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Doppelt so teuer? Die Leitung der Universität Bielefeld redet Tacheles zur Sanierung des Hautpgebäudes. - © Sarah Jonek
Doppelt so teuer? Die Leitung der Universität Bielefeld redet Tacheles zur Sanierung des Hautpgebäudes. | © Sarah Jonek

Interview Bielefelder Uni-Sanierung: „Haben Opfer gebracht, damit Kosten nicht weiter steigen“

Die Verwaltungsspitze der Universität Bielefeld weist die Kritik des Landesrechnungshofes an der Sanierung des Hauptgebäudes entschieden zurück. Im Interview beziehen Rektor Gerhard Sagerer und Kanzler Stephan Becker Position zu den Vorwürfen und kritisieren den BLB.

Andrea Rolfes
05.09.2019 | Stand 05.09.2019, 17:06 Uhr

Bielefeld-Schildesche. Im Interview mit der NW erhebt die Leitung der Universität Bielefeld jetzt Vorwürfe gegen den Bau- und Liegenschaftsbetrieb Bielefeld des Landes Nordrhein-Westfalen. Dieser habe Zeitpläne 
nicht eingehalten und Kostenprognosen zum Umbau der Universität nach oben korrigiert. Die Kritik des Landesrechnungshof an der Sanierung des Hauptgebäudes weisen Rektor Gerhard Sagerer und Kanzler Stefan Becker unterdessen entschieden zurück: Es seien zwei Zahlen miteinander verglichen worden, die nicht seriös vergleichbar seien. Die Uni habe zudem "Opfer gebracht", um weitere Kostenanstiege zu vermeiden. Herr Sagerer, Herr Becker, der Landesrechnungshof hat sich angesichts drastisch angestiegener Baukosten und einem aus dem Ruder gelaufenen Zeitplan kritisch gegenüber der Universität und dem Bau und Liegenschaftsbetrieb (BLB) geäußert. Wie stehen Sie zu der Kritik? BECKER: Die Kritik des Rechnungshofes bezieht sich zunächst auf die Zeit zwischen 2010 bis 2016. Diese erste Planungsphase war hochproblematisch. Die haben wir immer kritisiert. Da sind auch Fehler gemacht worden, die der Rechnungshof aufgearbeitet hat. Allerdings hatte die 2016 vom BLB beauftragte Risikoprüfung dafür bereits die Grundlage gelegt. Gehen wir noch einmal zurück. Was war damals geschehen? BECKER: Ab 2014 hat die Geschäftsstelle des BLB, Niederlassung Bielefeld, die Kostenprognosen regelmäßig nach oben korrigiert und Zeitpläne nicht eingehalten. Das haben wir als leidvolle Erfahrung erlebt. Wir haben keine vernünftigen Antworten darauf bekommen, warum das so war. Wie ging es dann weiter? SAGERER: Die Bemühungen nachzufinanzieren, gerieten irgendwann an ein Ende. So kamen wir ins Jahr 2016. Da hat die Geschäftsleitung des BLB vorgeschlagen, die Reißleine zu ziehen. Die BLB-Zentrale in Düsseldorf hat dann in enger Abstimmung mit unserem Kanzler das Projekt „1. Bauabschnitt" durch einen externen Gutachter untersuchen lassen. Eine richtige Entscheidung. Diese Risikoprüfung war Grundlage für geänderte Weichenstellungen. Welche Konsequenzen ergaben sich daraus? SAGERER: Nach unserer Überzeugung haben die Risikobewertung und die darauf aufbauende Neujustierung des Projektes finanziellen Schaden vom Land abgewendet. Um es deutlich zu sagen: Der BLB hat hier mit unserer Unterstützung eine Entwicklung wie bei der Fachhochschule oder dem Berliner Flughafen verhindert. Die nun prognostizierten Kosten bewegen sich im Rahmen der aktuellen Richtwerte. Übrigens: Die Vergabe an den Generalunternehmer hat gezeigt, dass die Planungen richtig waren. Das müssen Sie erklären. BECKER: Das Projekt wurde neu aufgestellt. Die Niederlassung Dortmund hat den Auftrag bekommen. Und es wurde unter anderem bauingenieurmäßig in den Entwurf eingegriffen. Der wurde mit unserer Zustimmung verändert und vereinfacht – mit durchaus schmerzhaften Opfern für uns. Um die Kosten zu reduzieren und Risiken auszuschließen. Es gab beispielweise keine Eingriffe mehr in die Statik und Struktur des Hauptgebäudes, keine Überdachung für den offenen Innenhof am neuen Eingang, keine Terrassenabstufungen im neuen Eingang. Das, was seitdem geschehen ist, ist eine Planung für ein realisierbares Projekt, das mit der Vergabe an den Generalunternehmer in dem jetzt vorgegebenen Kostenrahmen geblieben ist. Sie sprechen von den Änderungen an den Modernisierungsvereinbarungen, von denen der Rechnungshof nun sagt, dass sie weder ministeriell genehmigt noch von den Ministerien geprüft wurden. BECKER: Ich bewerte keine Verfahrensregelungen von Ministerien. Da sind wir der falsche Ansprechpartner. Wir sind aber froh, dass der BLB-Verwaltungsrat 2018 so schnell gehandelt hat, nachdem die Überarbeitung da war. Es hätte sonst schlicht noch ein Jahr länger gedauert. Das Ergebnis hat dieses Vorgehen aus unserer Sicht bestätigt. Die Kosten belaufen sich auf 1,17 Milliarden Euro. Verglichen mit den ursprünglich angesetzten Kosten von 658 Millionen Euro eine deutlich höhere Summe. SAGERER: Die kleine Zahl ist eine Schätzung aus dem Jahr 2010. Die Zahl, die jetzt da steht, ist eine Schätzung von 2018. Die Schätzungen stammen vom BLB. Ich möchte Sie bitten, Folgendes zu berücksichtigen: In der Zwischenzeiten gab es erhebliche Baukostensteigerungen. Die Problematiken bei der Schadstoffentsorgung haben auch dafür gesorgt, dass die Kosten deutlich gestiegen sind. Becker: Das kann man keiner Planung zuweisen. Wenn die Schadstoffsanierung sich als schwieriger herausstellt als ursprünglich vorgesehen, dann ist das ein Problem, das in der Sache liegt. Wie sieht es mit dem Zeitplan aus? Nun ist von 27 statt 13 Jahren die Rede. BECKER: Auch diese Zahlen stammen vom BLB. Die Fehler der ersten Phase haben unstreitig zu einer Verlängerung und damit auch zu höheren Kosten geführt. Lassen Sie mich aber feststellen: Ab 2016 wurden die richtigen Entscheidungen getroffen. Richtig ist, dass es tatsächlich viel länger dauert, als man damals gemeint hat.

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