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Gerüchte habe es schon seit Monaten gegeben, räumen die Anwohner ein. Da aber nichts Konkretes bekannt geworden sei, hätten sie nicht vorher gegen den Abriss protestieren können. Einige sprechen von einer "Nacht und Nebel"-Aktion. - © FOTO: SYLVIA TETMEYER
Gerüchte habe es schon seit Monaten gegeben, räumen die Anwohner ein. Da aber nichts Konkretes bekannt geworden sei, hätten sie nicht vorher gegen den Abriss protestieren können. Einige sprechen von einer "Nacht und Nebel"-Aktion. | © FOTO: SYLVIA TETMEYER

Sudbrack Eines der letzten Wahrzeichen

Anwohner protestieren gegen Abriss des Hofes Sudbrack / Befürchtung: Neubauten zu hoch und zu massiv

VON SYLVIA TETMEYER
03.12.2012 | Stand 03.12.2012, 21:30 Uhr

Sudbrack. Sie sind enttäuscht und wütend: Am Samstag versammelten sich rund 30 Anwohner vor der Ruine des einst imposanten Bauernhauses an der Sudbrackstraße, Ecke Apfelstraße. "Wir fühlen uns übergangen", sagt Hans Mertens. Es sei "skandalös", dass niemand vor dem Abriss informiert worden sei. Viele befürchten, dass die geplanten Neubauten zu hoch und zu massiv werden.

Ingeborg Gutmann lebt seit 1938 in unmittelbarer Nähe des ehemaligen Grundstückes der Baugesellschaft Sudbrack. "Mein Vater hat für die Baugesellschaft Holz gekauft", erzählt die 84-Jährige. Jetzt sei sie "sehr enttäuscht", dass vorher niemand etwas von dem geplanten Abbruch erfahren habe.

Information

Bebauungsplan

Auf der Tagesordnung der Bezirkssitzung am kommenden Donnerstag, 6. Dezember, steht die Neuaufstellung des Bebauungsplans "Wohnen an der Apfelstraße, Ecke Sudbrackstraße".

Die öffentliche Sitzung in der kleinen Mensa der Martin-Niemöller-Gesamtschule beginnt um 17 Uhr.

Die Aufstellung des Bebauungsplanes soll im "beschleunigten Verfahren" durchgeführt werden.

ine "frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung" ist für einen späteren Zeitpunkt geplant. (syl)

Christian Holdack hat 25 Jahre lang in Sudbrack gewohnt. "Ich kann nicht verstehen, dass der namensgebende Hof für den Stadtteil wegkommt", sagt der 53-Jährige. Britta Weber fragt sich, warum das Dach vor 15 Jahren neu gedeckt wurde. Außerdem könne das Haus nicht so marode gewesen sein, wie von den Besitzern behauptet: "Sonst würden die Eichenbalken ja nicht für die Möbelindustrie verwendet werden."

"Man hätte das Bauernhaus gut in ein neues Projekt integrieren können", findet Beate Mertens. Nun sei eines der "letzten Wahrzeichen" des Ortes weg. Damit gehe ein "Stück Identität" verloren. Brigitte Tiemann berichtet, dass die Gartenhäuschen der zehn Mehrfamilienhäuser Am Rottland direkt an das ehemalige Grundstück der Baugesellschaft grenzen.

Dort befinde sich die so genannte Remise. "Ich habe ein Schreiben erhalten, in dem ich dazu aufgefordert werde, den Zustand des Gartenhauses begutachten zu lassen. Wenn beim Abbruch der Remise Schäden daran entstehen, muss ich nachweisen, dass diese nicht schon vorher da waren", sagt Tiemann. Merkwürdig sei jedoch, dass andere Anwohner kein Schreiben erhalten hätten.

Die Versammelten wissen zwar, dass sie das ehemalige Bauernhaus nicht mehr retten können, warum das städtische Bauamt jedoch "sehr schnell" eine Abrissgenehmigung erteilt hat, bleibt ihnen unklar. "Das läuft normalerweise nicht so ab. Hier sollten kurzfristig Fakten geschaffen werden", sagt Joachim Schmidt, der nach eigenen Angaben mit Mitarbeitern des Bauamtes gesprochen hat.

Dort habe es geheißen, dass die untere Denkmalbehörde das Haus noch einmal in Augenschein nehmen werde, um zu prüfen, ob es unter Schutz gestellt werden könne. Nun hofft der Rechtsanwalt, dass die Anwohner zumindest beim Bebauungsplan, der jetzt neu aufgestellt werden müsse, noch Einfluss nehmen können. "Die Bebauung darf nicht so hoch werden", sind sich die Anwesenden einig. Das etwas verändert werden müsse sei erklärlich. "Sie hätten das Haus aber als Identifikationspunkt erhalten sollen."

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