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Seit gestern gräbt das Team mit Peter Price wieder im Innenhof der Burg. Hier ist die alte Schießscharte zu erkennen. Die Archäologen müssen ihre Pläne, im ganzen Hof zu forschen, zu den Akten legen. Im Frühjahr ist erstmal Schluss. - © FOTO: ANDREAS FRÜCHT
Seit gestern gräbt das Team mit Peter Price wieder im Innenhof der Burg. Hier ist die alte Schießscharte zu erkennen. Die Archäologen müssen ihre Pläne, im ganzen Hof zu forschen, zu den Akten legen. Im Frühjahr ist erstmal Schluss. | © FOTO: ANDREAS FRÜCHT

BIELEFELD Burgforscher gebremst

Keine weiteren Grabungen im Innenhof / Bérenger: Glashaube auf Kiekstattrondell

VON JOACHIM UTHMANN UND SIMON BLOMEIER
02.03.2010

Bielefeld. Die Stadt hatte den Innenhof der Sparrenburg über Winter für Grabungen freigegeben. Doch die Archäologen konnten wegen des Frosts drei Monate nicht buddeln. Die Zeit ist nicht mehr aufzuholen. Die bisherigen Funde haben aber auch zu einem Strategiewechsel geführt: Der Innenhof wird doch nicht komplett aufgegraben.

Nur am Fuße des Turms, wo sie im November auf spannende Funde wie Schießscharte und Torbogen stießen, wird weiter geforscht und dokumentiert, erklärte Archäologe Daniel Bérenger. Auf der Hauptfläche soll das Pflaster nur aufgenommen, für bessere Begehbarkeit geschliffen und wieder eingebaut werden, so Silke Justen vom städtischen Immobilienservice (ISB): "Nur besondere Funde werden die Archäologen begutachten."

Dass sie die Strategie ändern, liegt an den ersten Erfahrungen: Bisher fanden sie weniger Spektakuläres als erwartet. Trotzdem ist sich Bérenger sicher, dass unter dem Hof "sehr viel Interessantes liegt. Das ist wie ein Daumenkino, wenn wir tief graben, würden viele Schichten sichtbar." Doch den großen Aufwand scheuen Stadt und Archäologen. Aus Kostengründen, aber auch, weil der Hof offen bleiben soll. Deshalb findet sich das Bérenger-Team damit ab: "Es ist besser, das zurückzustellen." Wenn sie abgedeckt bleibe, sei die archäologische Substanz nicht gefährdet: "Man kann später immer noch schauen."

Gern tiefer graben würden die Archäologen auch hinter dem Turm neben dem offengelegten Zeughaus aus der Renaissance (15./16. Jahrhundert). Hier stehen vor der Windmühlenbastion Ruinen – die mit Efeu überwachsen sind. Hierunter vermutet Bérenger sogar archäologische Wurzeln der mittelalterlichen Festung auf dem Sparrenberg – für die Experten eine äußerst reizvolle Perspektive.

Die Mauerreste darüber gelten als wenig spannend. Hindernis ist aber das Efeu, das wegen der Fledermäuse FFH-Schutz genießt. Die Suche nach Ersatz gestaltet sich schwierig. Flächen am Nordhang, die von Politikern vorgeschlagen wurden, halten Landschaftsarchitekten für ungeeignet. Weitere Hürde ist, dass das erforderliche Geld in fünfstelliger Höhe fehlt.

Wie die freigelegten Schätze auf der Burg bewahrt und präsentiert werden, ist weiter offen. Arbeitsgruppen und Experten beraten, bisher ohne greifbares Ergebnis. Wichtig sei ein Gesamtkonzept, betont Justen.

Trotzdem gibt es immer wieder einzelne Vorschläge, zumal stellenweise die Zeit drängt. So sind die alten Steine des Kiekstattrondells längst freigelegt und der Witterung ausgesetzt. Die hält der weiche Sandstein nicht lange aus. Bérenger schlug bei einer Führung des Historischen Vereins vor, dass Rondell mit Glas zu überdachen. Das müsse nicht störend wirken, wie das Beispiel Ravensburg in Borgholzhausen zeige, wo ein filigranes Glasdach ans historische Gemäuer gesetzt worden sei.

Sehr schwierig bleibt die Frage, ob das Kiekstattrondell, von dem man einen sehr schönen Blick auf die Stadt hat, wieder für Publikum geöffnet werden kann. Das jetzige, aufgegrabene Niveau liegt mehr als zwei Meter unter der Oberkante. "Da wäre schon eine Zwei-Etagen-Lösung nötig", sagt Wolfgang Goldbeck vom ISB, "wenn man nicht auf den Ausblick verzichten will".