Gütersloh CDU plant Campus in der Kaserne

Unionsmitglieder machen sich ein Bild vom Flughafen und den Mansergh Barracks

VON ROLF BIRKHOLZ
Der Flugbetrieb ruht an der Marienfelder Straße und auch adlige Gäste aus dem Mutterland sagen sich bei den Soldaten der Rheinarmee seltener an. Nach und nach hat die Natur sich das riesige Flughafen-Areal zurück erobert. Das sahen jetzt auch die CDU-Mitglieder. - © FOTO: RAIMUND VORNBÄUMEN
Der Flugbetrieb ruht an der Marienfelder Straße und auch adlige Gäste aus dem Mutterland sagen sich bei den Soldaten der Rheinarmee seltener an. Nach und nach hat die Natur sich das riesige Flughafen-Areal zurück erobert. Das sahen jetzt auch die CDU-Mitglieder. | © FOTO: RAIMUND VORNBÄUMEN

Gütersloh. Als letzte britische Schule in Nordhrein-Westfalen wird die in den Mansergh Barracks an der Verler Straße schließen, wohl im Sommer 2018. Bis dahin nimmt sie weitere Schüler aus den zuvor geschlossenen Garnisonen auf. Das berichtet Quartiermeister Andy Wilson, während er CDU-Mitglieder über das Gelände der ehemaligen "Nachrichtenkaserne" führt.

Sie wollen ein Gefühl für das bei laufendem Betrieb sonst nicht ohne weiteres zugängliche Areal bekommen, das nun von der Stadt überplant werden muss.

Dies gilt auch für den Flughafen. Dahin fährt der mit 57 Personen bis auf ein paar Stehplätze besetzte Gelenkbus der Stadtwerke die Teilnehmer der Planungsfahrt an diesem Nachmittag zunächst. Angesichts von Kaffee und Kuchen, die CDU-Frauen an Bord verstaut haben, spricht Monika Paskarbies, stellvertretende Vorsitzende des Ortsvereins, auch von einer halben "Kaffeefahrt".
Am Eingang der Princess Royal Barracks steigt Kenneth Crichton zu.

Der Verbindungsoffizier, mit dem bekannten Schriftsteller Michael Crichton übrigens nicht verwandt ("Leider", sagt er), gibt bei der Runde übers weitläufige, 385 Hektar große Gelände Auskunft. Die Briten nennen ihr Hauptquartier so ungerührt "Freiherr-von-Richthofen-Haus" wie sie die Unterkünfte der deutschen Zeit des 1937 eröffneten Fliegerhortes als "Hitler-Blocks" bezeichnen.

Ein Läufer pustet dem Bus entgegen, eine Gruppe Radrennfahrer legt sich in die Kurve. Die Fahrt geht an Kirche und Kino, Läden, Sportanlagen, alten Bunkern, einem Munitionsdepot und dem Denkmal für sowjetische Kriegsgefangene vorbei bis zur 2,3 Kilometer langen Start- und Landebahn an der Ems, wo der Flugbetrieb laut Chrichton seit dem 30. September 2013 eingestellt ist. Wer über Gütersloh jetzt noch Militärmaschinengeräusche vernimmt, wie einer der Mitfahrer, hört Flugzeuge, die anderswo starten und landen. Alles ruhig, viel Grün. Nur ein Drittel des Gebietes kann demnächst für Gewerbe genutzt werden. Hier seien keine Menschen mehr, "da ist nur die Natur", sagt der Verbindungsoffizier. Doch sei das "ein politisches Thema für Sie, dazu sage ich gar nichts."

Kenneth Crichton lässt aber durchblicken, wie überraschend der Rückzug der Briten aus Deutschland nicht nur für die betroffenen Soldaten und ihre Familien, auch für die Militärverwaltung gewesen sein muss. Der Verbindungsmann weist auf ein erst 2010 für 6,6 Millionen Euro errichtetes Quartier hin, auch der Naafi-Laden für drei Millionen und eine Sporthalle seien praktisch neu.

"Es gibt schon Anfragen", sagt Crichton, als die Sonderfahrt der SWG dann auf dem Weg zu den Mansergh Barracks britische Wohnsiedlungen passiert. Zumal Offiziere fänden in ihren Briefkästen schon einmal Zettel mit der Frage: "Wann ziehen Sie aus?" Crichton: "Noch nicht." Und gar nicht wird Andy Wilson, mit einer Deutschen verheiratet, das Land verlassen.

Aber einmal muss er noch weg. Gleich nach Ostern wird das 26. Artillerie-Regiment nach Afghanistan verlegt. "Hoffentlich zum letzten Mal", so der Major vor einer Kanone, die 18 Kilometer weit schießen kann. Selbst die Ausmaße dieser mit 31 Hektar im Vergleich zum Flughafen kleinen Kaserne überrascht einige der Besucher. Ein FH-Campus, etwa Seminarrräume, Wohnbebauung und nicht störendes Gewerbe seien hier denkbar, erklärt Monika Paskarbies.

Auf der Rückfahrt zum Ausgangspunkt Spexarder Bauernhaus macht der Bus noch einen Schlenker am Städtischen Klinikum vorbei. Über die Reckenberger Straße geht es. Auf der Virchowstraße sei erst vor ein paar Tagen ein Kollege stecken geblieben, verdeutlicht der Fahrer die durch Überparken bedingten Engpässe dort.

Die Zeit reicht nicht mehr, das Baugebiet Krullsbachaue und die Verkehrsprobleme im Zentrum Friedrichsdorfs in Augenschein zu nehmen. Remigius von Boeselager, der die Planungstour vorgeschlagen und mit vorbereitet hat, regt deshalb schon "die nächste Reise der Unionsfamilie" an. Gäste auch dann willkommen.

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