Im historischen Klassenzimmer: Das Ehepaar Hans und Heide Schumacher ist aus dem Museum Osthusschule nicht wegzudenken. Gleichwohl muss der Förderverein künftig ohne die beiden auskommen. - © Silke Kröger
Im historischen Klassenzimmer: Das Ehepaar Hans und Heide Schumacher ist aus dem Museum Osthusschule nicht wegzudenken. Gleichwohl muss der Förderverein künftig ohne die beiden auskommen. | © Silke Kröger

Senne Bielefelder Museumsleiter Hans Schumacher verabschiedet sich

Der Mitbegründer und ehemalige Ortsheimatpfleger ist so etwas wie das "lebende historische Archiv" von Senne. Er kennt auch dunkle Geheimnisse. Nun gibt er auch sein letztes offizielles Amt auf

Senne. Das Osthusmuseum ohne Hans und Heide Schumacher - das ist eigentlich undenkbar. Das Ehepaar war von Anfang an dabei, hat das Museum inklusive Archiv, Kunstsammlung und angrenzenden Gärten auf- und ausgebaut. Jetzt geben beide ihre Aktivitäten komplett auf. "Der Rückzug ist mir schwergefallen, wenn man daran denkt, wie viele Dinge man gemacht und erlebt hat", meint der 81-Jährige - seine Frau ist inzwischen 77 Jahre alt. Gleichwohl: Ein ganz ruhiges Rentnerleben erwartet beide wohl nicht. Hans Schumacher, 1937 in Senne geboren, 30 Jahre lange Lehrer am Brackweder Gymnasium, ist so etwas wie ein lebendes Archiv des Stadtbezirks. Kaum eine Frage zu Geschichte oder Heimatkunde, auf die er keine Antwort wüsste: sei es zu den heimischen Sitten und Bräuchen, zum Leben und Arbeiten auf den Höfen, sei es zu heimischen Künstlern. Er weiß, dass Senne einst ein beliebter Kurort war, dass sich auf dem Gelände der heutigen Justizvollzugsanstalt eine Lungenheilanstalt befand, er hat dokumentiert, wie der Nationalsozialismus in Senne Fuß gefasst hat, wo "Hitlereichen" gepflanzt wurden, wo Munitionsbunker der Wehrmacht standen und das "Rotlicht"-Bunker-Café "Bergfrieden". Sieben Jahre hat Schumacher zusammen mit Horst Wasgindt und weiteren Autoren am zweibändigen Sennebuch gearbeitet, bis heute heimatgeschichtliches Basiswissen über das einstige Senne I. Er hat 1983 den Heimatverein mit gegründet, wurde 1982 Ortsheimatpfleger. Und er machte sich dann zusammen mit seiner Ehefrau Heide, die er 1965 geheiratet hatte, und dem ehemaligen Leiter der Bahnhofschule Volker Menzel an den Aufbau des ersten und bislang einzigen Museums in Senne: der Osthusschule zwischen Friedrichdorfer und Senner Straße. Ein steinernes Schmuckstück dank sehr viel Kleinarbeit Aus dem heruntergekommenen roten Backsteingebäude, das vorab als Jugendheim gedient hatte, machte das Trio in schweißtreibender Kleinarbeit ein steinernes Schmuckstück. Menzel bestückte es mit seiner schulmusealen Sammlung und Schumacher mit seinem damals bereits umfangreichen Archiv. Letzteres umfasst heute rund 800 Aktenordner, ergänzt durch für Senne relevante Dokumente aus großen Archiven. Ein Großteil der alten Schriften hat Schumacher übersetzt; eine Fundgrube für Historiker. 1995 wurde Eröffnung gefeiert, drei Jahre später der Förderverein gegründet, "da war ich auch Vorsitzender". Das Haus füllte sich, auch dank Schumachers Engagement, mit handwerklichen Geräten, Bildern, Büchern, Dokumenten. Auch die Ausgaben der Westfälischen Zeitung, Vorgängerin der NW, von 1900 bis 1945, lagern hier. "Die haben wir nach der Auflösung des NW-Archivs an der Niedernstraße hier rübergeschleppt", erinnert sich Schumacher - rund 120 Zeitungsbände. "Ein großer Schatz." Ehefrau Heide, 1941 in Bremen geboren, mit ihrer Familie schon im Grundschulalter nach Senne umgezogen, hatte bis zur Heirat als Technische Zeichnerin bei Ermeto gearbeitet. Sie übernahm es, sich federführend um die Schulgärten zu kümmern. Mit einem Blumenbeet vor der Schule fing es an, dann wurde ein Gesamtkonzept erstellt. Rosen und Stauden wurden als erstes gepflanzt, einige Jahre später kam der Kräutergarten hinzu. "Das ist auch schon zehn Jahre her", meint Heide Schumacher sinnend. Inzwischen gibt es einen Rosen-, Bauern- und Kräutergarten, zudem eine Streuobstwiese mit 17 verschiedenen Apfelbaumsorten. Aufbau des zweiten Museumsgebäudes wurde zum Kraftakt Zum zweiten großen ehrenamtlichen Kraftakt avancierte der Aufbau des zweiten Museumsgebäudes: der alten Oldentruper Fachwerkschule. "Dafür galt es zunächst Geld zu besorgen, da hatte ich wieder eine neue Aufgabe", erinnert sich Hans Schumacher, der kurz vorher, im Jahr 2000 pensioniert worden war. "Ich habe doch manches Mal gedacht, wärst du doch noch in der Schule - hier musste um halb sieben schon der Speis fertig sein, gegen zehn abends waren wir oft erst zu Hause". Die Gewerke waren zwar vergeben, doch sehr viel wurde ehrenamtlich geleistet: Elektro- und Schlosserarbeiten, Streichen, Handlangerdienste. 2004 wurde Eröffnung gefeiert. "Und dann konnte ich endlich wieder meiner alten Liebe gerecht werden, der Kunst", sagt Schumacher. Bereits beim Schreiben der Sennebücher hatte er begonnen, heimische Bilder zu sammeln, rund 60 davon hat er später den Museum übergeben. Nun richtete er seinen Fokus auch auf Skulpturen. 2010 wurde vor der Osthusschule im Rosenbeet mit dem "Stehenden Mädchen" von Irene Müller die erste Skulptur aufgestellt. Parallel startete Schumacher beim Bücherschreiben durch - 24 Dokumentationen sind es jetzt. 2012 beginnt sein Rückzug aus den Ehrenämtern: erst als als Ortsheimatpfleger, wenig später als Vorsitzender des Fördervereins. Zwei Jahre später wurde er zum Museumsleiter ernannt, den Posten gab es vorher nicht. Doch auch den hat er nun aufgegeben. Harald Grundmann, lange Jahre in der Stiftung Hülsmann tätig, übernimmt, er ist Schumachers Wunschnachfolger. Gartenfans sollen sich beim Förderverein melden Auch seine Frau gibt ihre Verantwortung für die Gärten - "aus gesundheitlichen Gründen" - ab, künftig müssen andere dort pflegen. Gartenfans können sich gerne beim Förderverein melden. Hans Schumacher will zu einer "alten Liebe" zurückkehren: seine Kakteensammlung. Und er wird weiter schreiben, die nächsten Dokumentationen sind bereits fest eingeplant. "Ich bin ein Mensch, der gerne arbeitet", meint er schlicht. Und seine Frau, die sich künftig auf den heimischen Garten und aufs Haus konzentrieren will? Ihre Begründung für ihr langjährige Engagement ist ebenso einfach wie überzeugend: "Wer es ein bisschen schön haben will, der muss etwas dafür tun."

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