Gütersloh Stadt legt sich eine Strategie zurecht

Mit dem Fortzug der Briten werden 2,3 Prozent des gesamten Gütersloher Wohnungsbestandes frei

von ludger osterkamp

Die Siedlung im Karree an der Gutenberg-/Alsen-/Bultmannstraße. - © FOTOS: RAIMUND VORNBÄUMEN
Die Siedlung im Karree an der Gutenberg-/Alsen-/Bultmannstraße. | © FOTOS: RAIMUND VORNBÄUMEN

Gütersloh. Wenn die britischen Soldaten aus Gütersloh abziehen, werden 1.042 Häuser und Wohnungen frei. Was tun? Im Vorfeld der Kommunalwahlen beziehen die Parteien nun Position. Dabei geht es auch um die Frage, ob die Stadt selber Geld in die Hand nimmt und bei den Wohnungen im Bundesbesitz ihr Erstkaufsrecht nutzt.

Die SPD plädiert dafür, dass die Stadt offensiv vorgeht. Sie könne dadurch die Wohnentwicklung besser steuern und vielleicht sogar für mehr bezahlbaren Wohnraum sorgen. Die Verwaltung, so sieht ein Antrag der SPD-Fraktion vor, solle für die nächste Sitzung des Grundstücksausschusses am 8. Mai ein Folgekonzept für die Wohngebäude entwickeln, das ausdrücklich auch die Möglichkeit des Kaufes beinhaltet.

Die UWG lehnt diesen Vorschlag indes strikt ab. Sie hält Gütersloh angesichts seines Schuldenstandes mit dem Kauf von Wohnungen für überfordert, zumal zum Kaufpreis von etlichen Millionen Euro nicht absehbare Sanierungskosten hinzu kämen. Die CDU wiederum sucht einen Weg in der Mitte: Sie schlägt einen Runden Tisch vor, an dem neben Stadt und Politik die Grundstückseigentümer sitzen sollen. In einem solchen Gremium sei die Folgenutzung der Immobilien am ehesten konsensual zu gestalten.

Die Handlungsoptionen der Stadt sind begrenzt. Größtes Problem: Zwei Drittel der frei werdenden Wohnungen sind in Privatbesitz. Die Stadt hat darauf keinen Erstzugriff. Die Eigentümer können mit ihren Wohnungen im Prinzip machen, was sie wollen.
Von diesen Privatbesitzern wiederum leben die wenigsten in Gütersloh. Sie kommen aus Stuttgart, Hamburg oder Düsseldorf, einige von ihnen haben Gütersloher Boden wohl noch nie betreten. Sie haben die Häuser seinerzeit nur gekauft, weil sie Geld anlegen wollten. Mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) als sicherer, langfristiger Mieterin war das eine lukrative Kapitalanlage.

Ob der Fortzug der Streitkräfte für diese Vermieter ein Anlass ist, sich von ihrem Eigentum zu trennen und es zu verkaufen, ist schwer abzuschätzen. Auch deren Investitionsneigung (Sanierung, Um-, An-, Neubau) ist offen. Kontakte zu diesen Privatleuten unterhält die Stadt bislang kaum.

Von den etwa 650 Privatimmobilien befindet sich die Mehrheit in solchem Streubesitz. Doch auch der Anteil institutionalisierter Anlegergesellschaften ist erheblich.

So ist die Britensiedlung an der Gutenberg-/Alsen-/Bultmannstraße mit 40 Wohnungen in Besitz eines Unternehmens mit Hauptsitz in den Niederlanden. Der IWF (Institutioneel Woningfonds) verwaltet Immobilien-Fonds für professionelle Anleger. Eigenen Angaben zufolge vermarktet IWF Portfolien; die Laufzeit ihrer Fonds betrage zehn Jahre, während dieser Zeit soll der Wert des Portfolios verbessert und am Ende der Fonds in Teilen verkauft werden.

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