Burkard Sondermeier (Gesang und Rezitation) und Ulrich Raue (Klavier) mit Worten und Melodien gegen die Grausamkeit aller Kriege. - © FOTO: JUDITH GLADOW
Burkard Sondermeier (Gesang und Rezitation) und Ulrich Raue (Klavier) mit Worten und Melodien gegen die Grausamkeit aller Kriege. | © FOTO: JUDITH GLADOW

Sennestadt Revue gegen den Krieg

Künstlerduo erinnert im "Bunten Haus" an Schrecken des Ersten Weltkriegs

von judith gladow

Sennestadt. Keine Erklärungen, keine Geschichtsstunde, stattdessen ein Gedenken, eine Warnung. Eine Warnung vor der schlimmsten aller Unmenschlichkeiten, zu der Menschen fähig sind. Eine Erinnerung an den Ersten Weltkrieg in Worten und Melodien. „Willkommen zu unserer mahnenden Revue“, begrüßt Burkard Sondermeier das Publikum im „Bunten Haus“. Gemeinsam mit Ulrich Raue am Klavier zeigen sie in der Verdi-Bildungsstätte ihr Programm „2014 – Ein Weltkrieg wird hundert“.

Einmal im Jahr, immer passend zur wirtschaftspolitischen Sommerschule, veranstaltet die Bildungsstätte einen Kulturabend. „Der darf und soll auch einen politischen Bezug haben“, sagt Brigitte Stelze vom „Bunten Haus“. Sie hat den Kontakt zum Künstlerduo hergestellt, das aus dem Kölner Raum nach Sennestadt angereist ist.

Es sind die Mahner, die in ihrer aktuellen Revue zu Wort kommen, Mahner wie auch Karl Kraus und Kurt Tucholsky, denen sich der Schrecken des Ersten Weltkriegs in ihr Schaffen eingebrannt hat. Vor allem aus der Tragödie „Die letzten Tage der Menschheit“ von Karl Kraus inszeniert Sondermeier eindrucksvoll viele Monologe, Gedichte und Lieder, bei denen er von Ulrich Raue am Klavier Unterstützung bekommt. Beim Chanson „A Biribi“ von Aristide Bruant, das die Zustände in einem ehemaligen französischen Straflager in Nordafrika beschreibt, wird der auf Deutsch singende Sondermeier ebenfalls vom Pianisten begleitet.

Zwischen den Lesungen spielt Raue immer wieder Melodien, die in ihrer Heiterkeit einen bitteren Kontrast bilden. Erich Wolfgang Korngolds „Geschichten von Strauß“ verweben die bekannt-pompösen Melodien des österreichischen Komponisten miteinander und Camille Saint Saëns „Dance Macabre“ und Emile Weslys „Standarte des Mitleids“ setzen einen nachdenklichen Rahmen.

Auch ältere Mahnungen vor dem Krieg haben ihren Platz im Programm gefunden: So liest Burkard Sondermeier „s’ist Krieg“ von Matthias Claudius von 1779, das den gleichen Titel trägt wie das ebenfalls rezitierte Gedicht von Kurt Tucholsky, das 1919 erschien. Und noch älter ist Erasmus von Rotterdams „Süß ist der Krieg den Unerfahrenen“ von 1515, in dem der Krieg klar verurteilt wird: „Keine andere Sache ist wohl gottloser, unheilvoller, weitreichender verderblich, zäher festsitzend, abscheulicher und insgesamt entwürdigender.“

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