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Gütersloh Die Porsche-Manufaktur

Rainer und Dino Pannhorst restaurieren Oldtimer für betuchte Kunden in aller Welt

VON PATRICK MENZEL
01.05.2014 | Stand 30.04.2014, 21:30 Uhr
Juniorchef Dino Pannhorst liebt formschöne und schnelle Nobelkarossen, insbesondere in die aus Zuffenhausen steigt der 34-Jährige gerne ein. Aber Pannhorst hat, wie auch sein Vater, ein Faible für die südländische Lebensart. Der Innenhof der Oldtimerschmiede erinnert an eine Piazza mitten in Italien. - © FOTOS: PATRICK MENZEL
Juniorchef Dino Pannhorst liebt formschöne und schnelle Nobelkarossen, insbesondere in die aus Zuffenhausen steigt der 34-Jährige gerne ein. Aber Pannhorst hat, wie auch sein Vater, ein Faible für die südländische Lebensart. Der Innenhof der Oldtimerschmiede erinnert an eine Piazza mitten in Italien. | © FOTOS: PATRICK MENZEL

Gütersloh. Da stehen sie aufgereiht in der Werkstatt, in ganz unterschiedlichen Stadien der Bearbeitung: Mercedes, ein Jaguar XK 120, ein Bentley Arnage T 24 Mulliner und Porsche-Karossen soweit das Auge reicht. Eine solche Sammlung motorisierter Kostbarkeiten lässt keinen Oldtimer-Fan kalt. Auch Rainer Pannhorsts Herz schlägt höher: „Diese Schönheiten perfekt wieder herzurichten macht richtig Spaß“, sagt der Chef der Oldtimer-Manufaktur.

In den Räumen riecht es weder nach Öl, noch nach Benzin oder Metallarbeiten. Die Werkstatt gleicht beinahe einem sterilen Operationssaal. Aus den Boliden hängen Kabelstränge, es wird nur leise geredet. Obwohl jeder Einzelne nur an einem winzigen Detail arbeitet, muss am Ende das große Ganze stimmig sein. Alle Handgriffe sind perfekt abgestimmt. Holger Meyer steht entspannt vor dem zerlegten Turbomotor eines Porsche 993 und schaut mit scharfem Blick in das ölige Innere. „Die Kolbenringe müssen erneuert werden“, diagnostiziert der Mechaniker.

Zwei gläserne Garagen weiter befasst sich Robby Heinrich gerade mit dem Stoffverdeck eines 26 Jahre alten Porsche 911. „Das wieder originalgetreu hinzukriegen ist schon eine Kunst für sich“, sagt er – und macht sich ans Werk. Der Mann ist absoluter Perfektionist bei der Wiederherstellung alter Formen.

Perfektion – das ist einer der Lieblingsbegriffe von Rainer Pannhorst, der die Oldtimer-Manufaktur 1979 zusammen mit seinem Bruder Udo Pannhorst gegründet hat – „zunächst als Hobby und aus reiner Leidenschaft für Traumautos“, wie er sagt. Aus dem Hobby wurde ein Beruf. Die Pannhorst-Brüder kauften in aller Herren Länder Oldtimer an, um sie aufzuarbeiten, zu restaurieren und schließlich an betuchte Liebhaber motorisierter Schätzchen weiterzuverkaufen. Zwischenzeitlich betrieben sie eine Werkstatt in Saudi Arabien, „um näher am Kunden zu sein“, wie Pannhorst sagt. Die Niederlassung in dem Königreich am Persischen Golf gibt es heute nicht mehr und Udo Pannhorst ist zwischenzeitlich gestorben – die Geschäftsidee und viele alte Kontakte aber sind geblieben.

Über seine Kunden schweigt Rainer Panhorst eisern. Diskretion sei in dieser Brache Ehrensache. Nur so viel: Gekrönte Staatsoberhäupter gehören ebenso zu Pannhorsts Auftraggebern wie Scheichs, mächtige Wirtschaftsbosse und finanzstarke Privatiers.

Für ihre Kunden sucht die Autoschmiede „stets ganz spezielle Autos – Autos mit Geschichte, wenigen Vorbesitzern und wenigen Kilometern auf der Uhr“, sagt Sohn Dino Pannhorst, dem die Leidenschaft für Traumautos quasi mit ins Taufbecken gelegt wurde. Sein Vater benannte ihn nach dem berühmten Ferrari-Nachkömmling Alfredo „Dino“ Ferrari.

„Ich kümmere mich am liebsten um die schönen Dinge“, sagt Dino Pannhorst und meint damit die komplizierten Aufträge, die andere in der Branche für unlösbar halten. Der 34-Jährige strahlt Selbstbewusstsein und aufrichtige Freude an seinem Beruf aus. Traumautos sind eben auch seine Leidenschaft – und ganz speziell jene des Herstellers aus Stuttgart-Zuffenhausen. „Porsche ist eine ganz besondere Marke – eine mit einer langen, sehr interessanten Geschichte“, sagt der Junior und erklärt, warum es ihm ausgerechnet die PS-starken Oldtimer aus Süddeutschland angetan haben. Zudem seien alte Porsche noch relativ gut erhältlich. Nicht nur in Deutschland, sondern überwiegend in den Vereinigten Staaten und in Japan. Von dort werden die Oldtimer nach Deutschland geschifft, in der Pannhorst-Werkstatt am Langen Weg nach Herstellervorgaben grundsaniert und schließlich wieder verkauft. „Die meisten Autos haben nach dem Zwischenstopp bei uns mehr Meilen auf See erlebt, als zuvor auf der Straße“, sagt Dino Pannhorst.

Am Ende dieser ganzen Aufarbeitungsprozedur – und da sind sich Vater und Sohn einig – muss das Produkt vor allem eines: Spaß machen.

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