Die Thomas-Morus-Kirche an der Rheinallee in Sennestadt wird renoviert, umgestaltet und unter Denkmalschutz gestellt. - © Susanne Lahr
Die Thomas-Morus-Kirche an der Rheinallee in Sennestadt wird renoviert, umgestaltet und unter Denkmalschutz gestellt. | © Susanne Lahr

Sennestadt Thomas-Morus-Kirche kommt unter Denkmalschutz

Überraschung: Renovierung zunächst gestoppt, um Einstufung zu klären. Jetzt haben die Umbau- und Erweiterungsarbeiten begonnen. Überarbeitung der Kirchenfenster dauert ein Jahr. Gesamtkosten liegen bei rund 1,7 Millionen Euro

Susanne Lahr

Sennestadt. Große Neuigkeiten aus St. Thomas Morus: Die katholische Kirche an der Rheinallee, errichtet 1960/61, wird unter Denkmalschutz gestellt. Darum hat sich auch der Start der eigentlich schon für 2017, dann für April 2018 geplanten Renovierung weiter verzögert. Doch jetzt haben die Bauarbeiten mit Hochdruck begonnen.Vor der Tür stehen große Bauschuttcontainer, drinnen reißen Arbeiter den Holzfußboden der bereits leergeräumten Kirche heraus. Als Ersatz kommt später heller Naturstein. Die verschwundenen Bänke werden später nicht wieder ersetzt, stattdessen ist eine flexible Bestuhlung geplant, um St. Thomas Morus für kulturelle Veranstaltungen besser nutzbar zu machen. An der Nordostseite ist die Kellerwand durchbrochen. Dort wird es einen kleinen Anbau mit Plattformaufzug geben. Unter Vorbehalt Ein Anruf aus dem Erzbistum Paderborn habe die Baumaßnahmen kurz vor dem Start gestoppt, erzählt Architekt Christoph Rasche-Schürmann. Die Sennestädter Kirche war im Fokus des Denkmalamtes beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), das gemeinsam mit den Kollegen in Pulheim rund 1.300 nach 1945 gebaute evangelische und katholische Kirchen in NRW erfasst und unter einen Vorbehalt gestellt hat. Allein im Erzbistum Paderborn gibt es mehr als 100 Kirchen, die denkmalwürdig sein könnten und nun nach und nach genau bewertet werden. Gotteshäuser wie Thomas Morus, bei denen bauliche Veränderungen anstehen, werden zuerst begutachtet. Schneller Konsens „Wir haben dann gemeinsam mit der Unteren Denkmalbehörde in Bielefeld, dem LWL und dem Generalvikariat nach einer Lösung gesucht", sagt Patrick Droszynski, Verwaltungsleiter der Großpfarrei St. Elisabeth, zu der die Kirchengemeinde Thomas Morus gehört. Relativ schnell habe man eine Lösung gefunden, die einerseits dem Denkmalschutz, andererseits den notwendigen Innensanierungmaßnahmen Rechnung trage. Viel mehr Licht Und so kann nun der Kirchenraum, der noch in vorkonziliarer Zeit geplant wurde, entsprechend der Liturgiereform des 2. Vatikanischen Konzils umgestaltet werden. Die trennende Kommunionbank mit Kanzel entfällt, der Altarbereich wird um eine weitere Ebene erweitert und in den Gemeinderaum hinein vergrößert, erläutert Architektin Linda Rasche-Schürmann. „Der Pfarrer rückt so der Gemeinde näher." Die Rückwand mit ihren Pfeilern und den dunkel wirkenden Öffnungen des schmalen Umgangs werde hell ausgeleuchtet – wie auch die gesamte Kirche ein neues Beleuchtungskonzept erhält. Der Kirchenraum mit seinen rund 800 Quadratmetern Grundfläche wird hell gestrichen. Das Taufbecken (gleichsam Weihwasserbecken) wird samt Mosaik mit der Darstellung des heiligen Geistes in den Haupteingangsbereich verlagert. Die Mosaik-Kreuzwegstationen in den Seitenschiffen bleiben auch, werden aber zum Teil neu platziert. Im Windfang gibt es neue Glastüren. Kirchenkunst Der aufwendigste Teil der rund 1,7 Millionen Euro teuren Renovierung – die zu 30 Prozent von der Gemeinde übernommen werden muss – wird die Überarbeitung der 380 Fensterscheiben sein. Sie sind von Schwester Erentrud Trost (Benediktinerorden OSB) entworfen worden (ebenso wie Altarkreuz, Tabernakel und Kreuzweg) und mittlerweile völlig rußgeschwärzt. „Das wird etwa ein Jahr dauern", erklärt Christoph Rasche-Schürmann. Ab Mitte September soll mit dem Ausbau begonnen werden. Dafür muss aber zunächst der Innenraum, der an seiner höchsten Stelle mehr als 17 Meter hoch ist, komplett eingerüstet werden. Auch außen wächst bald ein Gerüst in die Höhe. Die Fensteröffnungen werden notverglast oder mit Spanplatten verschlossen. Die liturgischen Orte werden später neu geordnet und nach den Vorschläge von Pater Abraham Fischer OSB (Abtei Königsmünster, Meschede) neu gestaltet werden. Der Theologe und Künstler hat in der Region beispielsweise St. Pankratius in Gütersloh gestaltet. „Seine Formensprache ist gerade und klar", schildert Linda Rasche-Schürmann. Gottesdienste Während der Bauphase finden die Gottesdienste werktags (dienstags ab 18.30, donnerstags ab 8.30 Uhr) im Gemeindehaus statt. An den Wochenenden sind zwei heilige Messen, in St. Kunigunde (samstags ab 17, sonntags ab 9 Uhr) Für die Vorabendmesse fährt ein Kirchenbulli ab Thomas Morus (16.30 Uhr).

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