Warten bald vergeblich auf den Bus: Die Hillgosserinnen Margarethe Küne (v. l.), Elfriede Höner, Margit Lützkendorf, Wander Schmidt, Gertrud Hering und Bernadette Theisen vor der Bushaltestelle Veltheimer Straße. - © Ingo Kalischek
Warten bald vergeblich auf den Bus: Die Hillgosserinnen Margarethe Küne (v. l.), Elfriede Höner, Margit Lützkendorf, Wander Schmidt, Gertrud Hering und Bernadette Theisen vor der Bushaltestelle Veltheimer Straße. | © Ingo Kalischek

Hillegossen Bürgerbus in Hillegossen lässt Rentner im Stich

Einkaufen: Der Marktkauf in Oldentrup stellt seit Jahren für Kunden einen Bus bereit. Der wird nur noch von älteren Damen genutzt, die wackelig auf den Beinen sind. Damit ist jetzt Schluss

Ingo Kalischek

Hillegossen. Es ist ein fester Termin in ihrem Kalender: Immer dienstags, gegen 9.30 Uhr, fahren einige ältere Damen aus Hillegossen mit einem kostenlosen Bürgerbus zum Einkaufen nach Oldentrup. Dort, am Marktkauf, kaufen sie für die gesamte Woche ein. Seit vielen Jahren. Das wird sich nun ändern. Der Bus wird eingestellt. Er rentiere sich nicht. Die Frauen sind verzweifelt. Sie befürchten, dass sie für ihre Einkäufe künftig weite Wege zurücklegen müssen. Einige von ihnen sind über 80 Jahre alt, stützen sich mit Stöcken oder einem Rollator. "Der Bus hat uns all die Jahre so toll dort abgesetzt und auf dem Rückweg sogar in der Nähe unserer Wohnungen gebracht", sagt Margit Lützkendorf. "Das hat uns das Einkaufen sehr erleichtert. Das war wunderbar." Die Frauen wohnen in Hillegossen im Bereich der Bushaltestelle Veltheimer Straße and der Straße Auf dem Busch. Der Bereich grenzt an ein kleines Industriegebiet. Von dort müssten sie rund eine Stunde lang zu Fuß zum Marktkauf gehen - das sei für sie nicht möglich. Der Bus rentiere sich nicht mehr Zwar fahre die Buslinie 369 stündlich in die Richtung; doch auch bis dorthin müssten die älteren Damen einen Fußweg von rund 25 Minuten zurücklegen. "Wenn wir nach dem Einkaufen unsere Tragetaschen voll mit Lebensmitteln haben, ist das für uns zu weit", sagt Gertrud Hering und ergänzt: "Das schaffen wir einfach nicht. Dafür sind wir zu wackelig auf den Beinen." Und außerdem würden frische Produkte wie Fleisch und Fisch dann schneller schlecht. Auch die Strecke zum Einkaufen im Ortskern von Hillegossen sei zu weit. Kurzum: "Wir sind auf diesen Bus angewiesen", sagt Elfriede Höner. Die Damen betonen, dass sie all die Jahre sehr dankbar für den großzügigen Service des Marktkaufs gewesen seien. Aber sie sagen auch: "An der Finanzierung solch eines Busses geht der Marktkauf nicht kaputt." Der Marktkauf hatte zuletzt die Deutsche Bahn damit beauftragt, einen entsprechenden Bürgerbus bereitzustellen. Damit soll Ende September Schluss sein. "Wir haben den Bus gekündigt", sagt Marktleiter Stephan Begemann auf Anfrage der NW. Der Grund: Der Bus rentiere sich nicht mehr. "Das Angebot ist um die 20 Jahre alt. Anfangs war der Bus noch gut gefüllt. Heute wird er nur noch von sechs bis sieben Damen genutzt", sagt Begemann und ergänzt: "Die Nutzung steht in keinem Verhältnis mehr." Hillegosser Frauen in Zukunft auf ihre Kinder angewiesen Der Oldentruper Marktkauf wolle seine Kunden in den nächsten Tagen über das eingestellte Bus-Angebot per Post informieren. Begemann: "Das ist natürlich immer schade für die Kunden, die so ein Angebot noch nutzen. Ich kann ihre Enttäuschung nachvollziehen." Die Frauen sind unterdessen ein wenig verschnupft, dass sie bereits zweimal vergeblich auf den Bus gewartet hatten. Er sei einfach nicht gekommen. Das wiederum weist Begemann zurück. "Am 21. und 18. August ist der Bus ganz normal gefahren. Nur am 14. August sei er ausgefallen." Die Hillegosser Frauen bleiben ratlos und geknickt zurück. Sie werden beim Einkaufen künftig wohl auf die Hilfe ihrer Kinder angewiesen sein. Zwar fahre die Buslinie 131 morgens nach Hillegossen; allerdings nicht wieder zurück, sagen sie. Und ihr geliebter Bürgerbus wird am 25. September wohl das letzte Mal an der Haltestelle Veltheimer Straße halten. Danach ist Schluss.

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