Großzügig: Die ehemalige Küche aus dem von-Plettenberg-Stift mit professioneller Ausstattung bietet zudem viel Platz zum Kochen. - © Silke Kröger
Großzügig: Die ehemalige Küche aus dem von-Plettenberg-Stift mit professioneller Ausstattung bietet zudem viel Platz zum Kochen. | © Silke Kröger

Senne Wenn das Baby nicht atmen kann

Wohnpark von Plettenberg: Der große Saal ist nicht wiederzuerkennen. Dort ist eine Intensivpflege-Wohngemeinschaft eingezogen. Auch sonst hat sich einiges getan

Silke Kröger

Senne. Das einstige Wohnstift von Plettenberg ist ein bisschen zu seinen Ursprüngen zurückgekehrt. Der große Saal und die angrenzenden Räume im heutigen Wohnpark sind seit Herbst 2017 für neue - und deutlich jüngere - Bewohner von Grund auf umgebaut worden. Elf Zimmer (ab 21 Quadratmeter) plus Küche und Gemeinschaftsraum sind im neuen "Haus Joshua" hinter dem Ex-Haupteingang entstanden. Dahinter verbirgt sich eine Intensivpflege-Wohngemeinschaft für Kinder und Jugendliche der Bonitas-Holding. Und auch sonst hat sich hier und da etwas getan. WOHNGEMEINSCHAFT Bonitas betreibt bereits im vierten Jahr ihr "Kleines Heim mitten im Leben" mit 19 Plätzen im "Kleeblatt", dem zweigeschossigen Nebentrakt des Wohnparks, für pflege- und betreuungsbedüftige Erwachsene. Mit "Haus Joshua" ist seit Mai ein besonderes Angebot hinzugekommen. Es richtet sich an Eltern mit intensiv- oder beatmungspflichtigen Kinder, die nach der Krankenhausphase eine Unterbringung für ihren Nachwuchs suchen. "Der Bedarf ist riesig", sagt Bonitas-Geschäftsführer Lars Uhlen. "Die Hospizstationen sind voll und die Kliniken auch. Und so ein Intensivbereich ist ein rares Gut." Seit der Eröffnung im Mai leben vier Patienten im Säuglingsalter im "Haus Joshua", liebevoll betreut von 18 Mitarbeitern im Schichtbetrieb. Sind alle Plätze belegt, werden es über 50 Pflegekräfte sein, davon 32 in Vollzeit. Uhlen: "Wir übernehmen nur weitere Kinder, wenn das Team stabil ist." In "Haus Joshua" wird viel Wert auf eine familiär-wohnliche Atmosphäre gelegt. Jedes der - behindertengerechten - Zimmer verfügt über ein eigenes Bad. "Wir schauen dann, ob die Kinder dauerhaft bei uns bleiben können", sagt Uhlen, Eigentlich aber sei es Ziel, dass sie nach einiger Zeit wieder zurück in ihr Zuhause, in ihre Familie, ziehen. Darauf werden die Eltern in "Joshua" sorgfältig vorbereitet, sie lernen auch, sich dem besonderen Rhythmus ihres Kindes besser anzupassen. "Wir machen sie fit für die Pflege mit ,learning by doing?", erklärt Uhlen und fügt mit einem kleinen Lachen hinzu: "Aber einige sind fast fitter als manche Pfleger." GASTRONOMIE Im hinteren Bereich des Wohnparks betreibt das Ehepaar Alexander und Bettina Einecke seit Anfang 2017 das kleine Bistro "Geschmacks-Idee" mit rund 50 Plätzen, das für Familienfeiern ab 25 Personen gemietet werden kann. Jeden ersten Sonntag im Monat gibt?s hier zudem ein großes Frühstücksbuffet, freitags einen Mittagstisch. "Die Leute können uns hier kennenlernen", sagt Alexander Einecke, der mit dem Entwicklung seiner "Event"-Firma durchaus zufrieden ist. "Durch Mund- zu-Mund-Propaganda spricht es sich auch immer mehr herum", ergänzt Ehefrau Bettina. Doch das Hauptgeschäft sei das Catering mit frischen, hausgemachten Speisen. Für all das ist der Wohnpark ideal. "Wir haben hier eine wirkliche Luxusküche", meint Bettina Einecke - dort wurde früher für die Bewohner des Pflegeheims gekocht. Die Bistrogäste können dem Gastro-Ehepaar beim Kochen durch ein "Küchenfenster" zusehen. ENGLISCH IM WOHNPARK Bereits kurz nach ihrem Einzugs im "Kleeblatt" hat Helga Smith, die lange Zeit in Colchester (Essex) gewohnt und als Übersetzerin und Deutschlehrerin gearbeitet hat, zum Englischsprechen in den großen Saal eingeladen. "Ich wollte unbedingt was in geselliger Runde machen, mit Landeskunde und Kultur." Daraus hat sich dann eine feste Gruppe entwickelt. Die Teilnehmer kommen auch von außerhalb, sie sind zwischen 15 und 88 Jahre alt. Das sorgt für abwechslungsreiche Gespräche, ebenso wie besondere Feiern, Gartenpartys mit Pimms etwa, Guy Fawkes mit "High Tea", "Fish-and Chips"-Essen oder "English Breakfast". "Wir pflegen die Traditionen", sagt die lebhafte 76-Jährige und lacht. Wer dazustoßen wolle, sei herzlich willkommen. MEHRERE GENERATIONEN Als der Wohnpark vor fünf Jahren eröffnet wurde, waren die 54 Wohnungen - 40 bis 130 Quadratmeter groß - schnell vergeben. "Die Nachfrage von älteren Interessenten war aber deutlich größer", berichtet Investor Horst Heimer, der sich gern mehr Familien mit Kindern für sein Mehrgenerationen-Projekt gewünscht hätte. Von den 61 Hausbewohnern seien 38 Mieter über 60 Jahre alt. Doch das Zusammenleben klappe prima: "Im Haus herrscht ein besonderer Geist. Hier muss kein Mensch einsam sein."

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