Die Studierenden des Abendgymnasiums Bielefeld arbeiten mit großem Engagement im Sennestädter Forst. Yildirim Yenilmez mit Thomas Busche vom Umweltbetrieb der Stadt (vorne v.l.) sowie (hinten v.l.) Theodoros Milionis, Khorolsuren Tuvshinbayar und Nils Auen setzen Stecklinge ein. - © FOTO: SYBILLE KEMNA
Die Studierenden des Abendgymnasiums Bielefeld arbeiten mit großem Engagement im Sennestädter Forst. Yildirim Yenilmez mit Thomas Busche vom Umweltbetrieb der Stadt (vorne v.l.) sowie (hinten v.l.) Theodoros Milionis, Khorolsuren Tuvshinbayar und Nils Auen setzen Stecklinge ein. | © FOTO: SYBILLE KEMNA

Sennestadt 1.500 Bäume in den Sand gesetzt

Studierende des Abendgymnasiums pflanzen im Sennestädter Forst

VON SYBILLE KEMNA

Sennestadt. An die Schaufel, fertig, los: Mehr als 60 Studierende und Lehrer haben am Samstag gemeinsam mit dem Umweltbetrieb der Stadt 1.500 Eichen und Buchen im Sennestädter Forst gepflanzt. Das war der Auftakt zu den Aktionen zum 40. Schuljubiläum.

Ein stabiler und ökologisch wertvoller Mischwald soll hier unter dem "Schirm" aus 143 Jahre alten Kiefern entstehen. Deshalb pflanzen Studierende und Lehrer auf einer einen halben Hektar großen Fläche in Reihen mit zwei Meter Abstand Stieleichen und Buchen in den sandigen Boden, die vom Umweltbetrieb gestellt wurden.

"Wir wollten zum Jubiläum etwas Nachhaltiges gemeinsam mit unseren Studierenden tun und die Biologielehrer haben sich zusammen mit dem Umweltbetrieb diese Pflanzaktion ausgedacht", erklärt Joseph Oeding vom Abendgymnasium. In diesem Gymnasium mit seinen Standorten in Bielefeld, Detmold, Löhne und Gütersloh erwerben Erwachsene das Abitur oder die Fachhochschulreife, zumeist parallel zum Job. "60 Prozent unserer Studierenden oder ihre Eltern sind aus anderen Ländern", berichtet Oeding. Sie kommen aus Griechenland oder der Türkei, aber auch aus Russland oder der Mongolei. Deshalb haben sie einen globalen Blick auf die Welt und so war der Wunsch entstanden, gemeinsam etwas für die Verbesserung der Atmosphäre und gegen den Klimawandel zu tun.

Khorolsuren Tuvshinbayar ist eine zierliche Frau mit mongolisch-tibetischen Wurzeln. Sie setzt eine Stieleiche in das 30 Zentimeter tiefe Loch, das Nils Auen und Theodoros Milionis gegraben haben. "Man muss darauf achten, dass die Bäume in den Mineralboden gepflanzt werden und nicht in die dicke Streuauflage", erklärt sie, während ihre Mitschüler das Loch zuschaufeln. Dann drücken die drei gemeinsam die Erde rund um die drei Jahre alte Pflanze fest. Tuvshinbayar zieht zum Schluss noch einmal vorsichtig an der Spitze. "Fest genug!", sagt sie und weiter geht es zum nächsten Loch.

"Wir haben 30 Bäume eingepflanzt", berichtet der 19-jährige Daniel Lex, der seinen Vater mitgebracht hat. Der Finanzwirt ist der jüngste Studierende, andere sind teils über 40 Jahre alt. "Es hat sehr viel Spaß gemacht", versichert Mike Steiner, der über 100 Bäume mit seiner Gruppe gepflanzt hat. "Das Miteinander mit den anderen und auch den Lehrern war schön, dann ist da noch das gute Gefühl, etwas für die Umwelt zu tun."

Die stellvertretende Schulleiterin Ute Weber freut sich ebenfalls über so viele tatkräftige Studierende. "Es ist nicht selbstverständlich, dass so viele ihre Freizeit opfern. Viele haben Familie und die Doppelbelastung durch Beruf und Abendgymnasium."

Nach gut zwei Stunden sind alle Bäume im Boden und es gibt Würstchen vom Grill.Das Feuer hat Thomas Busche vom Umweltbetrieb ausnahmsweise genehmigt. "Wir begrüßen diese Pflanzaktion sehr, die ist für uns ein Gewinn", betont der Leiter Forsten. Der Umweltbetrieb spare durch die Arbeit der Studierenden 900 Euro Pflanzkosten.

Robuster Mischwald

"Ohne menschliche Einflüsse würden auf den nährstoffarmen Senneböden Stieleichen-Birken-Wälder wachsen, zusammen mit Eberesche und zum Teil Kiefer, an besseren Standorten auch Buche", erklärt Thomas Busche, Abschnittsleiter Forsten. Nach großflächigen Waldzerstörungen im Mittelalter wurden im 18. bis 20. Jahrhundert die gut wachsenden Kiefern und gelegentlich auch Fichten gepflanzt. Diese hat der Forstbetrieb nun ausgedünnt und will den Wald wieder anreichern durch standortgerechte Laubbäume, um ihn naturnaher und robuster zu machen. Ein Mischwald hat viele Vorteile gegenüber dem reinen Nadelwald: geringere Anfälligkeit gegen Schädlinge, größere Artenvielfalt, mehr Schutz gegen Windbruch. Er bietet zudem Spaziergängern auch ein attraktiveres Blickfeld.(kem)

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