Schwierige Wörter an der Tafel: Kursleiter Marc Wübbenhorst notiert unbekannte Wörter und erläutert sie für Wilhelma Meyermann (v. l.), Hans Nath, Frauke Krüger-Rogge und Ulrich Rogge. - © Muriel Pluschke
Schwierige Wörter an der Tafel: Kursleiter Marc Wübbenhorst notiert unbekannte Wörter und erläutert sie für Wilhelma Meyermann (v. l.), Hans Nath, Frauke Krüger-Rogge und Ulrich Rogge. | © Muriel Pluschke

Bielefeld Wie wär's mit ein bisschen Plattdeutsch?

Plattdeutscher Gesprächsabend: „Plattdütsk proten un snacken“ können Interessierte in einem Kursus der Volkshochschule

Muriel Pluschke

Sennestadt. „Moin Moin", „Go’n Dag" und „Willkomen" schallt es durch den kleinen Raum im Sennestadthaus. Sofort wird dort munter auf Plattdeutsch losgeplaudert, während Hochdeutsch recht selten und hauptsächlich für Erklärungen zum Einsatz kommt. Zum letzten Mal treffen sich vier Teilnehmer des plattdeutschen Gesprächsabends kurz vor dem Jahresende, der von der Volkshochschule (VHS) in Kooperation mit dem Sennestadtverein von Marc Wübbenhorst an fünf Terminen angeboten wurde, und lassen die Sprache bei mitgebrachtem warmem Tee und Spekulatius gemeinsam wieder aufleben. „Wat hast du denn vun de Geschicht mitkregen?", fragt Marc Wübbenhorst die vier Anwesenden, woraufhin Wörter, Ausdrücke und Inhalt verschiedener kurzer Textabschnitte fleißig diskutiert werden. Besonders die unterschiedlichen Dialekte kommen dabei zum Vorschein, beispielsweise bei „geoe", „good" oder „goode". Aber auch zahlreiche Erläuterungen vom Kursleiter, wie etwa über die R-Metathese, bei der der Buchstabe „R" innerhalb von Wörtern quasi um Vokale herumspringt beispielsweise in „draffst", das einmal zurückgestellt zu „darffst" wird und dann schon viel bekannter klingt, dürfen nicht fehlen. „Es ist typisch, dass wir mehr verstehen können als sprechen", erklärt Wübbenhorst, der das Lernen von Plattdeutsch als „kein Hexenwerk" bezeichnet. Das Schreiben der Sprache sei allerdings recht schwierig, da aufgrund der fehlenden Normierung von Plattdeutsch zwar eine Grammatik, aber keine einheitliche Rechtschreibung, sondern zahlreiche Varianten vorhanden seien. „Das muss man echt üben", findet auch Wilhelma Meyermann, die selbst fließend Platt spricht, manche Worte aber erst durch lautes Aussprechen verstehen kann. „Sprache ist Identität und Heimat", betont Marc Wübbenhorst, der als Muttersprachler mit Plattdeutsch aufgewachsen ist. Ihm ist es wichtig, dass Menschen sich miteinander in ihrer Muttersprache unterhalten können, gerade im Amtsgebrauch. Das Plattdeutsch selbst sei mittlerweile als Sprache anerkannt und würde auch speziell geschützt, erklärt der Kursleiter. „Heutzutage hört man es kaum noch, aber früher war es eine Verkehrssprache", sagt Hans Nath, der seit 1947 kein Platt mehr geredet hat und es trotzdem noch fließend sprechen kann. Besonders häufig genutzt werde die Sprache heute vor allem in Norddeutschland. „Je mehr Küste, umso mehr Plattdeutsch", erläutert Wübbenhorst und fügt hinzu, dass in Ostfriesland rund 90 Prozent der Einwohner Plattdeutsch verstehen könnten. Anders als oft gedacht, habe aber nicht jedes Dorf seinen eigenen Dialekt, sondern es gebe großräumige Dialektgebiete. Die Akzeptanz für solche anderen Dialekte liegt dem Kursleiter, neben dem Sprechen der Leute miteinander und dem Mut zum Umgang mit Texten, besonders am Herzen. Ab Februar solle der Plattdeutsche Gesprächsabend bei der VHS mit mindestens acht Teilnehmern weitergeführt werden. Genaue Zeiten stehen noch nicht fest, Anmeldungen sind aber bei angelika.schroeder@bielefeld.de bereits möglich.

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