Viele Gäste um Bezirksbürgermeister Reinhard Schäffer (2. v. l.) beim Fest in Sieker. - © Foto: Barbara Franke
Viele Gäste um Bezirksbürgermeister Reinhard Schäffer (2. v. l.) beim Fest in Sieker. | © Foto: Barbara Franke

Sieker Zu Besuch in einem quirligen Viertel

Rund um Gersten- und Roggenkamp wird dritter Platz beim Radio-Bielefeld-Preis gefeiert

Kurt Ehmke

Sieker. Zwischen den Hochhäusern am Gersten- und Roggenkamp ist jede Menge los. Ein älterer Herr hat in seiner Parzelle entdeckt, dass die Bohnen gegossen werden müssen - und schleppt die Gießkanne heran. Nebenan, auf der Wiese des Parks, toben Kinder. Viele Kinder. Sie prägen das Viertel - heute besonders. Denn: Es wird gefeiert. Das Quartier, das gerne als sozialer Brennpunkt beschrieben wird, aber auch als Ort der Lebensfreude und des quirligen Miteinanders gelten darf, feiert sich und den dritten Platz beim Radio-Bielefeld-Preis. Erhalten hat diesen das Projekt "Interkulturelle Gärten Sieker" des Vereins "Garten-Kultur-Verein(t) Sieker". 1.000 Euro, die nun, so Vorstand Abdelmajid El Ghrid, weitgehend und sehr bewusst in ein Fest für die Kinder investiert wurden. "Es galt ja das Motto ,Mission Generation' - und die Kinder hier sind ein starker und wichtiger Teil der Generationen." Also wurde für 600 Euro der Verein "Gemeinsam wohnen und leben" mit seinem Pippo-Spielmobil engagiert - auf der Wiese wird Fußball gespielt, verschiedene Fahr- und Dreiräder hin- und hergefahren und ein großer aufgeblasener Luftwurm nachhaltig besprungen und behüpft. Viertel will positive Signale aussenden Dazu glüht die Kohle auf mehreren Grills, gibt es Essen und Trinken - und haben etwa 300 Menschen Spaß am Feiern bis in den Abend hinein. Der Verein hat sich bewusst für diese Art des Jubels über den dritten Platz beim Bielefeld-Preis entschieden, das Viertel will positive Signale aussenden. "Für die Kinder hier ist es schlimm, wenn sie in ihren Schulklassen angesprochen werden in der Art ,Ach, da kommst Du her'", sagt El Ghrid. "Das diskriminiert sie." Es war bereits das zweite Fest dieser Art, und am 17. September soll dann schon wieder ordentlich gefeiert werden - nur eben nicht über den Verein, sondern aus dem ganzen Viertel heraus. Cemal Demir vom Verein sagt: "Hier leben sehr viele Familien, hier gibt es viele Nationen und viele Sprachen - aber wir versuchen gemeinsam, unser Quartier lebenswert zu gestalten." Das gelinge auch ganz gut. Und längst nicht immer seien es Menschen, die hier lebten, die Müll abkippten. 20 Euro Taschengeld "Da kommen Leute aus der Senne und aus Baumheide und laden hier ihren Müll ab", sagt El Ghrid. Er betont, dass der Verein nun plane, Kinder und Jugendliche im Viertel anders an das Müllproblem heranzuführen. "Wir überlegen, ihnen vom Verein 20 Euro Taschengeld pro Woche zu geben, wenn sie sich das mit regelmäßigem Müllsammeln verdienen wollen." Viel Geld für so manches Kind hier. Auch wünschen sich die Vereinsmitglieder, dass noch mehr Menschen eine Parzelle des unkonventionellen Gartenlandes zwischen den Hochhäusern bekommen können. Bezirksbürgermeister Reinhard Schäffer: "Ja, das ist denkbar, aber in kleinen Schritten - und sehr geordnet." Denn: "Hier, in diesem sehr dicht besiedelten Quartier, einfach jeden graben zu lassen, das würde schiefgehen." Doch insgesamt sei das Gärten-Projekt so erfolgreich und verbinde so viele Menschen hier, dass er aufgeschlossen sei. "Es bringt Menschen aus sehr vielen Kulturen zueinander - es ist gut, dass sie hier etwas gemeinsam machen." Manche gärtnern leidenschaftlich, andere nutzen den Garten eher als Treffpunkt - beides ist in Ordnung und erwünscht. Zudem gibt es einen Pavillon als Treffpunkt. "So etwas übt auch im Umgang mit der Demokratie", sagt Schäffer. Mehr Unterstützung gewünscht El Ghrid würde sich dabei mehr Unterstützung wünschen, auch von der Polizei. "Als es hier nachts am Pavillon gebrannt hat, haben wir die Polizei gerufen - aber niemand kam." Auch Mülltonnen seien von Jugendlichen mehrmals zerstört worden - "wir versuchen hier, viel miteinander über so etwas zu reden", weist El Ghrid einen Weg aus den Problemen. Ein anderer ist eben, einfach mal ordentlich zusammen zu feiern.

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