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Spaziergängern bot sich ein ungewöhnlicher Anblick. Das professionelle Aktzeichnenmodell Helmut Lorscheid präsentierte seinen Körper. - © Heiko Kaiser
Spaziergängern bot sich ein ungewöhnlicher Anblick. Das professionelle Aktzeichnenmodell Helmut Lorscheid präsentierte seinen Körper. | © Heiko Kaiser

Kreis Gütersloh Kunst: Nackter Mann im Wald irritiert Spaziergänger

Ein nackter Mann - mittem im Wald. Und um ihn herum etliche Menschen, die ihn anstarren.

Heiko Kaiser
07.08.2019 | Stand 07.08.2019, 13:33 Uhr

Borgholzhausen. Spaziergänger drehen irritiert ab. Fragend steht eine albanische Familie in sicherer Entfernung und beobachtet das Geschehen im Wäldchen oberhalb des Bönkerschen Steinbruchs. Dort kniet Helmut Lorscheid. Er ist nackt. Um ihn herum hocken Teilnehmer und versuchen das, was sie sehen, aufs Papier zu bringen. Lorscheid ist freier Journalist und im Nebenberuf seit 16 Jahren Aktzeichenmodell und hier bundesweit tätig. Im Wald herrscht Stille. Konzentriert werfen die Aktzeichner immer wieder kurze Blicke auf das Modell, ehe per Bleistift das Gesehene auf das Blatt transportiert wird. Nina Lükenga leitet den Kurs. „Ich halte hier die akademische Schule hoch", sagt sie. Bedeutet: Auch wenn Kunst ein intuitiver Prozess sei, gehe es hier auch um Wissen und Denken. Es geht um Körperproportionen, um das richtige Sehen. Aktzeichenkurs ist ausgebucht „Die Teilnehmenden lernen Strategien, den Menschen zu sehen. Sie lernen, genau hinzugucken und nicht das zu zeichnen, was sie glauben zu sehen. Das ist ein jahrelanger Prozess", sagt Nina Lükenga. Cornelia Teiner ist zwar das erste Mal im Bönkerschen Steinbruch dabei. Die Künstlerin aus Werther hat jedoch bereits eine gewisse Expertise in der Aktmalerei vorzuweisen. So ist bei ihr nicht die Wiedergabe der richtigen Proportionen das Thema, an dem sie ihre Arbeit misst. „Mir geht es darum, die Stimmung wiederzugeben, die der Mensch ausdrückt", erklärt sie. Der Aktzeichenkurs ist ausgebucht. So wie die meisten der Veranstaltungen in den drei Wochen Sommerakademie. „176 Teilnehmer hatten wir, 180 wären möglich gewesen", sagt Organisatorin Fidi Schildmann. "Die Mitte finden - das versuche ich schon mein ganzes Leben" Um Eisen und Feuer geht es im Kurs von Bernd Bannach. Der gelernte Schmied hat das Metall als Kunstobjekt für sich entdeckt. Unter seiner Regie schmieden, formen und stauchen die Teilnehmer. „Das Besondere bei dieser Arbeit ist das Feuer. Mit seiner Hilfe machen wir ein hartes Material beweglich und knetbar", sagt Bannach. Und auch, wenn die Arbeit am Feuer und mit Hammer und Zange schwer erscheint, geht es locker zu: „Christoph, du musst den Stab auf den Amboss fallen lassen, so triffst du die Mitte", sagt der Kursleiter. Lächelnd antwortet der Teilnehmer. „Ja, die Mitte finden. Das versuche ich schon mein ganzes Leben." Oliver Schiebler aus Lemgo ist zum ersten Mal im Steinbruch. Seine Werke können sich sehen lassen. Der 39-Jährige hat ein Besteck aus Eisen geschmiedet und geformt. Das verwunderte Gesicht des Jungen Tierisches und wunderliches erlebten die Teilnehmer beim Kurs Holzskulpturen. Der sechsjährige Felix war auf die Idee gekommen, die hölzerne Sau, die Hermann Janssen aus Aurich geschaffen hatte, mit Gras zu füttern und hatte es heimlich in die Ritze an der Schnauze gesteckt. Groß war sein Erstaunen, als am nächsten Tag das Gras nicht mehr dort war. Stattdessen lag am anderen Ende des Schweins ein wohl geformter brauner Haufen – aus Lehm. Mit Vergnügen registrierten die Kursteilnehmer das verwunderte Gesicht des Jungen.

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