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Gütersloh

Protest gegen Verfolgung

Christen demonstrieren für ihre Glaubensbrüder in Syrien und im Irak

VON ROLF BIRKHOLZ
05.08.2014 | Stand 03.08.2014, 19:38 Uhr
Mitorganisatorin Ninwe Aras sprach zu den Teilnehmern der Demonstration für die verfolgten Christen im Nahen Osten. - © FOTO: ROLF BIRKHOLZ
Mitorganisatorin Ninwe Aras sprach zu den Teilnehmern der Demonstration für die verfolgten Christen im Nahen Osten. | © FOTO: ROLF BIRKHOLZ

Gütersloh. Mossul kennen zumindest Karl-May-Leser. Ninive, wie es ursprünglich hieß, ist aber mehr noch ein biblischer Ur-Ort. Seit 1.800 Jahren lebten dort Christen. "Mossul zum ersten Mal christenfrei" hieß es am Samstagmittag auf- dem Kolbeplatz. Dorthin hatte der assyrisch-aramäische Jugendverband "Save-our-Souls–1915.de" zu einer Kundgebung für die im Irak und Syrien verfolgten Christen aufgerufen. Rund 250 Menschen fanden sich ein, viele trugen T-Shirts mit dem arabischen Buchstaben "N".

Der stehe für den Koran-Begriff Nasrany, Nazarener, und bezeichne, so die Veranstalter, im abfälligen Sinne Leute, die Jesus von Nazareth anhängen. Die Häuser von solchen Menschen seien von der islamistischen Terrororganisation Islamischer Staat (IS) mit diesem Buchstaben markiert, deren Bewohner zu Konversion und Kopfsteuer aufgefordert, andernfalls drangsaliert, gar mit dem Schwert getötet worden. Viele seien geflohen.

"Die Thematik wird viel zu wenig besprochen", sagte Mit-Organisatorin Ninwe Aras. Der Jugendverband rufe gleichzeitig in 15 deutschen Städten zu Demonstrationen auf. "Wir fordern, dass der Westen nicht wegschaut." Heute lebten noch höchstens 300.000 von einst 1,5 Millionen Christen im Irak. "Die Menschen wollen in dem Land bleiben!"

Doch das wird zunehmend schwierig. "Du bist Christin, du hast hier keine Rechte", las Anni Simsek aus dem Erfahrungsbericht einer noch im Irak ausharrenden Frau vor. In alten Nachbarschaften, in denen man stets friedlich miteinander gelebt habe, sei man plötzlich nicht mehr sicher, so die Irakerin.

Aber es wurde auf dem Platz ausdrücklich vor Hass gegen Muslime gewarnt, vielmehr an deren Gewissen appelliert, ebenfalls gegen die Radikalen ihrer Religion die Stimme zu erheben. Die Paderborner CDU-Stadträtin Sonja Ergin und andere warben für Schutzzonen für Minderheiten. Appelliert wurde auch an die Bundespolitiker, etwas zu unternehmen. Die Christen im Irak und Syrien wollten in ihrer Heimat bleiben und nicht nach Europa kommen "und um Sozialhilfe bitten."

"Hilferuf aus Gütersloh: Stoppt den Krieg in Syrien", stand auf einem der Plakate, "Deutschland schau nicht weg" auf einem anderen. Ein Junge hielt eine Tafel hoch mit dem Bekenntnis: "Ich bin Christ / Du kannst mich verhöhnen / Du kannst mich foltern / Du kannst mich töten. Aber du kannst mich nicht ändern." Das hört sich fremd an. Es ist urchristlich.

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