Pilzsammler: Robert Schaike sucht gern an der Werther Straße hinter der Universität. Und dort fand er auch den Pilz, der ihn vor Fragen stellte. - © Andreas Zobe
Pilzsammler: Robert Schaike sucht gern an der Werther Straße hinter der Universität. Und dort fand er auch den Pilz, der ihn vor Fragen stellte. | © Andreas Zobe

Bielefeld Pilzsammler gelingt Sensationsfund: Neue Art im Bielefelder Wald entdeckt

DNA-Analyse in Spanien: Wie sich herausstellt, hat ein 54-Jähriger in der Nähe der Uni Bielefeld eine noch unbekannte Pilzart entdeckt.

Rafael Krawczyk

Bielefeld. Robert Schaike streift seit Jahren gerne und häufig durch die Bielefelder Wälder. Er ist Pilzsammler durch und durch, kann mittlerweile rund 250 verschiedene Pilzarten bestimmen. Bei einem Exemplar aber lag er daneben. Aus gutem Grund: Wie sich herausstellte, hat der 54-Jährige in der Nähe der Uni Bielefeld eine unbekannte Pilzart entdeckt. Ein Glücksfall. Vor etwa fünf Jahren fand er bei einem Waldspaziergang zu seiner neuen Leidenschaft. Wissbegierig wollte Robert Schaike wissen, welche Pilze er vor sich hatte. Er informierte sich online und wollte mehr erfahren. „In einem Pilzkurs im Sauerland habe ich erfahren, dass es in Bielefeld eine richtige Szene gibt." Schaike bildete sich fort, bestand kürzlich sogar die Prüfung zum Pilzsachverständigen der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (Wissenschaft von den Pilzen). Fundort hinter der Universität In Bielefeld geht Schaike gern in den Heeper Fichten auf Pilzsuche. Ebenso gern besucht er das Gelände an der Werther Straße hinter der Universität. Und dort fand er auch den Pilz, der ihn nach anfänglicher Gewissheit vor Fragen stellte. Das war im Frühjahr 2017. Als Schaike den Pilz entdeckte, ging er wie üblich mit seiner routinierten Bestimmungsarbeit vor. Erst prüfte er die Bodenbeschaffenheit, dann hebelte er den Pilz komplett aus, ohne ihn abzuschneiden, um keine weiteren Bestimmungsmerkmale zu zerstören. Zu Hause folgten optische Begutachtung und Geruchsprobe. Auf einem weißen Blatt Papier fing er das Sporenpulver auf. Dann tastete er sich mit Bestimmungsbüchern weiter heran. Pilz zunächst falsch bestimmt Seine Erkenntnis: Der Pilz ist wahrscheinlich ungenießbar. Schaike bestimmte ihn und stellte ihn in ein Forum für Mykologen ein. Doch dort äußerten weitere Pilzsammler Bedenken. Schaike wurde mit seinem Fund an den Mykologen Andreas Melzer in Sachsen verwiesen. Und der bestätigte: Schaike hatte den Pilz falsch bestimmt. Andreas Melzer bat ihn, einen neuen Pilz dieser Art zu suchen und im getrockneten Zustand an ihn zu schicken. Als Robert Schaike auch noch gebeten wurde, über diesen Fund zu schweigen, wusste er bereits, dass er etwas besonderes gefunden hatte. Melzer vermutete nämlich eine neue Art und schickte die Probe inzwischen nach Spanien zu einer DNA-Analyse. Ein langwieriger Prozess, der annähernd ein dreiviertel Jahr dauerte, begann. Eine neue Art Bei dem gefundenen Pilz handelt es sich um den sogenannten Psathyrella cascoides aus der Pilzgattung der Mürblinge – auch Faserlinge genannt. „Es ist eine riesengroße Pilzgattung," sagt Andreas Kunze von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie. Und es könnte gut sein, dass ein wesentlicher Teil dieser Pilzgattung noch unerforscht ist. „Für den Faserling, den Robert Schaike gefunden hat, wurde unter anderem ein Abstammungsbaum erstellt und es stellte sich dabei heraus, dass es sich um eine neue Art handelte", fügt Kunze hinzu. Ein Finder, ein Entdecker „Natürlich war die Freude groß, als mich diese Meldung erreichte", sagt Schaike. „Die Hauptlast der Arbeit gebührt aber Andreas Melzer. Ich war der Finder, er der Entdecker." Zurücklehnen wollte sich Schaike danach aber nicht. Als Pilzsachverständiger plant er, Kurse anzubieten, um allgemein über Pilze zu informieren. Er möchte den Menschen die Angst vor der Natur nehmen. Im Besonderen vor den Pilzen, denn leider gebe es viel Unwissen über diese Lebewesen, die enger mit Tieren als mit Pflanzen verwandt sind. Bei den Unmengen an Gattungen und Arten auch kein Wunder. Deshalb komme es auch oft zu Pilzvergiftungen. „Dem möchte ich präventiv entgegenwirken", sagt der 54-Jährige. Denn auch im Teutoburger Wald würden zum Teil sehr giftige Pilze wachsen. Robert Schaike: „Daneben lassen sich aber auch tolle Speisepilze finden." Und vielleicht findet Schaike ja noch einmal ein bislang unbekanntes Exemplar.

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