Senne/Friedrichsdorf Baustelle setzt Eichen zu: Sorge um 100-jährige Bäume

Am Kuckucksweg: Die Bagger rücken auch den ältesten Bewohnern des Grundstücks ziemlich auf die Borke. Drei von zehn sehen geschädigt aus

Nicole Hille-Priebe

Senne/Friedrichsdorf. Eigentlich ist die Formulierung klar: "Die Baumschutzsatzung untersagt es, solche Bäume zu fällen, zu entfernen oder zu schädigen, sie wesentlich zu verändern oder ihr weiteres Wachstum zu beeinträchtigen. Verboten sind folglich auch Eingriffe in den Wurzelbereich." Bei den zehn Eichen, die auf einem Neubaugebiet am Kuckucksweg in Friedrichsdorf stehen, handelt es sich zweifelsfrei um "solche" Bäume mit einem Stammumfang von mindestens 100 Zentimetern, die durch die Satzung ausdrücklich geschützt werden sollen. Über den derzeitigen Zustand der Eichen besorgt, schlägt ein Anwohner nun Alarm und hat die Lokalredaktion der Neuen Westfälischen gebeten, der Sache nachzugehen. "Sie sterben", sagt er. Besonders die Baggerarbeiten auf dem Gelände hätten den alten Riesen zugesetzt, vermutet der Baumfreund. Beim Ortsbesuch werden zwei Dinge klar: Einigen Eichen geht es tatsächlich nicht gut, und im Weg sind sie offenbar auch. "Die Sorge kann ich verstehen", erklärt ein Arbeiter, der in einem der zwei bereits stehenden Rohbauten beschäftigt ist, "da sollen schließlich noch zwei Häuser hin, und der Kran braucht dann ja auch Platz". Der ausführende Architekt Kai Beckmann bestätigt auf Nachfrage, dass am Kuckucksweg noch weitere Häuser entstehen sollen. "Aber nicht im Bereich der Bäume", beruhigt er. "In der Mitte des Geländes stand bereits vorher ein Gebäude, das für die Bebauung abgerissen wurde. Dort soll die neue Bebauung hin, das wurde natürlich auch mit dem Grünflächenamt durchgesprochen." Die genaue Parzellierung gebe der Bebauungsplan vor. Das Gütersloher Grünflächenamt sieht offenbar keinen Handlungsbedarf, obwohl es bestätigt, dass die Eichen baurechtlich unter Bestandsschutz stehen. "Zurzeit sind im Zusammenhang mit dem aktuellen Baugeschehen keine Schäden erkennbar. Ein Verstoß gegen die Baumschutzsatzung ist nicht feststellbar", heißt es in einer Stellungnahme. "Dass drei der Eichen dennoch geschädigt aussehen, ist schwierig zu beurteilen, das mag an der Trockenheit liegen oder auch daran, dass sie über Jahre direkt im Pflaster standen."

realisiert durch evolver group