Dr. Wolf Berger (rechts) bedankt sich beim Künstler Ippazio Fracasso (links), der Pianistin ChungHua Zhang und dem Referenten Dieter Köhler. - © FOTO: SIBYLLE KEMNA
Dr. Wolf Berger (rechts) bedankt sich beim Künstler Ippazio Fracasso (links), der Pianistin ChungHua Zhang und dem Referenten Dieter Köhler. | © FOTO: SIBYLLE KEMNA

Sennestadt Bunte Dreiecke

Ippazio Fracasso zeigt "Die Dreidimensionalität der Farben" im Sennestadthaus

VON SIBYLLE KEMNA

Sennestadt. Einen hochkarätigen Künstler hat der Kulturkreis Sennestadt gewinnen können. "Die Dreidimensionalität der Farben" lautet der Titel der Ausstellung von Ippazio Fracasso, die bis zum 24. August im Vortragssaal des Sennestadthauses gezeigt wird.

Die Dreiecke und die Farben haben es dem 1960 in Apulien (Italien) geborenen Künstler angetan. Die Nüchternheit der geometrischen Form kontrastiert mit der Sinnlichkeit der Farben. Für diesen ihm eigenen Mal- und Inszenierungsstil hat er ein neues Wort erfunden: "Concrescismo". "Das bedeutet das Verschmelzen, das Durchdringen von Farben, Formen und Strukturen", erklärte Fracasso-Kenner Dieter Köhler in seiner Einführungsrede.

Er schaffe die Verbindung von historischen Traditionen und Moderne, Figürlichkeit und Abstraktion sowie Farbigkeit und Raumgestaltung. Durch die dreidimensional gemalten farbigen Dreiecke befördere Fracasso "das wahre Sein der Personen und Objekte ans Tageslicht". Köhler scheute auch den Vergleich mit Cristo nicht. "Cristo verhüllt, um Formen und Strukturen hervorzuheben. Fracasso enthüllt, indem er die Maske des Scheins herunterreißt."

Dabei dominieren in der Ausstellung keineswegs die geometrischen Werke wie das große Bild auf der Kopfseite, das "noch nicht mal in den Bulli gepasst hat", wie Dr. Wolf Berger einleitend berichtete. Nein, Fracasso malt zumeist darstellend: Personen oder Figuren der Commedia dell’arte, aber die Dreiecke verbergen sich in den Bildern, schaffen eine Plastizität, die den Betrachter einfängt.

Nach einer Vorzeichnung mit Kohlestift "folgt die Destruktion, die im Italienischen fracassare, zertrümmern, zerstören, heißt", schilderte Köhler das Vorgehen des schon lange in Deutschland lebenden Künstlers. "Zahllose dreidimensionale Dreiecke in allen Größen schieben sich ineinander, verkanten sich, ufern aus."

So entstehe etwas völlig Anderes. "Die Plastizität dieser Dreiecke wurde in allen Schattierungen und Farbnuancen mit Minipinseln auf die Leinwand gebracht", berichtete Köhler. "Die Dreiecke in ihrer konvulsivischen Explosion entwickeln einen pyramidalen Charakter und lassen in ihrer Vielschichtigkeit kongenial Antike und Moderne zusammenwachsen", sagte Köhler.

Das Spannungsfeld zwischen deutscher und italienischer Kultur sei Teil des Werkes von Fracasso geworden, erläuterte Köhler. Der vielseitige Künstler, der in Hannover zunächst eine Ausbildung als Tänzer machte, nachdem er in Italien Kunst studiert hatte, verströme mit den Bildern der Commedia "eine jugendliche Unbekümmertheit und spielerische Leichtigkeit." Diese in Sennestadt gezeigten Werke aus Privatbesitz markierten "einen Meilenstein in Ippazios Fracassos Werk."

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