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„Einfach ehrlich. Durch und durch Bio": Der Slogan am vielleicht bald begrünten Wartehäuschen lässt Steve Wasyliw auflachen. - © Kurt Ehmke
„Einfach ehrlich. Durch und durch Bio": Der Slogan am vielleicht bald begrünten Wartehäuschen lässt Steve Wasyliw auflachen. | © Kurt Ehmke

Meinung Ausgerechnet die Bielefelder CDU will jetzt grüne Bus-Wartehäuschen

Ist die "Söderisierung" der Konservativen nun auch in OWL angekommen? Es wirkt so. Die CDU setzt zum Überholen an - auf der Umweltspur.

Kurt Ehmke
30.08.2019 | Stand 29.08.2019, 20:05 Uhr

Bielefeld-Schildesche. Hat die „Söderisierung" die Bielefelder CDU erreicht? Es scheint so. Mit dem kleinen Unterschied, dass der dicke grüne Pinsel nicht, wie in Bayern, vom Chef geschwungen wird, sondern von jungen Aufsteigern. Alexander Rüsing (28) ist einer, Steve Wasyliw (30) ein anderer. Letzterer, in Schildesche Bezirksvertreter und CDU-Chef, lud jetzt ein, um Ideen vorzustellen. Für die Bezirksvertretersitzung in einer Woche fragt er, welche Baumarten nachgeforstet werden; und kritisiert: „Es wird längst nicht überall eins zu eins nachgepflanzt." Auch will er wissen, auf welchen städtischen Gebäuden noch Photovoltaik nachgerüstet werden könne. Und welche Ampeln nachts besser ausgeschaltet werden könnten, um Strom zu sparen. Und wo es noch Handlungsbedarf gebe, Bachläufe so zurückzubauen, dass sie wieder naturnah sind. Sein Motto: „Natur Natur sein lassen" – ein uralter Slogan der Nationalparkbewegung. Idee aus Utrecht Und: Er wünscht sich, dass Dächer von Wartehäuschen an Bus und Bahn begrünt werden. Diese Idee hat er aus Utrecht, wo es die grünen Häuschen gibt, wo sie in der Umgebung 80 Prozent des Feinstaubs binden, Lärm reduzieren, Insekten beglücken und die Häuschen kühlen sollen. Grüner geht’s kaum. Schmunzeln muss er bei der Frage, ob im NW-Archiv wohl konträre Stellungnahmen der CDU zu finden wären; die beispielsweise gegen die Lutterfreilegung wüteten oder den Baumschutz in Frage stellten. Impulse in die CDU Natürlich ist das Klima der Grund seines Vorstoßes. Er will Impulse setzen – von Schildesche aus. Aber er will auch darüber hinaus wirken: „Zur Initiative gehört auch, dass wir die Partei ein wenig treiben." Wir, dass sind die Jüngeren. Er sagt mit Blick auf seine Konservativen: „Conservare heißt bewahren – und das gilt doch auch für die Natur." Wasyliw gibt unumwunden zu: „Das soll schon auch in meine Partei hineinwirken." Und das tut es. Zwei Tage vor der Schildescher Sitzung tagt der gesamtstädtische Ausschuss für Umwelt- und Klimaschutz – und was findet sich hier auf der Tagesordnung? Ein Antrag der Ratsfraktion der CDU zur Dachbegrünung von Bus- und Stadtbahnhaltestellen. 100 sollten in einer Art Pilotprojekt begrünt werden, fordert die Fraktion. Überholmanöver auf der Umweltspur Zufall? Sicher nicht. Alexander Rüsing (28) will das begründen, Fraktionsgeschäftsführer Detlef Werner (63) hat unterschrieben. Adressat ist ... pikanterweise der Ausschussvorsitzende Jens Julkowski-Keppler, seines Zeichens auch Fraktionschef der Grünen. Das dürfte Freude bereitet haben: Ein CDU-Überholmanöver auf der virtuellen Umweltspur; auch wenn die real existierende Umweltspur auf dem Jahnplatz abgelehnt wird. Auf die Frage, ob ihm die Fraktion das Thema „grüne Bushaltehäuschen" gemopst habe, schmunzelt Wasyliw ein wenig, und sagt mit Blick auf Parteifreund Werner: „Das Wirken in die Partei hinein hat offenbar schon begonnen."

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