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Eckardtsheim Reiterliche Vereinigung spendet Übungspferd an Bielefelder Förderzentrum

Der Plastikvierbeiner dient zum Üben beim Trensen, Satteln und Bandagieren

Silke Kröger
07.09.2016 | Stand 06.09.2016, 22:29 Uhr

Eckardtsheim. Allein schafft es Rapp-Wallach Brutus nicht vom Pferdeanhänger, doch viele zarten Frauenhände geben ihm behutsam Hilfestellung und hieven ihn vorsichtig nach draußen. Das große Plastikpferd hat bislang als auffälliger Aufsteller in Ausstellungen die Aufmerksamkeit der Besucher auf den FN-Verlag (Fédération Nationale) der Deutschen Reiterlichen Vereinigung aus Warendorf gelenkt. Nun hat es seine Besitzer - und seinen "Job" - gewechselt. Als Verlagsgeschäftsführer Siegmund Friedrich mit dem Hänger am Haus Thekoa vorfährt, warten die jungen Auszubildenden mit Berufsziel Pferdepflegerin sowie Mitglieder und Mitarbeiter des Vereins Fördercentrum Mensch & Pferd Eckardtsheim schon gespannt. Mit vereinten Kräften wird Brutus in den Hof von Haus Thekoa gebracht. Darin befindet sich das vereinseigene Internat, in dem die förderbedürftigen Jugendlichen wohnen. Sie kommen aus ganz Deutschland und können die Anforderungen einer regulären Ausbildung aus unterschiedlichen Gründen nicht erfüllen. Die Qualifizierung zum Pferdepfleger findet auf dem nahe gelegenen Hof Thiesbrummel mit dessen rund 20 Pferden statt. Die aber haben einen gravierenden Nachteil für Jugendliche, die den Umgang mit den hochbeinigen Vierbeinern erst lernen müssen: Längeres Stillhalten gehört nicht zu ihren bevorzugten Eigenschaften, zumal, wenn ungeübte Hände an ihnen herumfingern. "Auftrensen, aufsatteln, bandagieren, das ist am lebenden Pferd schwierig zu lernen", sagt Margit Mölder-Ruiz, Leiterin des Fördercentrums. Brutus hingegen ist jede Ungeduld und jedes Herumzappeln fremd. "Er musste bei uns auch als Messeständer lange still stehen" erzählt Friedrich und lacht. "Er ist sehr ausgeglichen" - zumal es sich bei dem Neunjährigen um einen Wallach handele. Schon beim Abladen vom Pferdetransporter wird auf einen korrekten Umgang mit Brutus geachtet. "Guckt, dass er euch nicht von der Rampe springt" - "Achtet auf die Ohren" - "Klopft ihn nach dem Hinstellen, das hat er gut gemacht": Die Betreuerinnen vom Verein geben ihren Schützlingen jede Menge praktische Tipps. Denn was die mit dem braven Plastikpferd lernen, hilft ihnen später beim Umgang mit dem lebenden Tier. Im Hof wird der lackschwarze "Wallach" von den jungen Pferdefans schnell und geschickt gesattelt, sogar ein (Plastik-)Apfel wird ihm angeboten. Eine Urkunde bezeugt den Besitzerwechsel, nun gehört Brutus ganz offiziell dem Fördercentrum in Eckardtsheim. Die Spende des Aufstellerpferdes an den Verein, die Vorstandsvorsitzende Ludwiga Freifrau von Herman-von Korff im Vorfeld mit Siegmund Friedrich eingefädelt hatte, sei dem Verlag leichtgefallen, meint der Geschäftsführer. "Und wir trauern kein bisschen um Brutus." Zwar gebe es keinen Nachfolger, aber der Transport sei immer etwas problematisch gewesen, da das große Pferd zwar ganz lieb, aber auch sperrig sei. "Und es ist ja für einen wirklich guten Zweck. Wenn ich sehe, wie sich alle hier freuen, dann freut mich auch sehr." Vorteil auch für Brutus: Künftig wird er nicht mehr in einem dunklen Lager auf seinen Einsatz warten, sondern im hellen Flur. Mit Blick ins Grüne.

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