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Niehoff: "Wirtschaft braucht Toleranz"

Interview zur Woche des Widerstands

23.12.2011 , 07:15 Uhr
Niehoff: "Wirtschaft braucht Toleranz" - © BIELEFELD
Niehoff: "Wirtschaft braucht Toleranz" | © BIELEFELD

Bielefeld. Die Wirtschaft blickt mit Unbehagen auf die Kundgebung von Neonazis an Heiligabend. Matthias Bungeroth sprach mit Thomas Niehoff, Hauptgeschäftsführer der IHK Ostwestfalen zu Bielefeld.

Herr Niehoff, welche Gedanken haben Sie, wenn Sie an den Aufmarsch in Bielefeld denken?
THOMAS NIEHOFF: Ich persönlich finde es bedrückend und frage mich, was in den Köpfen ausländischer Unternehmer und in den Köpfen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit Migrationshintergrund, die in vielen Bielefelder Unternehmen arbeiten, vor sich geht. Parolen wie ,Ausländer raus’ würden übrigens in der Konsequenz zum Kollaps der Wirtschaft führen, um mal nur den ökonomischen Aspekt zu betrachten. Wir brauchen Zuwanderer, ihre Arbeitskraft und auch ihre Intelligenz. Aufgrund des sich abzeichnenden Fachkräftemangels brauchen wir sogar eher mehr davon in der Zukunft als weniger.

IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Niehoff. - © FOTO: HANDWERKSKAMMER
IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Niehoff. | © FOTO: HANDWERKSKAMMER

Wie stellt sich die IHK insgesamt zum Thema Rechtsradikalismus?
NIEHOFF: Wirtschaft braucht Toleranz und Weltoffenheit. Wirtschaft agiert international. Und wenn ein Unternehmer die Grenzen Deutschlands verlässt, ist er überall auf der Welt Ausländer. Rechtsradikales Gedankengut ist eine Bedrohung für die gesamte Wirtschaft. Nationalismus zum Beispiel widerspricht eindeutig dem Wesen moderner Marktwirtschaft.

Unternehmer tun sich ja schwer, sich zu politischen Themen zu äußern. Sollten sie bei Ereignissen wie der Demonstration nicht auch eine Ausnahme machen?
NIEHOFF: Ich würde mich freuen, wenn viele unternehmerisch Tätige an der Gegendemonstration teilnähmen. Ansonsten haben Sie Recht. Demonstrationen sind nicht unbedingt die klassische Ausdrucksform von Unternehmerinnen und Unternehmern. Aber Unternehmer tun täglich etwas gegen radikales Gedankengut, gegen Fremdenfeindlichkeit, gegen das, was oft propagiert wird in solchen Demonstrationen. Denn in vielen Unternehmen sind Menschen unterschiedlicher Herkunft beschäftigt, hier wird jeden Tag Integration praktiziert. Das funktioniert in den Betrieben nur, wenn Respekt und Toleranz herrschen und wenn kulturelle Vielfalt akzeptiert und gelebt wird.

Halten Sie es für sinnvoll, dass Themen wie Rechtsradikalismus in der IHK diskutiert werden?
NIEHOFF: Ja, aber das Thema hat eher eine bundespolitische Dimension. Hier sind wir in engem Austausch mit unserer Dachorganisation, dem DIHK. Regionalwirtschaftlich gesehen wird es dann kritisch, wenn sich Aktivitäten dieser Art häufen. Dann wird das Image des Wirtschaftsstandorts belastet. Wir wissen dies aus den neuen Bundesländern, wo das Problem an machen Orten sehr ausgeprägt ist. Investoren schauen sich genau an, wohin sie gehen und bewerten dabei auch das gesellschaftliche Umfeld. Also: Man muss schon aufpassen.