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Gütersloh "Critical Mass" auch in Gütersloh unterwegs

Loser Verbund reklamiert Rechte der Radfahrer

VON ROLF BIRKHOLZ VON ROLF BIRKHOLZ
18.08.2014 | Stand 17.08.2014, 19:12 Uhr
Der junge Mann auf dem Rennrad übernimmt die Führung, die Gruppe schließt sich an – die "Critical Mass"-Fahrt kann beginnen. - © Foto: Rolf Birkholz
Der junge Mann auf dem Rennrad übernimmt die Führung, die Gruppe schließt sich an – die "Critical Mass"-Fahrt kann beginnen. | © Foto: Rolf Birkholz

Gütersloh. Erst einer, dann zwei, dann drei, dann immer mehr. Entspannt trudelten am Freitag gegen 19 Uhr Radfahrerinnen und Radfahrer auf dem Berliner Platz ein. Im Internet und in der Zeitung war dazu aufgerufen worden, von dem Treffpunkt aus eine Radtour durch die Stadt zu starten. Die Bedingung, die "kritische Masse" von 16 Teilnehmern zu erreichen, war bald mehr als doppelt erfüllt. Die Aktionsform "Critical Mass" könnte sich auch in Gütersloh etablieren.

Nach einem ersten Versuch am 6. September 2013, der mangels Masse gescheitert war, hatte es beim zweiten Anlauf am 25. Juli geklappt, mit mindestens 16 Leuten als Verband zu fahren. Dann nämlich darf sich nach der Straßenverkehrsordnung eine solche Gruppe auf Zeit wie ein motorisiertes Fahrzeug, etwa ein Lkw, bewegen, eine ganze Fahrbahnhälfte nutzen und Ampeln geschlossen passieren. Motto: "Wir behindern nicht den Verkehr, wir sind Verkehr!"

Um durch solche Gruppenfahrten auf Bedeutung und Rechte des Fahrradverkehrs aufmerksam zu machen, wird "Critical Mass" (CM), 1992 in San Francisco entstanden, seit 1997 auch in Deutschland praktiziert: möglichst unorganisiert oder allenfalls als "organisierter Zufall". Über digitale Netzwerke und andere Kommunikationswege ruft jeweils ein "Urheber" zu einer Fahrt auf.

Auch am Treffpunkt geht es betont unhierarchisch zu. Nichts ist vorgegeben, keiner kennt die Route, vielleicht nicht einmal der, der anscheinend spontan (womöglich auch nach reiflicher Überlegung) losfährt, die Führung übernimmt. Die anderen – und zur Sicherheit auch ein Polizeiwagen – schließen sich an. Am Freitag umkurvte ein junger Mann gegen 19.15 Uhr erst ein paar Mal die Gruppe, um diese dann über die Berliner in Richtung Parkstraße zu führen.

Weiter ging die Tour über die Verler Straße zur B 61 und endete am Dreiecksplatz. Auf Facebook wurde anschließend die zurückhaltende, auch hilfreiche Begleitung durch die Polizei erwähnt. Aber auf deren Frage am Dreiecksplatz, ob die Veranstaltung nun zu Ende sei, habe jemand zurückgefragt: "Welche Veranstaltung?"

Es soll nun jeden ersten Freitag im Monat solch unveranstaltetes Gruppenradfahren geben. Als Demonstration der Normalität. Näheres unter Critical Mass Gütersloh im Netz.

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