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Die Linie 4 fährt bisher zum Lohmannshof, soll bald aber den Campus Nord anschließen - und langfristig sogar bis Babenhausen zur Endstation der Linie 3 geführt werden. - © Mike-Dennis Müller / www.mdm.photo
Die Linie 4 fährt bisher zum Lohmannshof, soll bald aber den Campus Nord anschließen - und langfristig sogar bis Babenhausen zur Endstation der Linie 3 geführt werden. | © Mike-Dennis Müller / www.mdm.photo

Bielefeld Stadtbahn in Bielefeld: Sogar mit zwei Linien zur Universität

Erstmals plant die Stadt einen "Ringschluss", um den Zuwachs am Hochschulcampus Nord bewältigen zu können. Doch dafür müssten in Babenhausen große Flächen bebaut werden - was auf heftigen Widerstand stößt

Joachim Uthmann
03.09.2019 | Stand 03.09.2019, 18:05 Uhr |

Bielefeld. In den Semestern ist die Unilinie 4 teils proppevoll. Sie verbindet Universität und Fachhochschule mit der Innenstadt. Für den Campus Nord und weitere Bebauungen wird sie bald bis zur Dürerstraße verlängert. Doch neueste Pläne sehen sogar einen "Ringschluss" mit der Linie 3 an der Splittenbreede vor. Ein Novum in Bielefeld - und eins, das auf heftigen Widerstand stößt. Derzeit würde die so verlängerte Linie 4 nur über Äcker und Wiesen fahren, was wenig sinnvoll wäre. Doch die Idee stammt aus Überlegungen, im Anschluss an den Campus Nord in Richtung Babenhausen neue Wohngebiete zu entwickeln - für rund 10.000 Menschen. Das müsste ans Stadtbahnnetz angeschlossen werden. Doch dafür würden rund 50 Hektar freie Landschaft geopfert. Neue Wohngebiete für 10.000 Menschen Auf der anderen Seite könnte die Stadt hier gezielte Stadtentwicklung betreiben: Denn neue, immerhin auch dringend benötigte Wohngebiete würden parallel mit der nötigen ÖPNV-Erschließung gebaut. Und dafür wäre die Stadtbahn leistungsfähiger, als Fahrgäste allein mit Buslinien zu befördern. Aber eine neue Stadtbahnstrecke wäre deutlich teurer und würde das MoBiel-Defizit erhöhen. So steckt die Stadt in der Zwickmühle. Schon bei Bau der Uni vor 50 Jahren war der heutige Campus Nord als Erweiterungsfläche eingeplant. Lange dachte man, sie würde nicht benötigt. Doch das Umschwenken der Politik, die Fachhochschule, die über die Stadt verteilt war, genau dort anzusiedeln, lenkte die Stadtplanung auf das Gebiet nördlich der Uni. Stadt in der Zwickmühle Wenn Menschen dort studieren, zusätzlich Forschungsinstitute angesiedelt werden und die Uni jetzt um die Medizinische Fakultät wächst, drängt es sich auf, in der Nähe Wohnraum zu schaffen. Auch die Siedlungen Lohmanns- und Schürmannshof entstanden in den 60er- und 70er-Jahren, als die Uni kam. CDU und FDP brachten die Freiflächen Richtung Babenhausen jetzt früh ins Spiel. SPD und Grüne tun sich dagegen schwer, in Natur und Landschaft einzugreifen. Und vor Ort regt sich seit Längerem heftiger Widerstand, wie schon bei der Planung des Campus Nord. Doch die Stadt tastet sich vor. Mit dem geplanten, bald gebauten Wohngebiet Grünwaldstraße für 700 Bewohner (vor allem Studenten) fällt die Rechtfertigung der anstehenden Linie-4-Verlängerung zur Dürerstraße leichter. Dieser 1,3 Kilometer lange Abschnitt ist genehmigt, soll ab 2020 gebaut werden und könnte 2022 in Betrieb gehen. Die Stadtholding BBVG hat gerade die Planung ausgeschrieben. Stadtbahnstrecke und Straßenausbau sollen rund 18 Millionen Euro kosten. Voltmannstraße als Alternative? In der jüngsten Studie, die Ideen für weitere Bebauungen für bis zu 10.000 Menschen rund um den Babenhauser Bach vorsieht, ist eine Trasse der Linie 4 von der Dürerstraße aus über die Felder an der Wittebreite zur Babenhauser Straße eingezeichnet mit mehreren Haltestellen. Eine Alternative wäre aber auch die Verlängerung der Linie 4 über die gerade frisch sanierte Voltmannstraße. Mit Gegenwind muss die Stadt bei allen Varianten rechnen. Das erfuhr Dezernent Gregor Moss (CDU) erst jüngst bei einer Bürgerinformation. Während der Bau der Verlängerung bis zur Dürerstraße 2020 beginnen könnte, steckt die Planung für den "Ringschluss" aber noch im Anfangsstadium. Gegenwind für Stadtplaner Sollte sie fortgeführt werden, will das Amt für Verkehr die Bürger ähnlich wie bei anderen Stadtbahn-Planungen stärker im Dialog mit einbeziehen, sagt Verkehrsplaner Patrick Kühn. Zunächst müssen sich die Dornberger und die Stadtentwicklungspolitiker aber einigen, wie es mit der Ortsentwicklung Babenhausens weitergeht. Und da gibt es viele Unklarheiten. Nur wenn hier in größerem Ausmaß neue Wohnungen entstehen, wäre eine Stadtbahn-Anbindung sinnvoll. Kommen würde sie aber kaum vor 2030. Denn für Planung, Genehmigungsverfahren, Ausschreibung, Finanzierung und Bau ist mindestens mit zehn Jahren Zeit zu rechnen. Die Krux: Keiner weiß, ob der Bedarf dann wirklich da ist. Fertig nicht vor 2030 Die Erwartung an den Hochschulen ist teils aber optimistischer. In dem Strategiepapier zur "Wissenschaftsstadt Bielefeld", das 2016 mit der Stadt und in Arbeitsgruppen erarbeitet wurde, hofft man noch auf einen "Umsetzungshorizont" bis 2025. Der Wunsch damals: So wäre eine Entlastung der Linie 4 zu schaffen.

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