Pioniere: Kai und Yvonne Steinkröger bringen über das Portal „Marktschwärmer“ Verbraucher und Lebensmittelerzeuger zusammen. Das Netzwerk bietet die Möglichkeit, direkt und regional zu bestellen und den Warenkorb an einem Ort abzuholen. - © Judith Gladow
Pioniere: Kai und Yvonne Steinkröger bringen über das Portal „Marktschwärmer“ Verbraucher und Lebensmittelerzeuger zusammen. Das Netzwerk bietet die Möglichkeit, direkt und regional zu bestellen und den Warenkorb an einem Ort abzuholen. | © Judith Gladow

Senne Vom Feld in den Korb „geklickt“

Marktschwärmer: Yvonne und Kai Steinkröger holen ein wachsendes Online-Netzwerk nach Senne auf ihren Hof. 14 lokale Lebensmittelerzeuger sind bereits im Boot

Judith Gladow

Senne. Eine Onlinebestellung, die Verbraucher und Lebensmittelhersteller näher zusammenbringt? Bei der per Mausklick vorbestellt werden kann und der Wocheneinkauf dann fast ganz ohne Verpackungsmaterial im eigenen Korb landet? Über das Portal „Marktschwärmer" ist das bereits an 40 Orten in ganz Deutschland möglich – nun auch in Bielefeld. Denn Yvonne und Kai Steinkröger vom gleichnamigen Senner Hof waren von dem Prinzip so begeistert, dass sie es nun kurzerhand auch nach Bielefeld geholt haben. Die Feier zum Start ist am 7. September, los geht es aber schon jetzt.„Wir wollen damit den Dialog zwischen Erzeuger und Endverbraucher stärken", sagt Yvonne Steinkröger, der die Leidenschaft für dieses Projekt anzumerken ist. „Da hängt wirklich mein Herz dran." Sie und ihr Mann sind nun „Gastgeber", bei ihnen im Hof auf der Deele können bald die vorbestellten Lebensmittel abgeholt werden. Die stammen direkt von Landwirten, Lebensmittel-Handwerkern und Manufakturen aus dem nahen Umkreis, 14 sind es derzeit, mit weiteren – etwa einem lokalen Bierbrauer – sind Steinkrögers im Gespräch. Zur Auswahl stehen bereits Eier vom Biolandhof Schliekmann, Wurst und Fleisch aus der hauseigenen Schlachtung der Ummelner Fleischerei Münch, Molkereiprodukte vom Hof Strothlüke und vieles mehr, Gemüse, Brot, Aufstriche von süß bis deftig. Sowohl konventionelle als auch bio- und demeterzertifizierte Betriebe sind dabei. In Gütersloh gibt es "Marktschwärmer" schon länger Steinkröger erklärt, wie das Bestellen funktioniert: „Die Kunden können sich im Onlineshop immer samstags bis mittwochs ihren Einkaufskorb zusammenstellen. Sie bezahlen die Ware online und holen sie dann freitags zwischen 16.30 und 18 Uhr bei uns ab." Abo, Bestellzwang Mindest- oder Mitgliedsbeiträge gibt es nicht. „Der Kunde bestimmt selbst, was in seinem Korb ist, und kann auch mal nicht bestellen", sagt Kai Steinkröger. Lediglich beim Portal „Marktschwärmer" müssen Interessenten sich registrieren. Kennengelernt hat das Ehepaar die „Marktschwärmer" durch ihre Freunde Daphne und Bastian Seehaus, die in Gütersloh auf Hof Kattenstroth schon länger als Gastgeber agieren. Dort war Hof Steinkröger schon länger als Lieferant unter anderem von Spargel und Kartoffeln mit an Bord. „Man kann direkt miteinander über die Produkte ins Gespräch kommen. Einmal im Monat, immer am ersten Freitag, sind die Erzeuger selbst vor Ort." Außerdem werde die Ware, soweit möglich, lose geliefert, so dass sie direkt in mitgebrachte Taschen wandern kann. „Wir sehen uns aber nicht als Konkurrenz zu den Wochenmärkten", sagt die 42-Jährige. „Wir machen das vor allem aus Idealismus" Ansprechen wollen sie und die anderen, die ihre Waren dort anbieten, vor allem Berufstätige, denen Umwelt und Ernährung am Herzen liegt, die es aber nicht zum Wochenmarkt schaffen. Langfristig wünscht sich Yvonne Steinkröger, dass die Abholung auf der Deele zu einem Treffpunkt für die Nachbarschaft wird. Die Anbieter wiederum umgehen dadurch etwas den Preisdruck an den Ladentheken des Einzelhandels. „Lebensmittel sind in Deutschland unheimlich günstig", betont Yvonne Steinkröger, und ihr Mann ergänzt: „Mit den Preisen, die der Einzelhandel uns Erzeugern vorgibt, lässt sich kaum noch Geld verdienen. Dabei möchten die Verbraucher sogar mehr zahlen." Bei „Marktschwärmer" bestimmen die Anbieter ihren Preis. Allein über die Online-Direktvermarktung den Lebensunterhalt verdienen könne man trotzdem noch nicht, meinen Steinkrögers. „Wir machen das vor allem aus Idealismus. Um Regionalität zu stärken."

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