Gütersloh Tod bei Zahn-Operation

Ermittlungen gegen Bielefelder Narkoseärztin

05.06.2014 | Stand 04.06.2014, 17:41 Uhr

Gütersloh. Es sollte eine harmlose Zahnoperation werden. Dann wachte ein 49-jähriger Gütersloher nicht mehr aus der Vollnarkose auf. Der tragische Tod des Mannes beschäftigt jetzt Polizei und Staatsanwaltschaft. Bislang halten sich die Ermittlungsbehörden mit Details zu dem folgenschweren Zwischenfall, der sich bereits Mitte April in einer Gütersloher Zahnarztpraxis ereignet hat, bedeckt. Polizeisprecher Karl-Heinz Stehrenberg verwies auf die laufenden Untersuchungen in diesem "äußerst tragischen Fall". Wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung hat die Polizei ein Ermittlungsverfahren gegen eine Narkoseärztin aus Bielefeld eingeleitet. Darin soll geklärt werden, ob eine Verkettung unglücklicher Umstände zum Tod des Mannes geführt hat oder ob die Todesursache auf einen Fehler der Anästhesistin zurückzuführen ist. Nach Informationen dieser Zeitung soll es während des Narkosevorgangs in der Zahnarztpraxis zu schwerwiegenden Komplikationen gekommen sein. Der behandelnde Zahnarzt verständigte daraufhin einen Notarzt. Rettungskräfte konnten jedoch nur noch den Tod des Mannes feststellen. Sein Leichnam ist obduziert worden. Die Ergebnisse lägen der Polizei jedoch noch nicht vollständig vor, sagt Stehrenberg. Ende April war es schon einmal zu einem dramatischen Zwischenfall in einer Gütersloher Zahnarztpraxis gekommen: Konstatin Karbouj, Betreuer der Fußball-Zweitligistinnen des FSV Gütersloh, hatte sich unter Vollnarkose einer Zahnbehandlung unterzogen. Dabei traten lebensbedrohliche Komplikationen ein. Ärzte versetzen den 45-Jährigen daraufhin in ein künstliches Koma. Daraus sei er noch immer nicht vollständig erwacht, sagt Michael Horstkötter. Karbouj zeige jedoch bereits erste Momente des Bewusstseins und befinde sich nicht mehr in Lebensgefahr, so der FSV-Geschäftsführer, der nach eigenen Angaben in engem Kontakt zu der Familie steht. Laut der Vorsitzenden der Bezirksstelle Gütersloh der Zahnärztekammer Westfalen-Lippe, Georga Weiß, hat die Zahl der Zahnbehandlungen unter Vollnarkose zugenommen. Es sei absolut nicht ungewöhnlich, dass zu derartigen Eingriffen Anästhesisten in die Praxen bestellt und die Behandlungen ambulant durchgeführt würden. "Der aktuelle Fall führt uns ganz drastisch vor Augen, was wir eigentlich schon immer wussten: Jede Narkose birgt Risiken", sagt die Zahnärztin. "Komplikationen sind selten, aber sie sind da", sagt Weiß. Was im Fall des 49-Jährigen genau schiefgelaufen war, ist der Staatsanwaltschaft zufolge noch offen. "Uns liegen noch keine Ergebnisse der polizeilichen Untersuchungen vor", sagt Staatsanwältin Christiane Holzmann. Die Ermittlungen richteten sich ausschließlich gegen die Narkoseärztin.

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