Gütersloh Freizeit- und Pflegekonzept für Flughafen

Jetzt sollen 230 Hektar unter Naturschutz gestellt werden

Gütersloh (raho). Weite Teile des Flughafen-Areals öffnen nach Ansicht von Dr. Klaus Stroscher ein "Fenster in die Vergangenheit". An der Emsaue gebe es Reste einer historischen, 100 Jahre alten Vegetation, sagte der Experte des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) nach Abschluss der Kartierung vor dem Hauptausschuss am Montagabend.

Überdies zählten Nährstoffarmut und Trockenheit zu den Besonderheiten des Geländes und damit gleichsam zu den Lebensgrundlagen für die seltenen und großen Vorkommen von Heidenelke und anderer bedrohter Rasenarten. "Das haben wir selbst in der Senne nicht", sagte Stroscher, der sich in den vergangenen Monaten ein abschließendes Bild von Flora und Fauna auf dem Flugplatz gemacht und die bis dahin noch nicht begutachteten 36 Hektar im Süden des Flughafens untersucht hat.

Als enorm spannend für Insektenkundler bezeichnete er die landwirtschaftlich nicht genutzten Streifen entlang der Ems. Außerdem wurden im Norden Vorkommen von Feldbeifuß festgestellt, eine vom Aussterben bedrohte Art und eine "absolute Rarität".

Als gesetzlich geschützt sei eine Fläche von 135 Hektar einzustufen, das entspricht 63 Prozent des Gesamtareals (340 Hektar). Zähle man weitere schutzwürdige Bereiche hinzu, komme man auf eine Fläche von 164 Hektar.

Um jedoch eine Art Schweizer Käse zu vermeiden, sollte laut Stroscher eine zusammenhängende Biotop-Fläche von insgesamt 230 Hektar unter Schutz gestellt werden. Das müsse am Ende die Bezirksregierung entscheiden. Bislang war von 178 Hektar die Rede.

Wird der Vorschlag des LANUV umgesetzt, gilt die schon vor geraumer Zeit formulierte Devise "Grün bleibt Grün auf dem Flughafen". Und das, was versiegelt ist, kann als Gewerbegebiet genutzt werden, also rund 110 Hektar.

Planungsamtsleiter Dr. Michael Zirbel sprach gestern von einer komfortablen Situation, "schließlich stehen Lage und Kontur des Gewerbegebietes damit bereits fest".

Der LANUV-Experte regte die Aufstellung eines Nutzungs-, Pflege- und Freizeitkonzepts an. Einerseits sprach er sich gegen eine ganzährige Öffnung und das Begehen mit Hunden sowie Drachensteigenlassen. "Denn dann wäre der Brachvogel ganz schnell weg." Denkbar seien hingegen Führungen zur Blüte der Heidenelke und punktuelle Zugänge außerhalb der Brutzeiten. Im Südosten des Areals komme auch Bogenschießen in Betracht.

Laut Stroscher sollte die Stadt schon früh in Offensive gehen, um die Bevölkerung bei dem Thema mitzunehmen. Informationstafeln sollten so früh wie möglich aufgestellt werden.

Was die Pflege angeht, sollte die bisherige Praxis beibehalten werden: zwei bis dreimal im Jahr Mähen der Rasenflächen und Entfernen der Mahd mindestens einmal jährlich.

Nach Ansicht des Experten spräche nichts dagegen, wenn die Flächen auch nach dem Abzug der Briten in zwei Jahren im Eigentum der Bundesanstalt BIMA bleiben. Mit der Übernahme der Pflege könne die BIMA Ökopunkte zum Ausgleich anderer Bauvorhaben sammeln.

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