Erna Kronshage: Private Aufnahme. - © privat
Erna Kronshage: Private Aufnahme. | © privat

Sennestadt Gedenkblog über das Schicksal von Erna Kronshage

Menschen aus 134 Nationen haben sich über das Schicksal der mit 21 Jahren von den Nazis ermordeten informiert

Sennestadt. Das Schicksal seiner Tante Erna Kronshage hat Edward Wieand aus Sennestadt nicht mehr losgelassen und wird es wohl auch nie mehr tun. Die Sennestädterin ist eines von vielen Opfern des Nationalsozialismus und nur 21 Jahre alt geworden. Am 12. Dezember würde sie 93 Jahre alt, zu ihrem 90. Geburtstag wurde vor ihrem Geburtshaus an der Verler Straße 76 zur Erinnerung ein Stolperstein verlegt. Ihr Opferschicksal interessiert sehr viele Menschen in aller Welt. Edward Wieands Studien- und Gedenkblog wurde seit 2010 mehr als 50.000-mal angeklickt. Von Menschen aus 134 Nationen. Seit 1986 recherchiert Edward Wieand und hat Anfang 2010 im Internet einen Studien- und Gedenkblog für Erna Kronshage eingerichtet, den er seither ergänzt. Die junge Frau, das jüngste von elf Kindern des Tischlers Adolf Kronshage und seiner Frau Anna, kam im Familienkotten an der damaligen Bahnhofstraße zur Welt. Während ihre Geschwister nach und nach das Haus verließen, blieb sie als "Haustochter" zurück, um auf dem elterlichen Hof zu helfen. Ihre Perspektivlosigkeit und die Grauen des Krieges veränderten die sensible junge Frau, die immer depressiver wurde, sich gegen die Eltern auflehnte. Ihr Martyrium begann, als sich die Eltern in ihrer Hilflosigkeit an die NS-Wohlfahrt wendeten. Erna wurde 1942 in die Provinzialheilanstalt Gütersloh zwangseingewiesen, mit Elektroschocks behandelt, 1943 trotz des erbitterten Widerstands des Vaters zwangssterilisiert. Sie landete schließlich in Tiegenhof/Gnesen im besetzten Polen und man ließ sie in dieser Tötungsanstalt schlichtweg verhungern. Weil der Studien- und Gedenkblog im Laufe der Jahre immer umfangreicher geworden ist, hat der 68-Jährige, der nach einer Schrift- und Fotosetzerlehre umsattelte und danach mehr als 40 Jahre in der Diakonie mit behinderten Menschen gearbeitet hat, nun für alle Interessierten eine Kurzversion ins Internet gestellt (http://erna-kronshage-lite.blogspot.de). "In dieser überarbeiteten Leichtfassung kann man sich in kleinen Schritten und im eigenen Tempo einen ersten Eindruck und Überblick verschaffen", erklärt der Sennestädter. Bewusst hat er dafür eine einfachere Sprache gewählt, die Thematik auf Wesentliches eingegrenzt, dafür aber mit vielen erklärenden Abbildungen. Auf dem neuen und alten Blog wird jeweils auch ein Flyer zum Schicksal Erna Kronshages angeboten, der ganz frisch überarbeitet wurde - und von dort ausgedruckt werden kann. Auch in Wikipedia hat Erna Kronshage Einzug gehalten. Seit Herbst 2014 wird Erna Kronshage auf dem Leucht-/Namensband in der Erinnerungsstätte in der LWL-Klinik Gütersloh - in der dortigen Kreuzkirche - angezeigt. Für Ewald Wieand ist diese intensive Beschäftigung mit dem Schicksal seiner Tante einerseits eine Art "selbsttherapeutische und psychohygienische Aufgabe" wie er sagt, um diesen "blinden Fleck" in der Familiengeschichte auch zu verarbeiten. Andererseits hält er es für nötig, "dem neuen Aufwind von Pegida, AfD und weiterem rechten Gedankengut immerzu etwas entgegensetzen". Insofern würde sich Edward Wieand freuen, wenn mehr Bielefelder Schulen seinen "Vor-Ort-Bericht" vom 484 Tage andauernden Opfermartyrium dieser erst damals knapp 21 Jahre alten Frau für den Geschichtsunterricht nutzen würden. "Über das Internet könne sich alle ja nun völlig ,barrierefrei? und ohne zusätzliche Kosten unkompliziert informieren."

realisiert durch evolver group