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Wahl unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Keine Versöhnung in der Jüdischen Kultusgemeinde

VON ARNO LEY
13.06.2009

Bielefeld. In den Räumen der jüdischen Kultusgemeinde an der Detmolder Straße soll am Sonntag, 28. Juni, eine neue Gemeindevertretung gewählt werden. Die Sprecher der Opposition gegen den amtierenden Vorstand, gegen Irith Michelsohn und Paul Yuval Adam, bleiben davon allerdings ausgeschlossen. Vier Frauen und drei Männer, unter ihnen Michelsohn und Adam, stehen zur Wahl, wie Gemeindemitgliedern in einem Schreiben mitgeteilt wurde. Zugleich erhielten sie den Hinweis, dass "an diesem Tag nur wahlberechtigte Gemeindemitglieder Zutritt zum Gelände der Jüdischen Kultusgemeinde haben."

Wie bereits im April angekündigt, widersetzt sich die kommissarische Gemeindeleitung damit Bemühungen, den Streit innerhalb der religiösen Gemeinschaft einvernehmlich beizulegen. Das Schiedsgericht des Zentralrats der Juden in Deutschland wollte alle Kandidaten zulassen und die Wahl von einem unabhängigen Wahlausschuss leiten lassen (die NW berichtete mehrfach). Der Vorsitzende des Schiedsgerichtes, Marc Grünbaum, lehnt jede öffentliche Stellungnahme zum Stand des laufenden Verfahrens ab. Die Opposition fordert inzwischen die Amtsenthebung von Michelsohn und Adam.

Rabbiner Henry Brandt hat sich in einem Radio-Interview kritisch zur Auseinandersetzung in Bielefeld geäußert. "Es geht um die Sache. Das wäre schön, wenn eine gewisse Gemeinsamkeit gefunden werden kann. Ich dachte, wir haben ein Ziel. Aber das scheint nicht so zu sein", sagte er in einem Gespräch, das der jüdische Journalist Igal Avidan mit ihm geführt hat.

Der in Deutschland lebende Israeli hat in seinem Beitrag für den Westdeutschen Rundfunk auch darüber berichtet, dass die ausgeschlossenen Gemeindemitglieder keinen Zutritt mehr zum Gemeindezentrum haben. "Somit muss sich der jüdische Schachklub ein neues Quartier suchen. Kein Wunder, dass beim letzten Besuch von Rabbiner Brandt beim Schabbat nicht einmal zehn Beter anwesend waren, das nötige Quorum, um einen vollständigen jüdischen Gottesdienst abzuhalten", erklärt Avidan.

Das Gemeindezentrum sei gut besucht: "Allerdings nicht von Juden, sondern von Nicht-Juden, die gerne an Kulturveranstaltungen und an Führungen teilnehmen." Das kommentiert er in seinem Bericht: "Man darf die Frage stellen, für wen das Land Nordrhein-Westfalen und die Stadt Bielefeld 2,5 Millionen Euro ausgegeben haben: für die Mitglieder der jüdischen Gemeinde oder für am Judentum interessierte Christen?"