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Gütersloh Viereinhalb Jahre für Tanzlehrer

Peter K. wegen "versuchten Totschlags" verurteilt / Revision angekündigt

VON EIKE J. HORSTMANN
06.03.2014 | Stand 04.03.2014, 19:53 Uhr
Vor der Urteilsverkündung berät sich Peter K. mit seinen sichtlich gut gelaunten Verteidigern Guido Zengerle und Holger Rostek. Über seine Anwälte ließ der Verurteilte ausrichten, Revision einzulegen. - © FOTO: RAIMUND VORNBÄUMEN UND PATRICK MENZEL
Vor der Urteilsverkündung berät sich Peter K. mit seinen sichtlich gut gelaunten Verteidigern Guido Zengerle und Holger Rostek. Über seine Anwälte ließ der Verurteilte ausrichten, Revision einzulegen. | © FOTO: RAIMUND VORNBÄUMEN UND PATRICK MENZEL

Gütersloh. Der Prozess gegen den Rietberger Peter K. ist am Bielefelder Landgericht mit einem Schuldspruch zu Ende gegangen. Der ehemalige Weltklassetänzer muss wegen versuchten Totschlags für vier Jahre und fünf Monate ins Gefängnis. Damit blieb die X. große Strafkammer hinter den von der Staatsanwaltschaft geforderten sechs Jahren zurück. Die Aussage des Angeklagten, dass er seine Frau auf ihren eigenen Wunsch hin getötet habe, wies das Gericht als "Schutzbehauptung" zurück. Die Verteidigung, die auf "versuchte Tötung auf Verlangen" plädiert und eine Bewährungsstrafe gefordert hatte, kündigte Revision an.

Fünf Monate hatte sich die Verhandlung gegen den 68-Jährigen hingezogen. K. wurde vorgeworfen, seine Frau Marion L. im Dezember 2012 zunächst erstickt und dann in einer Inspektionsgrube in der Garage des gemeinsamen Wohnhauses einbetoniert zu haben. "Nicht jeder Prozess endet mit einer Bestrafung, die der Bevölkerung richtig erscheint", schickte die vorsitzende Richterin Jutta Albert gleich zum Beginn der Urteilsverkündung in Richtung der vollbesetzten Zuschauerbänke voran. Sie könne die Emotionalität, mit der viele den Prozess verfolgt hätten, nachvollziehen. "Wir alle haben Empfindungen und Gefühle, wenn jemand in so unwürdiger und abscheulicher Art beseitigt wird."

Sie kritisierte aber die Art und Weise, wie mancher versucht habe, auf den Prozess Einfluss zu nehmen. So habe ein Zuschauer in einem Brief von einem "Schauprozess" gesprochen. "Und das war dieser Prozess mit Sicherheit nicht." Kritik äußerte Albert aber auch am Angeklagten, der sich mehrfach über Gericht, Zeugen und Sachverständige beschwert hatte. Es sei merkwürdig, wie K. Dinge auffassen würde, wenn sie ihm nicht passten. Am unglaublichsten habe sie jedoch berührt, dass K. Strafanzeige gegen seine 88-jährige Schwiegermutter gestellt habe – weil sie Vermutungen über den Tatverlauf geäußert habe. "Das ist mit normalem Verstand kaum noch zu begreifen", so Albert.

In ihrer Urteilsbegründung führte Albert an, dass die Todesursache nicht mehr festgestellt werden konnte und somit nicht ausgeschlossen werden könne, dass Marion L. zu dem Zeitpunkt, an dem K. ihr "Mund und Nase verlegte" bereits verstorben war. Soweit folgte das Gericht der Argumentation der Verteidigung.

Beim Aspekt "Tötung auf Verlangen" widersprach Albert jedoch deutlich. Sämtliche Zeugen hätten das Opfer als "lebensfrohe Person" beschrieben, die statt Suizidgedanken Zukunftspläne hegte. Auch Ks. Einlassung, dass Marion L. bereits im September 2012 einen Zusammenbruch erlitten und einen Todeswunsch geäußert habe, betrachtete die Kammer als widerlegt und somit als frei erfunden. Letztlich bliebe, dass K. "mit Tötungsvorsatz gehandelt" habe – und dass auch die "Beseitigung der Leiche" nicht in das von K. gezeichnete Bild einer harmonischen Ehe passe.

Ks. Behauptung, Marion L. deshalb in die Garage verbracht zu haben, damit er sie in seiner Nähe haben und sich mit ihr unterhalten könne, konterte Albert mit einer rhetorischen Gegenfrage: "Sie wollen sich mit jemandem unterhalten, der mit dem Gesicht nach unten und mit einer Plastiktüte über dem Kopf unter 30 Zentimeter Beton liegt?"

Strafmildernd werde K. sowohl sein Geständnis als auch sein Alter angerechnet. Auch ging die Kammer davon aus, dass es sich um eine im Affekt geschehene Beziehungstat und nicht um ein von langer Hand geplantes Verbrechen gehandelt habe.

Verschärfend wirkte sich wiederum die "kriminelle Energie" aus, mit der K. anschließend seine Tat vertuscht hatte und Freunde und Verwandte über das wahre Schicksal der Marion L. im Dunklen ließ. Die Kammer sei daher zur Auffassung gelangt, dass eine Bewährungsstrafe dem entstandenen Unrecht nicht entspräche. Eine Strafe von vier Jahren und fünf Monaten wegen versuchten Totschlags sei aber für die Tat angemessen.

Rechtsanwalt Holger Rostek kündigte unmittelbar nach der Urteilsverkündung Revision an. "Ich halte das Urteil für falsch und die Beweisführung für angreifbar", so der Pflichtverteidiger. Sein Mandant zeige sich von dem Urteil enttäuscht und in seiner Person abgewertet. "Er hat seine Frau geliebt", so Rostek.

In der Revision wird K. von der Kölner Rechtsanwältin Corinna Born vertreten.

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