Alles kaputt: Vor drei Jahren war Christian Holdack fassungslos, weil der Führerstand dieses Triebwagens zerstört worden war. Viel Arbeit kam damals auf den Verein "Westfälische Localbahn" zu. Nun ist es Holdack leid, immer wieder "Einzelkämpfer" zu sein. - © Reimar Ott
Alles kaputt: Vor drei Jahren war Christian Holdack fassungslos, weil der Führerstand dieses Triebwagens zerstört worden war. Viel Arbeit kam damals auf den Verein "Westfälische Localbahn" zu. Nun ist es Holdack leid, immer wieder "Einzelkämpfer" zu sein. | © Reimar Ott

Hillegossen Verein "Westfälische Localbahn" wird abgewickelt

Aus nach neun Jahren: Der mit 20 Mitgliedern gestartete Verein wird abgewickelt. Nur noch eine Lok im Bestand. Am Ende mangelte es an Beteiligung und Harmonie

Hillegossen. "Ich mache da jetzt kein großes Federlesen mehr drum", sagt Christian Holdack aus dem Vorstand des Vereins "Westfälische Localbahn". Der Bahn-Fan ist es leid, sich in dem 2006 gegründeten Verein mehr oder weniger alleine um alles zu kümmern - so seine Begründung. Der Verein werde in Kürze aufgelöst, de facto sei er es aber schon. Keiner arbeite mehr mit, keiner kümmere sich mehr. Fast alle seiner kleinen und großen Eisenbahnschätze habe der Verein verkauft. "Nur noch eine Lok haben wir, aber die geht auch in Kürze weg". Sie stehe im Containerbahnhof, der früheren Heimat des Vereins. Im Bahnhof Hillegossen, wo der Verein zuletzt aktiv war und in Peter Timpe einen Unterstützer hatte, erinnert nur noch ein kleiner Rangiertraktor aus den 50ern an den Verein. Doch dieses Schmuckstück gehört Holdack privat, besser: seinem Sohn. Die Schienenbusse sind längst verkauft, offenbar nach Rinteln. Die Waggons, darunter ein markanter blauer, die auf einem Nebengleis stehen, haben nichts mit dem Verein zu tun, betont Holdack. "Das sind Privatleute, die haben sich hier ein Gleis gemietet." Timpe aber geht schon davon aus, dass bei ihm auch weiterhin Aktivitäten rund um die Eisenbahn stattfinden werden. Holdack ist enttäuscht, dass der Verein, der mit 20 Mitgliedern startete und das Eisenbahn-Vereinsleben der Vereine "Osningbahn" und "Bielefelder Eisenbahnfreunde" ergänzte, nun gescheitert ist. In Bielefeld werde er sich keinem der anderen Vereine anschließen. Er wolle nun die "Localbahn" abwickeln - "und dann habe ich ganz sicher Pläne, aber nicht hier im Vereinsleben". Hintergrund: Die Szene der Eisenbahnfreunde gilt als sehr speziell, viele besondere Typen tummeln sich hier - und beharken sich offenbar auch nicht gerade selten. Holdack gehört da sicher dazu. Zwischen viel echter Arbeit und viel gefühlter Leidenschaft liegen offenbar bei einigen Eisenbahnfreunden Welten. Holdack reklamiert für sich, bis zuletzt engagiert gewesen zu sein. Das bestätigen auch Menschen aus dem Umfeld des Vereins. Und Holdack betont: "Meine Leidenschaft lasse ich mir nicht nehmen, das bleibt mein Hobby, ganz klar." Nur das "Einzelkämpfer-Dasein" sei er leid.

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