Auch die Sommerferien sind für das Parkbad keine Garantie für ein volles Becken. Spielt das Wetter nicht mit, ist das Areal verwaist. Dann bringt auch der Kiosk kein Geld in die Kasse des Betreibers. - © FOTO: THORSTEN GÖDECKER
Auch die Sommerferien sind für das Parkbad keine Garantie für ein volles Becken. Spielt das Wetter nicht mit, ist das Areal verwaist. Dann bringt auch der Kiosk kein Geld in die Kasse des Betreibers. | © FOTO: THORSTEN GÖDECKER

Gütersloh Stadt sucht Pächter fürs Parkbad

Arbeitslosenselbsthilfe wird Betreibervertrag im Mai nicht verlängern

VON THORSTEN GÖDECKER

Gütersloh. Für das Parkbad muss sich die Stadt einen neuen Pächter suchen. Die Rundum GmbH – eine Tochter der Arbeitslosenselbsthilfe (ASH) – werde den im Mai 2015 auslaufenden Pachtvertrag nicht um weitere fünf Jahre verlängern, teilt ASH-Geschäftsführer Jürgen Delker mit.

Information
1925 wurde der Verein "Parkbad Gütersloh" gegründet, der das spätere Bad bis zur Übernahme durch die Stadt im Sommer 1942 betrieb.

Im Mai 1927 begann der Bau des Parkbads.

Am 2. Juni 1928 wurde das Bad eröffnet.

Im Sommer 1929 kamen mehr als 80.000 Badegäste.

Nach dem Zweiten Weltkrieg beschlagnahmte die britische Militärverwaltung das Gelände und gab es erst 1956 wieder frei.

Der Besucherrekord wurde im Sommer 1967 mit 125.870 Badegästen aufgestellt.

Mit dem 1960 erbauten Hallenbad und dem 1971 eröffneten Nordbad erhielt das Parkbad moderne Konkurrenz.

1977 wurden die Kosten für eine Sanierung auf acht Millionen Mark geschätzt.

1986 lehnte der Sportausschuss den Erhalt des Bades ab.

In der letzten Saison 1991 zählte das Bad 41.191 Besucher.

Mit der Schließung begann ein Streit zwischen der Stadt und dem Westfälischen Amt für Denkmalpflege um die Denkmalwürdigkeit des Parkbades. Während die Denkmalpfleger die Schutzwürdigkeit feststellten, lehnte die Stadt den Erhalt des Bades aus Kostengründen ab. Das Amt schaffte Fakten.

1995 wurde das Schwimmbecken soweit zugeschüttet, dass eine Wasserspielfläche mit einer Wassertiefe von 10 bis 30 Zentimetern entstand. (tcg)

"Ich weiß seit gut einer Woche davon. Mit liegt die Kündigung aber noch nicht vor", bestätigte Rainer Venhaus, der bei der Stadt den Fachbereich Immobilienmanagement leitet, das anstehende Ende der Kooperation mit der Arbeitslosenselbsthilfe. Das trifft die Stadt angeblich unvorbereitet: "Wir haben keinen Plan B und müssen nun überlegen, was wir tun werden", sagt Venhaus. Er wisse noch nicht, ob die Stadt den Betrieb des unter Denkmalschutz stehenden Objektes ausschreiben oder sich direkt mit "geeigneten Pächtern" in Verbindung setzen werde. Dabei hat der Grundstücksausschuss der Stadt schon vor einem Jahr darüber nachgedacht, ob nicht die Stadtwerke das Parkbad betreiben könnten. Die Verwaltung wurde beauftragt, eine Übernahme des Parkbades durch die Stadtwerke zu prüfen. Gleichzeitig versicherte die Politik der Rundum GmbH, dass man den Nutzungsvertrag fortzusetzen gedenke. Skeptisch beurteilte der Ausschuss die Chancen, dass die Stadtwerke einstiegen, ohne Eintritt für das Parkbad zu erheben. Nur die SPD setzte sich damals für die Rundum GmbH ein.

Über die Gründe für das Ende des ASH-Engagements im Parkbad hüllt sich Geschäftsführer Delker noch in Schweigen. Sicher ist nur, dass die Rundum GmbH schon im Juni 2012 und im Juni 2013 Alarm geschlagen hat, dass der kostenneurale Betrieb des "größten Planschbeckens Ostwestfalens" nicht mehr möglich sei. Zu wenig Geld spülten die Gäste in die Kasse. Dem Wunsch der Rundum GmbH, die Umsatzpacht von sechs Prozent nur bei einem Umsatz von mindestens 150.000 Euro zu erheben, lehnte der Ausschuss 2013 ab. Beim Blick in die Umsatzzahlen von 2008 bis 2011 zeigte sich, dass die 150.000 Euro nur 2008 erreicht wurden. Daher sei zu vermuten, dass er auch zukünftig nicht überschritten und somit keine Umsatzpacht fällig werde. Für die Stadt hätte dies Mindereinnahmen von 7.000 bis 8.500 Euro bedeutetet. Stattdessen beschlossen die Kommunalpolitiker ab 1. Januar 2013 eine von drei auf sechs Prozent gestaffelte Pacht je nach Umsatzergebnis zu kassieren.

In den 1930er Jahren boomte das Bad.
In den 1930er Jahren boomte das Bad.

Die Rundum GmbH zeichnet seit Wiedereröffnung des Parkbades am 1. Mai 1998 für den Betrieb verantwortlich. Zunächst wurden die Pachtverträge auf Druck von CDU und UWG jeweils um nur zwei Jahre verlängert. Vor allem die Union sympathisierte lange mit dem Gedanken, den Betrieb des Parkbades öffentlich auszuschreiben. Nun muss Venhaus einen Pächter finden, denn für ihn steht fest, dass es einen Weiterbetrieb dieser "herrlichen Anlage" geben muss.

Copyright © Neue Westfälische 2018
Texte und Fotos von nw.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group