsten des Einzelhandels zu entscheiden, beispielsweise als das Kartellamt das Internetverkaufsverbot für Adidas-Artikel aufgehoben hat." Für Schorcht ist das unbegreiflich. "Wenn unsere Politiker das Kartellamt nicht stoppen, werden bald alle Einzelhandelsflächen an Wert verlieren und die Arbeitslosenzahlen steigen", sagt Schorcht.

Für Ludger Kaup vom Gütersloher Maklerverein ist die Situation noch schlimmer, als auf den ersten Blick erkennbar. "Zusätzlich zu den Leerständen gibt es Geschäfte die geöffnet haben, deren Inhaber aber keine Miete mehr zahlen", sagt Kaup. Die Vermieter würden die Händler nicht vor die Tür setzen, weil sie sowieso keine neuen Interessenten hätten. "Viele sagen mir, ich könnte ihnen als Standort alles anbieten, nur nicht Gütersloh." Wer das ändern möchte, müsse alles daran setzen, Händler, die nach Gütersloh wollen, zu unterstützen. "Ein wesentlicher Schlüssel liegt im Rathaus", sagt Kaup. "Anträge werden dort viel zu langsam beantwortet."