Unbekannte haben das Gebäude stark beschädigt. - © Christian Mathiesen
Unbekannte haben das Gebäude stark beschädigt. | © Christian Mathiesen

Bielefeld Mutmaßlicher Anschlag auf türkischen Kulturverein in Bielefeld

Staatsschutz ermittelt: Gebäude von Erdogan-naher "Union Europäisch-Türkischer Demokraten" beschädigt / Medienberichte über Bekennerschreiben von PKK-naher kurdischer Vereinigung

Dennis Rother
Ansgar Mönter

Bielefeld. Auf die Geschäftszentrale der „Union Europäisch-Türkischer Demokraten", kurz UETD, an der Fabrikstraße in Bielefeld-Senne ist mutmaßlich ein Anschlag verübt worden. Am frühen Montagmorgen – zwischen 2.30 und 4 Uhr – wurden mehrere Fensterscheiben eingeworfen. Die Fassade wurde mit Farbschmierereien beschädigt. Laut Polizeiangaben sei der Staatsschutz eingeschaltet. Gegen 7.30 Uhr waren Beamte am Montagmorgen gerufen worden. Zeugen haben laut Senol Sayilli von der UETD Bielefeld vier Jugendliche in der Nähe des Tatorts gesehen. Sayilli schätzt den Sachschaden auf gut 10.000 Euro. Neben der Fassade und den Fensterscheiben sind „innen auch Möbel beschädigt worden", teilt er auf Anfrage mit. Türkische Medien berichten von Bekennerschreiben Laut türkischen Medien hat die „Apoistische Jugendinitiative" ein Bekennerschreiben hinterlassen. Die Aktion, so schreibe das „Rachekommando Eylem Newroz", richte sich gegen „sämtliche Einrichtungen des kolonialistischen türkischen Staates und seiner Kollaborateure in Europa." Bei der Apoistischen Jugend handelt es sich offensichtlich um eine PKK-nahe Organisation, die den in der Türkei wegen Terrorismus inhaftierten Kurden-Milizenführer Abdullah Öcalan verherrlicht. Hintergrund der Tat dürfte deshalb der kriegerische Konflikt zwischen türkischer Regierung und Kurden in der Türkei sein. Schon früher Konflikte Die UETD steht dem türkischen Staatspräsidenten Erdogan nahe. Sie ist europaweit vertreten und fungiert als Lobbyverein für die Erdoganpartei AKP. Die „Apoistische Jugendinitiative" hat bereits für mehrere solcher Aktionen in vielen Städten Deutschlands die Verantwortung übernommen. Auch in Bielefeld gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Konflikte zwischen kurdischen und türkischen Gruppen. So wurden 2016 die Räume der türkischen Grauen Wölfe von Kurdischstämmigen belagert und angegangen. Die UETD hat in Bielefeld nach Angaben von Senol Sayilli etwa 80 Mitglieder. Sayilli ruft seine Mitglieder zur Zurückhaltung auf. „Ich möchte eine Eskalation vermeiden", sagt er.

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