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Protestieren: (v.l.) Christian Presch und Hans-Georg Pütz von der Initiative für sozialökologische Stadtentwicklung stehen vor den leer stehenden Häusern an der Sperberstraße. - © Wolfgang Rudolf
Protestieren: (v.l.) Christian Presch und Hans-Georg Pütz von der Initiative für sozialökologische Stadtentwicklung stehen vor den leer stehenden Häusern an der Sperberstraße. | © Wolfgang Rudolf

Bielefeld Vandalismus: Bielefelder protestieren gegen leerstehende Briten-Siedlung

Initiative drängt auf Freigabe der Häuser für Bedürftige

Sebastian Kaiser
10.04.2019 | Stand 10.04.2019, 14:22 Uhr

Bielefeld. Seit gut zweieinhalb Jahren steht die frühere Soldaten-Siedlung an der Sperberstraße leer. Die britische Rheinarmee hat die Gebäude an den Bund zurückgegeben. 44 Reihenhäuser und vier Doppelhaushälften liegen im Dornröschenschlaf. Jetzt gibt es Probleme mit Vandalismus. In den Gärten hinter den Häusern sind etliche Elemente von Stabgitterzäunen abmontiert worden. An einem Haus steht die Terrassentür auf, an einem anderen ist der Rollladen teilweise herausgerissen worden, an einem weiteren ist eine Wand mit einem großen Graffiti besprüht. Entdeckt hat den Schaden die Bielefelder Initiative für sozialökologische Stadtentwicklung (BISS). Schäden bei Kontrollen bemerkt Mitarbeiter der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) haben am Dienstagmorgen die Siedlung kontrolliert. Die offene Terrassentür wurde wieder verriegelt. "Die Zaunelemente hatten wir selbst abbauen lassen, um einem Gärtnerbetrieb die Pflege der Rasenflächen hinter den Häusern zu erleichtern", sagt Heike Niermann, stellvertretende Fachgebietsleiterin bei der BIMA. Probleme mit Einbrüchen und Vandalismus kennt sie auch von anderen Immobilien, die länger leer stehen. "Die Siedlung an der Sperberstraße wird weiterhin täglich kontrolliert", sagt sie. Der BISS ist der Leerstand seit längerem ein Dorn im Auge. Denn: "Die Häuser könnten eigentlich sofort wieder bezogen werden", sagt Sprecher Christian Presch. Die Räume seien in gutem Zustand, es gebe Einbauküchen, frische Anstriche und Teppichböden. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) sorge dafür, dass die Häuser gegen Frost gesichert seien. Der Strom sei noch eingeschaltet, die Wasserzufuhr abgestellt. Für Menschen aus Notunterkünften Die Initiative möchte, dass dort zumindest übergangsweise Menschen einziehen können, die derzeit in Notunterkünften leben. "Die BIMA hat ihre Bereitschaft signalisiert, die Häuser für eine Zwischennutzung zur Verfügung zu stellen", sagt Presch. Heike Niermann von der BIMA bestätigt das: "Wir haben der Stadt und dem Studentenwerk die Häuser zur Miete angeboten. Beide haben abgelehnt." Würden die Wasserleitungen gespült, das Elektrosystem gecheckt und der Brandschutz geprüft, seien die Häuser sofort wieder bewohnbar. Die Stadt sieht in einer Übergangsnutzung ein Problem. "Eine Zwischennutzung darf eine rasche Realisierung einer dauerhaften Nutzung nicht behindern", heißt es in einer Stellungnahme des Sozialdezernates. "Für die Nutzer müsste nach einer Zwischennutzung angemessener Wohnraum gefunden werden. Insofern besteht ein Dilemma." Keine Einigung über Kaufpreis Auch der "Runde Tisch Konversion" hat sich nach Auskunft des Bauamtes zuletzt gegen eine Zwischennutzung ausgesprochen. Grund: In den Gebäuden wurden bei einer Begutachtung Schadstoffe gefunden. "Dabei handelt es sich aber nur um Asbestverkleidungen in den Kaminen. Die werden erst gefährlich, wenn man hineinbohrt", sagt Heike Niermann. Stadt und BIMA verhandeln seit langem über den Verkauf der Siedlung. Die BIMA fordert einen Betrag von 6,8 Millionen Euro. Die Stadt beruft sich auf eine Schätzung des Gutachterausschusses für Immobilienwerte. Der setzt 3,5 Millionen Euro an. Jetzt soll der Obere Gutachterausschuss in Düsseldorf vermitteln. Ergebnisse lassen seit Monaten auf sich warten. Neuer Bebauungsplan in Arbeit Ein neuer Bebauungsplan für die Sperberstraße ist bereits in Arbeit. Nach einem Abriss der Gebäude sollen neue Häuser errichtet werden. "Es werden fast doppelt so viele Wohneinheiten entstehen wie es derzeit gibt", sagt Sven Dodenhoff vom Bauamt. "Gegen diese Pläne wenden wir uns nicht", sagt Christian Presch von der BISS. Aber: "Warum soll es nicht möglich sein, dass Zwischennutzer später Zug um Zug in die neuen Gebäude umziehen?" Es werde Jahre dauern, bis neue Häuser errichtet werden könnten. Ein Grund sei die derzeit enorm hohe Auslastung von Baufirmen. Auch die Bielefelder CDU hatte auf den langen Planungszeitraum hingewiesen. Sie hatte dafür plädiert, die Häuser einzeln an junge Familien zu veräußern. Die könnten die Gebäude günstig erwerben und dann weiter ausbauen und modernisieren. Das Geld für den Ankauf der Siedlung könne die Stadt besser direkt in den sozialen Wohnungsbau investieren.

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