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Gütersloh Polizei rettet Wespenbussard

Rietberger Falkner kümmert sich um den verletzten Greifvogel

VON LUDGER OSTERKAMP
29.08.2014 | Stand 28.08.2014, 20:52 Uhr
Falkner Helmut Schierl päppelt den leicht lädierten Wespenbussard wieder auf. Der Fachmann hat Erfahrung im Umgang mit Greifvögeln. - © FOTO: POLIZEI
Falkner Helmut Schierl päppelt den leicht lädierten Wespenbussard wieder auf. Der Fachmann hat Erfahrung im Umgang mit Greifvögeln. | © FOTO: POLIZEI

Gütersloh. Die Polizei hat am Mittwochabend in Gütersloh einen verletzten Wespenbussard gerettet. Der Greifvogel, im Kreisgebiet relativ selten vorkommend, ist nun bei dem Falkner Helmut Schierl in Pflege. Schierl sagte gestern, er glaube, dass sich der Vogel bald erholen werde.

Der 74-jährige Falknermeister aus Rietberg sagte, die Verletzung habe sich nicht als so gravierend herausgestellt. Anders als zunächst befürchtet, habe er sich keinen Flügel gebrochen. Das Tier sei vermutlich gegen ein Fahrzeug geflogen und sei dadurch sehr benommen und auch verletzt gewesen. Im Augenblick halte er es im Gras und Garten und hindere es mit Lederriemchen am Fortfliegen. "Ich will mir sicher sein, dass es dem Bussard wieder gut geht, bevor ich ihn freilasse."

Schierl ist Inhaber einer Rietberger Solarfirma und Mitglied der Kreisjägerschaft. Er gilt als sehr erfahren im Umgang mit Greifvögeln und wird häufig, auch überregional, bei Notfällen um Hilfe gebeten.

Der Anruf erreichte ihn diesmal am Mittwochabend aus Pavenstädt. Ein aufmerksamer Bürger hatte den verletzten Vogel in einem Graben an der Straße Im Waterkamp / Ecke Ohlbrocksweg gefunden. Bei dem Gassigang mit seinen Hunden und einer Katze (sie läuft gerne mit) hatte er ein merkwürdiges Rascheln gehört.

Der Bürger rief bei der Polizei an, und Oberkommissar Marc Bätge, ein Hundeführer, kümmerte sich. Bätge sagte, es sei sofort deutlich geworden, dass der Bussard verängstigt und nicht mehr in der Lage war, fortzufliegen. "Mir war klar, dass wir dem Vogel helfen müssen. Dass es ein ziemlich seltenes Tier ist, wussten wir zu dem Zeitpunkt nicht."

Bätge und der Bürger warteten im Waterkamp, bis Schierl erschien. Der Falkner erkannte sofort, dass er einen Wespenbussard vor sich hatte. Die Nasenlöcher im Schnabel sind nicht rund, sondern zu Schlitzen geformt. Das macht es dem Vogel möglich, in der Erde nach Wespennester zu graben, ohne Gefahr zu laufen, dass die Insekten in seinen Schnabel krabbeln und ihn stechen.

Schwierig gestaltete sich allerdings, den Vogel einzufangen. "Mit einem Netz wäre es einfacher gewesen", sagte Schierl. "Der Vogel versuchte wegzuhüpfen, offenbar unter Schmerzen, aber schließlich hatte ich ihn dann." Er packte ihn in einen Karton, stieg in seinen Elektro-Smart und fuhr zu seinem Gehege nach Rietberg.

"Der wird sich wieder berappeln", sagte Schierl gestern. Wie lange er ihn bis zur Genesung pflegen müsse, könne er noch nicht abschätzen. Es sei für ihn nicht das erste Mal, dass er einen Wespenbussard aufpäppelt. Vor fünf Jahren sei das schon mal der Fall gewesen, ebenfalls in Gütersloh. "Damals hat das ziemlich lange gedauert. Als der Bussard wieder gesund war, habe ich eine Spedition gefunden, die mit ihren Lkw regelmäßig nach Spanien fährt. Der Lkw-Fahrer hat den Bussard mitgenommen und ihn dort, im warmen Süden, ausgesetzt."

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